Neue Heimat Alleinerziehender Roboter mit Mutterliebe

München ist nicht immer kompatibel für alleinerziehende Mamas.

(Foto: Catherina Hess)

So fühlt sich unsere Autorin aus Uganda manchmal, seit sie ein Baby bekommen hat. Doch es gibt auch hoffnungsvolle Momente zwischen all dem Stress um Wohnungssuche und Kita-Platz.

Kolumne von Lillian Ikulumet

Nichts auf dieser Welt hat mein Leben mehr bereichert als meine Tochter. Sechs Wochen ist sie nun alt, und jeder Tag mit ihr ist ein Geschenk. Und doch ist es nicht so einfach, dieses Geschenk in vollen Zügen zu genießen. Weil die bayerische Landeshauptstadt nicht wirklich kompatibel ist, für eine alleinerziehende Mama mit Baby.

Die Herausforderungen können einen überwältigen. Das sah ich an einer guten Freundin, die ebenfalls in München wohnte: Sie hatte zwei Kinder und war auch allein. Dazu kam eine zu enge Wohnung, die Kindergartensuche, der Beruf. Meine Freundin funktionierte nur noch wie ein Roboter. Damals war ich davon überzeugt: Auf diese Weise will ich nicht leben. Wenig später befinde ich mich nun in einer ähnlichen Lage. Wobei meine Situation wahrscheinlich noch etwas schwieriger ist.

Freizeit in München und Bayern Eine Mama unter Isar-Singles
Neue Heimat

Eine Mama unter Isar-Singles

Unsere Autorin hat ein Kind bekommen - und das ist in München eine komplett andere Erfahrung als in ihrer ugandischen Heimat.   Kolumne von Lillian Ikulumet

Eine alleinerziehende Mama in einem fremden Land zu sein, kann besonders kompliziert werden. Ich wohne in einem 15-Quadratmeter-Apartment im Stadtteil Hasenbergl. Alleine ist das ganz wunderbar. Mit Baby jedoch wird es viel zu klein und zu laut für das Kind. So begab ich mich während der Schwangerschaft auf die Suche nach einer Zweizimmerwohnung. Ein Vorhaben, bei dem man vom Glauben ans Gute im Menschen abkommen könnte.

Die Münchner Vermieter scannen einen ab wie bei einer Leibesvisite: Alleine zu sein, ist dann tendenziell ein Vorteil. Dass ich regelmäßiges Einkommen habe, konnte ich auch belegen, ein nicht ganz unwesentliches Kriterium. Doch was mir oft zum Verhängnis wurde, war die Schwangerschaft. Die sieht einem ja der Vermieter an. Ein zweiter Strick, den mir viele drehen: meine Herkunft. Sie fragen dann, ob ich viele Besuche von Afrikanern bekomme. Ich sage dann, dass ich nicht nur, aber auch von Afrikanern besucht werden könnte. Spätestens dann hat sich das mit der Wohnung erledigt. Mehrere Male ist es mir so ergangen.

Das ist schwer zu akzeptieren, wenn man es ganz anders kennt. In Uganda wird es zwar als Sünde betrachtet, wenn man sein Kind ohne den Vater großzieht (egal, ob man daran Schuld ist oder nicht). Allerdings schwirren stets Freunde oder Verwandte um einen herum. Sie freuen sich, wenn sie auf das Baby aufpassen dürfen, während die Mama zur Arbeit geht. Ein Kindergarten erübrigt sich dann meist. Und bei der Wohnungssuche? Entscheidend ist, dass man drei bis vier Monatsmieten vorstreckt. Dann interessiert sich niemand für Herkunft, Familienstand oder Bauchumfang.

Doch nicht alles ist engstirnig und duster hier, wenn man als Alleinerziehende am Anschlag ist. In München gibt es Stellen, bei denen man Beratung bekommt, Tipps, um die Dinge zu lösen. Dort lernt man andere Frauen mit ähnlichen Problemen kennen. Es dauert immer ein bisschen, aber wenn sie sich einem öffnen, können tiefe und bedeutungsvolle Freundschaften entstehen. Es hilft, wenn man die einsamen Kämpfe mit anderen bespricht, die vor dem gleichen Problem stehen. Hier hat München viel zu bieten. Dieser Teil der Stadt gibt einem dann doch dieses schöne Gefühl, als Frau geschätzt zu werden.

Neue Heimat - Der andere Blick auf München
Vier Flüchtlinge, die in ihrer Heimat als Journalisten gearbeitet haben. Nach dem Porträt werden sie regelmäßig eine Kolumne schreiben. Fotografiert auf der Brücke im SZ-Hochhaus.

Die Autorin: Lillian Ikulumet, 36, stammt aus Uganda. Bis 2010 arbeitete sie dort für mehrere Zeitungen, ehe sie flüchtete. Seit fünf Jahren lebt Ikulumet in München.

Die Serie: Zusammen mit drei anderen Flüchtlingen schreibt Ikulumet für die SZ eine Kolumne darüber, wie es sich in Deutschland lebt und wie sie die Deutschen erlebt. Alle Folgen finden Sie auf dieser Seite...