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Neue App:7,5 Kilometer Flussgeschichte

Eine neue Anwendung für Computer und Handy erzählt von der Würm, ihrer Flora und Fauna. Sie bietet Hörbeispiele von heimischen Vögeln ebenso wie Quizfragen. Umweltreferentin Jacobs will damit den Naturschutz fördern

2009 hat die Würm bei der Renaturierung ihre natürliche Form wiederbekommen und ist seitdem Naherholungsgebiet.

(Foto: Catherina Hess)

Mit dem Smartphone die Natur entdecken: Die neue App "Würm entdecken" bringt Naturliebhabern den kleinen Flusslauf im Münchner Westen näher. Auf der Website www.wuermentdecken.de informiert die Anwendung mit insgesamt sieben Themenstationen über die Tier- und Pflanzenwelt vor Ort. Benutzen kann die webbasierte App jeder, der Internetzugang hat. Entweder daheim auf dem Rechner oder von unterwegs aus. Einzige Voraussetzung: ein internetfähiges Smartphone und ausreichend Empfang. Über die Website gelangen Interessierte zunächst auf eine Startseite mit allgemeinen Informationen. Mit dem Reiter "Naturlehrpfad starten" geht's weiter auf eine interaktive Karte. Der Spaziergänger, der jetzt seine Standorterfassung einschaltet, findet sich als blauer Punkt auf der Karte wieder. Infokästen liefern dann auf der Karte Wissenswertes über das kleine Fließgewässer.

Die Informationsbreite der neuen App, die nun offiziell vorgestellt wurde, reicht dabei von der Tier- und Pflanzenwelt über allgemeine Informationen zur Würm bis hin zur Besiedlungsgeschichte der Gegend. So erfährt der Leser beispielsweise, dass die Würm nach dem Ende der jüngsten Eiszeit im Alpenraum vor rund 10 000 Jahren entstand. Damals ließen riesige Gletscherzungen mehrere Seen entstehen. Einer davon: der Starnberger See. Sein einziger Abfluss: die Würm. Daher hieß der Starnberger See bis in die 60er Jahre auch Würmsee. Nachdem sich das Eis zurückzog, ging es deutlich breiter zu als heute: Die Würm schlängelte sich damals auf rund 100 Metern durch das Münchner Stadtgebiet, auf der Höhe von Gauting war der Fluss gar 1,2 Kilometer breit. Noch um das Jahr 1800 konnte die Würm durch ihr natürliches Flussbett fließen, bevor die Menschen begannen sie zu begradigen: Zu groß war die Angst vor Überschwemmungen, zu fruchtbar die Böden in der Umgebung. 2009 bekam die Würm dann ein Stück Natur zurück: Nach dem historischen Vorbild wurde im Münchner Westen auf rund 250 Metern Länge ein neuer Flussarm angelegt und renaturiert.

Wen Geschichte nicht interessiert oder wer lieber hören will als lesen, für den bietet die App Hörbeispiele von Vögeln, die an der Würm ihr Zuhause gefunden haben. Auch Anregungen zu Diskussionen, Spielen und Wettbewerben finden sich auf der Website. Insgesamt beschäftigt sich die App auf rund 7,5 Kilometer mit der Naturwelt entlang der Würm, aufgeteilt in drei Abschnitte: Die ersten rund zwei Kilometer reichen vom Allacher Tunnel bis zur Nigglstraße.

Die neue App "Würm entdecken" soll Spaziergängern den Fluss im Westen der Stadt näherbringen.

(Foto: Catherina Hess)

Hier erfährt der Spaziergänger einiges über Flohkrebse, Schneckenegel und Steinfliegen und kann sich Quizfragen zur Esche, Schwarz-Erle und Hasel stellen. Der zweite Abschnitt führt auf gut drei Kilometern entlang dem renaturierten Lauf der Würm im Westen der Stadt. Hier gibt es alles zur Geschichte der Würm, zu schützenswerten Auwaldresten und den Fischen, die sich in dem Gewässer tummeln. Der letzte Abschnitt führt die Spaziergänger durch den Pasinger Stadtpark. Hier stehen Fischtreppen, Aufstiegsanlagen, damit Fische Wehre und andere Bauten im Fluss besser überwinden können.

Die Idee, den Menschen die Natur durch Informationsangebote näher zu bringen, ist nicht neu. Auch Standtafeln können über das Leben in und an einem Fluss berichten.

Mit der App sollen aber neue Zielgruppen erschlossen werden: "Damit erreichen wir auch die Digital Natives, die Generation, die mit dem Smartphone aufwachsen ist", sagte Bürgermeister Manuel Pretzl bei der Präsentation der App. Die Idee sei es, den Menschen den Lebensraum Natur in digitaler Form näher zu bringen.

Geht es nach der Münchner Umweltreferentin Stephanie Jacobs soll die App auch den Naturschutz fördern: "Durch die Anwendung lernen die Menschen die Natur besser kennen und schätzen. Und was man schätzt, das schützt man auch", so Jacobs. "Niederschwellige Umweltbildung" nennt Jacobs das. Für sie sei die App daher "Natur- und Umweltbildung in digitaler Form".

Die App kostete rund 50 000 Euro. Nach Meinung von Manuel Pretzl und Stephanie Jacobs soll das Projekt nicht das letzte sein: "Wir würden gerne das Angebot ausweiten", sagt Jacobs. Dazu sollen alte Karten mit Münchner Umweltwanderwegen aus den Achtzigerjahren digitalisiert und zugänglich gemacht werden. "Damit können wir dann noch mehr Natur vor Ort erlebbar machen".

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