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Neubiberg:Kampf gegen Kettensägen

Asiatischer Laubholzbockkäfer in Neubiberg, 2014

Gefällte Bäume in Neubiberg werden von Spürhunden untersucht.

(Foto: Angelika Bardehle)

Bürgerinitiative und Politiker in Neubiberg versuchten vergeblich, Fällungen zu stoppen

Ende Februar hat der Schrecken in Neubiberg seinen Lauf genommen: Mitarbeiter der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) rückten mit Kettensägen und Spürhunden an - rund 400 Bäume und Gehölze sollten gefällt werden, potenzielle Wirtspflanzen des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Sie standen im 100-Meter-Umkreis um die rund 30 Bäume, die bereits im Herbst wegen des Befalls mit dem gefährlichen Krabbler abgeholzt worden waren.

Die LfL ist sich sicher, dass die Fällung die einzig wirksame Maßnahme zur Bekämpfung des Käfers ist. Der Widerstand gegen die radikale Abholzung ist dennoch groß. Ende 2014 gründete sich die Bürgerinitiative "BI gegen ALB-Traum Neubiberg", die Alternativen zu den vorsorglichen Fällungen fordert. "Unser Vorschlag wäre es, nur die befallenen Bäume gezielt zu fällen", sagt Andrea Keinert, eine der Initiatorinnnen. Zudem fordert die Gruppe intensives Monitoring mit Baumkletterern und die Erforschung neuer Monitoringmethoden . "Man kann auch auf Geräusche gehen", sagt Keinert. Die Initiative hatte mit Hilfe einer Online-Petition mehr als 2000 Unterschriften gesammelt und diese Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zukommen lassen. Die Fällungen konnte sie dennoch nicht aufhalten.

Rufe nach alternativen Bekämpfungsmethoden gibt es aber auch von Politikern: So forderte der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch Ende vergangenen Jahres, auch den Einsatz von Pestiziden zu prüfen. Er wohnt in Haar, dort war ebenfalls ein Befall festgestellt worden. Auch Weidenbuschs Abgeordnetenkollege Peter Paul Gantzer von der SPD griff das Thema auf. Er beantragte imLandtag, in befallenen Gebieten von einer vorsorglichen Fällung potenzieller Wirtsbäume abzusehen, wenn eine Ausbreitung und - und damit Etablierung - des Käfers ausgeschlossen werden kann.

Die Fäll-Gegner haben auch einen Experten auf ihrer Seite. Der Insektenkundler und pensionierte Förster Hans Mühle, Vizepräsident der Münchner Entomologischen Gesellschaft (Entomologie: Insektenkunde), plädiert ebenfalls für Alternativen. Alle Bäume umzusägen, hält er nicht für sinnvoll. Dann habe man für ein paar Jahre Ruhe, "doch dann kommen wieder befallene Paletten ins Land und der Käfer ist wieder da". Er rät dazu, ruhiger vorzugehen. Wie die Fäll-Gegner ist er der Meinung: "Nur wenn ein Baum befallen ist, säge ich ihn um und verbrenne das Holz." Das rigorose Vorgehen kann er nicht verstehen.

Ob es irgendwann Alternativen zu den Fällungen gibt, wird sich zeigen. In seiner Antwort an die Bürgerinitiative verwies Landwirtschaftsminister Brunner im März jedoch erneut auf eine Studie, nach der der Laubholzbockkäfer nur effektiv bekämpft werden könne, wenn auch potenzielle Wirtsbäume gefällt und entsorgt werden. Immerhin berichtete er, dass in diesem Jahr "fünf zusätzliche pflanzengesundheitliche Einfuhrkontrolleure" eingestellt werden. Die Bürgerinitiative gibt jedenfalls nicht auf, sondern macht weiter. "Wir haben spannende Erkenntnisse, mehr wollen wir dazu aber noch nicht sagen", sagt Keinert.