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Neubau des Münchner Hauptbahnhofs:Kosmetik am Bahnsteig

Der Neubau des in die Jahre gekommenen Hauptbahnhofs lässt auf sich warten - derzeit gibt es nur kleinere Verbesserungen. Die Lautsprecheranlage wird erneuert, die große Halle ist heller geworden.

Marco Völklein

Wer zuletzt mit einem späten Zug am Münchner Hauptbahnhof ankam und durch die Bahnhofshalle lief, konnte mitunter ein eigenartiges Geräusch vernehmen. Schrille, verzerrte Töne schwirrten durch die Halle. Für etwa sieben Millionen Euro hat die Bahn am Hauptbahnhof eine neue Lautsprecheranlage installieren lassen. Am späten Abend probierten zuletzt die Ingenieure die neue Technik aus - daher die eigenartigen Geräusche.

Hauptbahnhof in München, 2010

Der Neubau des in die Jahre gekommenen Hauptbahnhofs lässt auf sich warten - derzeit gibt es nur kleinere Verbesserungen. Die Lautsprecheranlage wird erneuert, die große Halle ist heller geworden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit kurzem lässt die Bahn einen Teil des Bahnhofs bereits mit der neuen Technik beschallen, gegen Ende des Jahres soll die Anlage komplett in Betrieb gehen. Sie soll die Reisenden besser und verständlicher informieren; eine Zusatzfunktion erlaubt es zudem, schneller als bisher den Hauptbahnhof bei einem Notfall zu evakuieren.

Auch die beiden Mitarbeiter in der Infozentrale, die die Ansagen über die etwa 1500 Lautsprecher wie auch die Zuganzeigen auf den Tafeln über dem Querbahnsteig steuern, können nun von ihren Arbeitsplätzen aus beides gleichzeitig machen. Das sei wichtig, wenn es mal stressig wird - etwa bei Störungen, sagt Bahnhofsmanager Heiko Hamann. "Dann kann der eine die Anzeigen und Ansagen in der Haupthalle betreuen, während sich der Zweite um die Flügelbahnhöfe kümmert."

Der Münchner Hauptbahnhof ist in die Jahre gekommen; in homöopathischen Dosen modernisiert die Bahn das Gebäude. Der große Wurf aber steht noch aus. Beim Bau Ende der fünfziger Jahre hatten die Architekten zum Beispiel im westlichen Bereich der Halle unter den Bahnsteigen noch einen großen Verbindungsgang errichten lassen. Über den transportierten die Bahner schwere Säcke mit Briefen und wagenweise Paketlieferungen vom Hopfenpost-Gebäude an der Seidlstraße zu den Zügen, die im Bahnhof beladen wurden. Dazu wurde der unterirdische Gang sogar verlängert und unter der Arnulfstraße hindurchgezogen bis zur Hopfenpost.

Auch sonst gibt es jede Menge ungenutzten Raum im Untergeschoss des Hauptbahnhofs; wo früher die Karren mit Expressgut und Gepäck umherkurvten, stehen heute Absperrgitter und warten auf ihren Einsatz bei Fußballspielen oder Demonstrationen. Aber auch die beiden Parkdecks, die sich im vierten und fünften Obergeschoss des Empfangsgebäudes direkt am Bahnhofplatz befinden, sind nicht mehr zeitgemäß. Heute würde man dort Büros und Arztpraxen einrichten - und nicht 215 Parkplätze, die über vier Aufzüge zu erreichen sind.

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