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Neuauszählung in Moosach:"Der entscheidende Stressfaktor war die Technik"

Nach diesem Hin und Her wirkt Böhle am Freitag erleichtert: Das Ergebnis der Nachzählung zeige ja, dass Wittmanns Einwände nicht gerechtfertigt gewesen seien und die Wahlhelfer gute Arbeit geleistet hätten, sagt er. Auch wenn sie es "aufgrund verschiedener Widrigkeiten nicht leicht" gehabt hätten.

Auch bei Böhle ist längst angekommen, wie groß der Unmut der Wahlhelfer ist. 400 bis 500 haben laut KVR Briefe oder Mails geschickt, teils erboste, teils welche mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen zum Auszählverfahren. Und Böhle verspricht: "Wir werden alle Vorschläge und alle Kritik intensiv anschauen", am Ende werde ein "Wahlerfahrungsbericht" stehen, um künftig besser organisiert zu sein.

Benjamin Adjei in München, 2018

Gewinner: Benjamin Adjei.

(Foto: Robert Haas)

Ein paar Ideen gibt es bereits. Mehr Wahllokale und Briefwahlbezirke einrichten zum Beispiel, um die Zahl der jeweils auszuzählenden Stimmen zu reduzieren. Das hat das KVR nach eigener Auskunft auch diesmal schon getan, verglichen mit der Landtagswahl 2013 - aber nicht mit einer derart hohen Wahlbeteiligung kalkuliert. Und als sich der Anstieg in den vergangenen Wochen abzeichnete, konnte es nicht mehr reagieren: Zahl und Zuschnitt der Stimmbezirke müssen Monate im Voraus festgelegt und veröffentlicht werden. Zumal das generelle Problem bleibt, dass sich die Stadt schwer tut, ausreichend Wahlhelfer zu rekrutieren. 10 800 waren es diesmal - dank einer großen Werbekampagne in den vergangenen Monaten. "Man kann sie nicht kurzfristig vermehren", sagt Böhle, die von Vornherein eingeplante Reserve habe nicht ausgereicht.

"Der entscheidende Stressfaktor aber war die Technik", resümiert Wahlamtsleiter Leo Beck. So saßen die Helfer lange entnervt vor ihren Wahl-Laptops, und im Nachhinein erweist sich als Problem, so paradox es klingt, dass es nie einen Totalausfall der Technik gab, sondern immer nur partielle Störungen. Immer wieder habe es von den Technikern des zuständigen IT-Referats der Stadt geheißen, die Störungen dauerten nicht lange, sagt Beck. Hätte man von Anfang an gewusst, dass dem nicht so ist, hätte man den Wahlhelfern früher mitteilen können, sie sollten ihre Ergebnisse via Telefon oder Papier schicken.

An den Wahlkoffern, die erstmals bei der Bundestagswahl 2017 eingesetzt wurden, will Böhle aber grundsätzlich festhalten. "Sie sind, wenn sie funktionieren, optimal." Denn dann entfielen nicht nur viele Fehlerquellen bei der telefonischen Übermittlung der Ergebnisse, sondern auch der Aufwand, die Ergebnisse im KVR mühsam zusammenfassen zu müssen - so wie früher, als die Behörde nach einer Wahl zwei Tage geschlossen blieb und 1000 Mitarbeiter mit der Wahl beschäftigt waren. "Ich werde aber nicht an den Koffern festhalten, wenn vor der nächsten Wahl nicht alles dafür spricht, dass sie funktionieren", sagt Böhle.

Manche kleinere Probleme lassen sich freilich auch einfach lösen: Zum Beispiel, dass es mancherorts zu wenig Wahlkabinen gab. Zumindest zu wenig für den Andrang. "Andere Wahlhelfer, die schon öfter dabei waren, haben gesagt, das hätten sie noch nie erlebt", berichtet Isolde Fugunt, die in der Grundschule an der Guldeinstraße im Einsatz war. Vielerorts in München waren die Schlangen lang, und weil jeder, der sich bis 18 Uhr einreihte, noch wählen durfte, konnten die Helfer in vielen Wahllokalen erst gegen halb sieben mit dem Auszählen beginnen. Sieben Wahlkabinen gebe es je Lokal, sagt Böhle, und nach Möglichkeit sollten die auch alle aufgestellt werden.

Das geschah aber nicht überall - teils aus Platzgründen, teils weil die Wahlvorstände großen Abstand ließen, um das Wahlgeheimnis zu wahren. So war es etwa in Böhles Wahllokal in der Isarvorstadt, wie er berichtet. Als er dort nachmittags selbst zum Wählen war und die lange Schlange sah, "da haben wir angepackt und noch fünf weitere aufgestellt". Es waren ja noch welche da.