Neuaubing/Westkreuz Kamera ab!

Beim Projekt "City Stories" im Spielhaus in Neuaubing gehen Kinder von sechs bis zwölf Jahren auf Entdecker-Tour. Das Ergebnis sind Trickfilme, Fotogeschichten, Daumenkino, Comics oder Hörspiele

Von Margarethe Gallersdörfer, Neuaubing/Westkreuz

"Oh, jetzt ist der Arm abgegangen", ruft Veronika. Die Neunjährige steht an der Trickfilmstation vor dem selbstgemalten Bühnenbild und positioniert die Figuren, während Amelie durch das Objektiv der Videokamera linst. Am Tisch hinter den beiden kneten andere noch fleißig - es bleiben nur noch eineinhalb Stunden, dann soll der Film fertig sein. Doch das Malheur ist schnell behoben, der Knetarm ist wieder dran. Amelie kehrt zurück zur Daumenkinostation im Spielhaus am Westkreuz - die Zweitklässlerin arbeitet an einer Geschichte über ein Mädchen, das nach seiner Singstimme sucht.

"City Stories" heißt ein Projekt in der Spielhaus am Westkreuz. Kinder von sechs bis zwölf Jahren denken sich Geschichten aus und setzen sie kreativ um - als Trickfilm, Fotostory, Daumenkino, Comic oder Hörspiel. Die Kreativwerkstatt ist Teil des Programms "Entdecker gesucht", das in Neuaubing und am Westkreuz angeboten wird.

Acht Wochen sind die kleinen Entdecker unterwegs, als feste Gruppe wie im Spielhaus, aber auch als mobile Gruppe auf der Suche nach Bildungsorten in ihrem Stadtteil. Der Clou: Es soll eben nicht um die klassischen Bildungsangebote gehen, die die Kinder aus der Schule kennen. Stattdessen sollen junge Neuaubinger spielerisch ihren Stadtteil neu kennenlernen: mit digitalen Schitzeljagden, Naturerkundungen oder Kunstaktionen im Viertel.

Es zählt jedes Detail: Die acht Jahre alte Kamerafrau Amelie ist eines von mehr als tausend Kindern, die zu den Stadtteilentdeckern zählen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Impuls kommt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: 2013 legte die damalige Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) das Programm "Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung" auf. Es soll Einrichtungen für Kinder und Jugendliche einer Stadt ermutigen, Ressourcen zu bündeln. 25 Städte machen bundesweit mit, der Bund gibt 500 000 Euro .

In München sind die jungen Entdecker heuer zum dritten Mal unterwegs. Projektleiterin Sandrina Felder von der Spiellandschaft Westkreuz schätzt, dass während der acht Wochen mehr als tausend Kinder teilnehmen werden. Am Westkreuz und in Neuaubing haben sich sieben Einrichtungen für das Projekt zusammengetan. Die Stadtbibliothek Neuaubing unterstützt die Stadtteildetektive mit Büchern und Material und stellt im Herbst die Ergebnisse der Neuaubinger Entdecker aus. Und das fördert natürlich den Ehrgeiz: "Wir sind schon am ersten Tag gefragt worden, ob das dann auch wieder in der Bibliothek gezeigt wird", sagt Sandrina Felder. Viele der Kinder, die in diesem Jahr teilnehmen, seien schon in den vergangenen beiden Jahren dabei gewesen und hätten schon vor Projektstart gefragt, ob es diesen Sommer wieder "die Entdecker" gebe. Kinder von sechs bis zwölf Jahren nehmen teil, in Altersgruppen aufgeteilt sind sie nicht. "Das war eine bewusste Entscheidung", sagt Sandrina Felder, "die Kleinen lernen von den Großen, die Großen können das Gelernte festigen, indem sie es weitergeben."

Die mobile Gruppe der Entdecker trifft sich an diesem Dienstag, 14. Juli, und am Mittwoch, 15. Juli, jeweils um 14 Uhr auf dem Spielplatz an der Mainaustraße. Die feste Gruppe kommt am Mittwoch, 15. Juli, sowie am Donnerstag, 16. Juli und Freitag, 17. Juli, jeweils um 14.30 Uhr im Spielhaus Westkreuz, Aubinger Straße 57, zusammen. Bis Ende Juli noch gibt es an verschiedenen Orten des Stadtteils täglich Programm für junge Entdecker. Weiter geht es dann am Samstag, 12. September, um 14.30 Uhr auf der Kinder- und Jugendfarm an der Wiesentfelder Straße 59 mit dem Programmpunkt "Mäh! Alles rund um Schafswolle".

Ganz vorsichtig: Die neunjährige Veronika positioniert Figuren für einen Trickfilm.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 834 44 55.