bedeckt München 17°

Neuaubing/Westkreuz:Die Stadtteildetektive

Filme drehen, Geräusche aufnehmen und die Geschichte von Häusern erkunden: "Bildungsmöglichkeiten bietet jede Straße, jeder Stadtteil, jeder Schulhof oder Spielplatz", sagt Maximilian Füeßl von der Spiellandschaft Stadt.

(Foto: Catherina Hess)

1400 Kinder entdecken an 45 Tagen ihre Umgebung

Von Ellen Draxel, Neuaubing/Westkreuz

Detektivisch unterwegs zu sein ist keine leichte Aufgabe. Selbst dann nicht, wenn man sich in der Gegend schon ganz gut auszukennen glaubt. Es kommt auf den Blickwinkel an: Man muss hinter die Kulissen schauen - und auch Sinneseindrücke zulassen. Häuser beispielsweise sind in der Regel mehr als reine Wohn- oder Arbeitsorte, sie können oft spannende Geschichten erzählen. Ähnlich verhält es sich mit Grünflächen: Die Natur verändert sich ständig, wächst und beherbergt immer neue Pflanzen und Tiere.

Bei dem Projekt "Entdecker gesucht" werden Kinder bis zwölf Jahre bewusst zu Stadtteil-Detektiven ausgebildet. Sie sollen sich mit ihrem Viertel identifizieren, es besser kennenlernen - damit sie sich dort wohlfühlen. "In den vergangenen Wochen von Mai bis September waren an 45 Tagen etwa 1400 Kinder im Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied unterwegs", sagt Projektleiter Maximilian Füeßl von der Spiellandschaft Stadt. Mit digitalen Hilfsmitteln haben die Mädchen und Buben Filme gedreht, haben Interviews und Geräusche-Rätsel aufgenommen und Comics gestaltet. An zuvor aufgehängten Leinwänden sprühten sie Graffiti. Sie absolvierten eine digitale Schnitzeljagd und sammelten dabei Spielepunkte. Eine der Entdeckungen bei den Streifzügen durchs Quartier war, dass das Ramses-Hochhaus am Westkreuz nach dem ägyptischen Pharaonenkönig und Baumeister Ramses II. benannt wurde. An anderen Tagen katalogisierten die Schüler Bäume und stellten fest, was in ihrem Stadtbezirk an einheimischen Pflanzen so wächst und welche Vögel zu hören sind. "Bildungsmöglichkeiten bietet jede Straße, jeder Stadtteil, jeder Schulhof oder Spielplatz", weiß Füeßl. "Diese mit neuen Augen zu entdecken und spielerisch zu erkunden ist das Ziel des Projekts."

Am Westkreuz gibt es das vom Bundesbildungsministerium unter dem Motto "Kultur macht stark" geförderte offene Programm bereits seit 2013. Es wurde heuer von mehreren Kooperationspartnern veranstaltet, dem Spielhaus am Westkreuz, der Stadtbibliothek Neuaubing, dem Bildungslokal, dem Hort an der Reichenaustraße, der Boombox in Freiham und dem Tagesheim der Grundschule am Ravensburger Ring.

In der neu gebauten Grundschule am Ravensburger Ring 37 findet am Freitag, 8. November, von 15 bis 17 Uhr auch die Abschlusspräsentation des diesjährigen Projekts statt. Spielstationen inbegriffen: Wer Lust hat, kann Rucksäcke selbst bedrucken, Forscherkappen basteln, Trickfilme drehen, in einer Hörerlebnis-Lounge ein Geräusche-Memory machen oder sich mit Großbrettspielen vergnügen. Und das alles kostenlos.

© SZ vom 06.11.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite