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Neuaubing:Streit um Werbe-Feuerwerk direkt neben Biotop

  • Vor der Metro-Filiale in Neuabing soll ein großes Feuerwerk zu Werbezwecken gezündet werden.
  • Verbände, Politiker und Bürgerinitiativen fordern wegen der Nähe zu einem wichtigen Biotop ein Verbot. Das Kreisverwaltungsreferat schätzt die Aktion als unbedenklich ein.

Feuerwerke sind imposante Schauspiele. Andererseits geht mit dem Abbrennen von Raketen und Böllern auch eine gesundheits- und umweltschädliche Feinstaub- und Lärmbelastung einher. Die Bürgerinitiative "Silvesterböllerei? Nein Danke!", die seit zwei Jahren gegen das Abbrennen privater Feuerwerke an Silvester kämpft, hat es geschafft, in 26 von 29 Bürgerversammlungen die Münchner von ihrer Sache von überzeugen. Grünen-Lokalpolitikerin Dagmar Mosch glaubte daher ihren Augen nicht zu trauen, als sie vor wenigen Tagen auf der Tagesordnung des Aubinger Bezirksausschusses eine Anhörung zum "Musterschießen Silvesterfeuerwerk" entdeckte.

Am Nikolaustag soll demnach auf dem Metro-Parkplatz am Gleisdreieck ein halbstündiges Feuerwerk "durch einen gewerblichen Pyrotechniker" abgebrannt werden. Zu Werbezwecken. Das Brisante dabei: Der Parkplatz grenzt direkt an ein Biotop an. "Das Gleisdreieck ist eine der hochwertigsten Naturflächen im Stadtgebiet, die Regierung von Oberbayern bearbeitet zurzeit die Unterschutzstellung dieses Gebietes", sagt Heinz Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). "Schwärme von Stieglitzen, Wacholderdrosseln und anderen geschützten Arten finden hier Nahrung und sichere Übernachtungsplätze."

Freizeit in München und Bayern Kunstwerke aus Schwarzpulver
Feuerwerk

Kunstwerke aus Schwarzpulver

In der Silvesternacht entfalten sich leuchtende Kunstwerke am Himmel, sie heißen Chrysanthemen, Päonien oder Brokat. Übrig bleibt nur Staub und Dreck.   Von Sabine Buchwald

Ein Feuerwerk nur wenige Meter entfernt zu zünden, erklärt er, bedeute für die Wildtiere Stress: Sie reagierten mit Fluchtverhalten und verbrauchten dabei auch etwas von den knappen Reserven, die sie gerade in der kalten Jahreszeit zum Überleben benötigten. Laut dem Münchner LBV-Chef könnten auch winterschlafende Tiere gestört oder gar geweckt werden.

Nicht nur Politikerin Mosch findet das geplante Feuerwerk deshalb "unsäglich". "Ein Werbe-Feuerwerk, das Berge von Müll auf einer unserer hochwertigsten Naturflächen im Stadtgebiet hinterlassen wird, das CO₂ und Feinstaub in die Luft bläst und unsere Tierwelt gefährdet, ist einfach nicht mehr zeitgemäß", kritisiert Christian Hierneis, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in München. LBV und BN fordern, das Feuerwerk zu verbieten.

Der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied hat das Böllern abgelehnt. Entscheidungsbefugt sind aber die Regierung von Oberbayern und das Kreisverwaltungsreferat (KVR): Das Gewerbeaufsichtsamt bei der Regierung habe "die sprengstoffrechtlichen Aspekte der Anzeige geprüft und keine Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz festgestellt", sagt Sprecherin Verena Gros. Sollten Zuwiderhandlungen gegen Lärm- oder Naturschutz zu befürchten sein, müsse das KVR tätig werden. Laut der Stadtverwaltung aber besteht keine naturschutzrechtliche Genehmigungspflicht für die angrenzende Grünfläche, das heißt, das KVR habe keine Handhabe, das Feuerwerk zu untersagen. Die Firma Comet, die das Feuerwerk am Freitag zünden lassen will, betont, es werde nicht in Richtung des Biotops geschossen.