Neuaubing:Angst vor dem Verdrängungseffekt

Anderwerk

Hallo, uns gibt's auch noch: Der Anderwerk-Betrieb will mit seinen Integrations- und Deutschkursen weiter an der Clarita-Bernhard-Straße bleiben.

(Foto: Privat)

Anderwerk hat Platz gemacht für das SOS-Familien- und KIndertageszentrum und fürchtet nun selbst um seine Räume

Von Ellen Draxel, Neuaubing

Das SOS-Familien- und Kindertageszentrum Neuaubing zieht mit seiner Kindertagesstätte in die Clarita-Bernhard-Straße 3 um. Die Einrichtung hatte gemeinsam mit der Stadtspitze, dem Referat für Bildung und Sport sowie Stadträten und Lokalpolitikern lange nach einem Übergangsquartier für die Betreuung und Förderung der 77 Mädchen und Jungen im Alter zwischen ein und zwölf Jahren gesucht. Denn das Ladenzentrum an der Wiesentfelser Straße 68, in dem das SOS-Kinderdorf-Zentrum bisher beheimatet war, wird Anfang kommenden Jahres abgerissen und bis Ende 2025 neu gebaut. Zwar kann die Einrichtung danach wieder in das neu errichtete Gebäude am alten Standort zurück. Für die Zeit dazwischen aber braucht es eine Interimslösung. Die ehemals als Schule genutzten Pavillons im Gewerbegebiet Freiham-Süd erfüllten den Zweck einer "sicheren, qualitätvollen und möglichst ortsnahen Versorgung" der Kinder, so Stadtschulrat Florian Kraus.

Das SOS-Kinderdorf soll an der Clarita-Bernhard-Straße nun in die Erdgeschossräume einziehen, die bislang der soziale Betrieb Anderwerk der Arbeiterwohlfahrt für seine Integrations- und Deutschkurse nutzte. Anderwerk muss sich deshalb künftig die Räumlichkeiten im zweiten Stock des Gebäudes mit der städtischen Sing- und Musikschule teilen. "Wir sind gefragt worden und haben der Bitte des SOS-Kinderdorfs sofort zugestimmt, das war für uns überhaupt kein Thema", betont Jana Knippelmeyer, die die Kurs-Abteilung leitet. Denn die Zusammenarbeit des Unternehmens mit den sozialen Trägern im Viertel funktioniert bestens. Womit Knippelmeyer allerdings nicht rechnete, waren die Meinungsverschiedenheiten mit der Musikschule. Immer, wenn es um eine Doppelnutzung von Räumen gehe, komme es zur Kollision, sagt die Dozentin für Deutsch als Fremdsprache. Weil Anderwerk im Gegensatz zur Musikschule aber kein städtischer Träger ist und städtische Träger formal bei der Belegung städtischer Gebäude Vorrang genießen, befürchtet Knippelmeyer nun, gehen zu müssen, sollte der Zwist nicht beizulegen sein. Dabei wird das Angebot dringend gebraucht: "Wir sind vom Bildungslokal und dem Stadtteilmanagement Neuaubing-Westkreuz vor drei Jahren explizit gebeten worden, Deutschkurse im Stadtbezirk anzubieten." Anderwerk leistet darüber hinaus große Hilfe im Alltag, hilft bei Anträgen und Formularen, übernimmt häufig die Kommunikation, unterstützt bei der Kinderbetreuung. "Wir führen die Menschen, die zu uns kommen, Schritt für Schritt durchs Leben", sagt Knippelmeyer. All das jetzt aufgeben zu müssen, zumal die Adresse bei den Menschen inzwischen bekannt sei, wäre "sehr schade". Das sehen auch Aubings Lokalpolitiker so, die es "ganz fatal" fänden, würde dieses Angebot wegfallen.

Im Referat für Bildung und Sport, das auch für die Musikschule spricht, die sagt, sie sei "nicht befugt, sich zu äußern", versucht man indes zu beschwichtigen. Man wisse um die "besondere Arbeit von Anderwerk", betont Behörden-Sprecher Andreas Haas. Deshalb werde das Referat für Bildung und Sport "auch weiterhin alles daran setzen, beiden Einrichtungen im Obergeschoss der Carita-Bernhard-Straße 3 die Möglichkeit des jeweiligen Betriebs nach ihren Bedürfnissen zu bieten". Formalien hin oder her. Dies gehe auch aus der vom Referat erstellten gemeinsamen Betriebsbeschreibung hervor, welche bei der städtischen Lokalbaukommission im Rahmen der Nutzungsänderung eingereicht worden sei. "Unser großes Anliegen ist, dass wir für die nächsten Jahre alle drei Parteien - SOS-Kinderzentrum, Anderwerk, Sing- und Musikschule - gemeinschaftlich unter einem Dach im Pavillon beherbergen."

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