Grünflächen in Städten gewinnen immer mehr an Bedeutung. Angesichts zunehmender Hitzewellen werden Trinkbrunnen, Bäume und Parks zu unverzichtbaren Orten – sie verbessern die Luft, spenden Schatten und bieten Lebensraum für Tiere. Doch die Flächen, die dafür gebraucht werden, stehen oft im Wettbewerb mit wirtschaftlich lukrativen Projekten. Die zentrale Frage: Wie wollen wir unsere Städte gestalten? Sind wir bereit, scheinbar unprofitablen Bäumen und Grünflächen den Vorzug zu geben – zugunsten eines besseren Stadtklimas?
Die aktuelle Ausstellung in der Rathausgalerie stellt genau diese Frage – und richtet sie direkt an ihre Besucherinnen und Besucher: „Was ist mir Natur wert?“, lautet der Titel. An interaktiven Stationen werden die Gäste aktiv eingebunden und zum Nachdenken angeregt. Mitten in der Stadt – und damit mitten in der Gesellschaft – wird ein Thema verhandelt, das jede Stadtbewohnerin und jeden Stadtbewohner betrifft.
Schlendert man durch die Ausstellung, dann vermischt sich das Plätschern des Brunnens der ehemaligen Kassenhalle mit dem Eindruck von luftiger Frische: Glasdach, Arkaden und Gartenstühle lassen den Raum wie einen urbanen Garten wirken. Ein Ort, der durch die Verbindung von Architektur und Natur wie geschaffen für die Ausstellung wirkt. Wer also genügend Zeit mitbringt, kann in der Ausstellung wie in einem Park verweilen.
Und es gibt viel zu entdecken und auszuprobieren: An der von den Kuratorinnen Sarah Dorkenwald und Karianne Fogelberg konzipierten Mitmachstation wartet etwa ein großes Spielbrett mit dem Plan der Münchner Altstadt, illustriert von Barbara Schulze Frenking. Hier lassen sich Bauklötze nach Lust und Laune platzieren und so das München der Zukunft gestalten. Wo ein kühler Ort sein soll, wandert ein blauer Klotz hin, wo Bäume wachsen dürfen, ein grüner. Bei einem Stadtspaziergang mit den beiden Kuratorinnen durch Neuperlach lässt sich auf eigene Faust erkunden, wie Tiere die Stadt als Lebensraum nutzen.
Es geht aber längst nicht nur darum, wie mehr Natur in die Stadt gebracht werden kann, sondern auch darum, wie Urbanität in die Natur integriert werden kann. Wie baut man zum Beispiel in sensiblen Ökosystemen, ohne sie zu zerstören? Und wie baut man, um heimische Tiere nicht zu verdrängen? Der Münchner Architekt Benedikt Hartl, international renommiert und preisgekrönt, gibt eine Antwort. Sein Wettbewerbsmodell zeigt eine auf Stelzen errichtete, nur über eine Leiter zugängliche Konstruktion – vorgesehen als Teil eines Bauprogramms, das einige der Inseln um Helsinki nachhaltig erschließen will.

Interessant sind auch die künstlerischen Auseinandersetzungen: In der Performance „Transmission Wood“ – leider nur als Bild zu sehen – läuft die Künstlerin Judith Egger mit Ästen um den Körper geschnallt wie ein wandelnder Baum durch die Pariser Innenstadt. In einer anderen Aktion verbringt die Künstlerin Ute Heim einen ganzen Tag in einer selbst mitgebrachten Hütte auf einem Platz im Hasenbergl. Zwei Versuche, Natur und Erholung in die Stadt zu holen.
Auf Zetteln können am Ende die Gedanken festgehalten werden. Wer die Pinnwand betrachtet, bekommt schnell ein Stimmungsbild: Natur scheint für die Mehrzahl einen hohen Stellenwert zu haben. Auf die Frage, was einem Natur wert sei, schreibt jemand: „Viel, da sie Kraft, Leben & Heilung schenkt“. Und ein anderer: „Alles!“
Stadt Land Fluss – Was ist mir Natur wert?, Rathausgalerie, Marienplatz 8, bis 9. November

