Oswald Schäfer:Ein klassischer Schreibtischtäter

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Oswald Schäfer: Oswald Schäfer (links) leitete die Münchner Gestapo-Zentrale. Nach dem Krieg kam er dennoch glimpflich davon.

Oswald Schäfer (links) leitete die Münchner Gestapo-Zentrale. Nach dem Krieg kam er dennoch glimpflich davon.

(Foto: Privat)

Der letzte Chef der Münchner Gestapo übte Terror von seinem Büro aus. Mehrfach wurde er vor Gericht gestellt - doch die Urteile gegen ihn fielen mild aus.

Von Jakob Wetzel

Seine Opfer hat Oswald Schäfer womöglich nie persönlich gesehen. Der letzte Chef der Münchner Gestapo sei vielmehr ein klassischer "Schreibtischtäter" gewesen, ein freundlicher Beamter, der die Drecksarbeit gerne an Untergebene delegierte; so urteilte einmal der Münchner Historiker Andreas Heusler in einem Aufsatz. Folter, Hinrichtungen, Prügel: An Schäfer blieb davon nichts haften. Dabei ging der Schriftverkehr jeweils über seinen Schreibtisch.

Oswald Schäfer, geboren 1908 in Braunschweig, machte im Nazi-Staat rasch Karriere. Bereits ab 1937 leitete er die Gestapo-Dienststelle Wesermünde-Bremerhaven; ab 1941 führte Schäfer ein Mordkommando der "Einsatzgruppe B" an, das im heutigen Weißrussland und Russland wütete. 1942 kam er mit 34 Jahren als Chef der örtlichen Gestapo nach München.

Nach dem Krieg musste sich Schäfer in mehreren Gerichtsverfahren dafür verantworten, was unter seiner Leitung geschehen war. Doch er zog sich darauf zurück, nur Befehle befolgt zu haben - und wurde meist freigesprochen. Die Gestapo hatte etwa Widerstandskämpfer gefoltert; Schäfer aber konnte zwar nachgewiesen werden, dass er davon wusste, nicht aber, dass er das veranlasst hatte. Freigesprochen wurde er auch in einem Prozess wegen der Erschießung zweier Kriegsgefangener aus Südafrika. Schäfer war nicht einmal nachzuweisen, dass er als Anführer des "Einsatzkommandos" tatsächlich einen Befehl zum Massenmord gegeben hatte.

Verurteilt wurde Schäfer nur in einem Punkt: Er war verantwortlich gewesen für Prügelstrafen, im Gestapo-Jargon "Kurzbehandlung" genannt, an osteuropäischen Zwangsarbeitern. An Hinrichtungen treffe Schäfer zwar keine Schuld: Für diese sei das Reichssicherheitshauptamt verantwortlich gewesen, von dort kamen die Vorschriften. Bei der Prügelstrafe dagegen habe Schäfer das Strafmaß selbst festlegen können. Er erhielt zwei Jahre Haft.

Im Entnazifizierungsverfahren wurde Schäfer zudem als "Hauptschuldiger" eingestuft. Sein Gehalt wurde gekürzt, sein Vermögen großteils eingezogen, der Pensionsanspruch kassiert. Doch alte Bekannte halfen ihm wieder auf die Beine. Der frühere Münchner Gestapo-Personalchef Werner Best etwa. Er arbeitete für den einstigen Nazi-Täter und nunmehrigen FDP-Außenpolitiker Ernst Achenbach. Best vermittelte Schäfer einen Job als Manager. 1991 starb er in Hamburg.

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