Neues Gedenkbuch Emmy Rowohlt

Als die Schauspielerin Emmy Rowohlt, geboren 1883 in Hamburg, am 10. November 1939 in der psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses Stadelheim für unzurechnungsfähig erklärt wurde, schien der Psychiater sie damit eher schützen zu wollen. Rowohlt war nämlich zum dritten Mal wegen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz angeklagt worden, weil sie, wie es in der Polizeiakte hieß, öffentlich "äußerst gehässige, ketzerische und von niedriger Gesinnung zeugende Äußerungen gegen den Führer und andere führende Persönlichkeiten des Staates und der Regierung" von sich gegeben habe.

In den Zwanzigerjahren hatte Rowohlt einige Zeit in Italien und Frankreich verbracht, 1935 kehrte sie nach München zurück. Sie trat am Staatstheater und an den Kammerspielen auf, daneben arbeitete sie als Dolmetscherin. Nun aber saß die gebildete Frau in Stadelheim, wenige Monate später wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar überwiesen. Nachdem sie sich vergeblich um ihre Entlassung bemüht hatte, überwältigte sie im April 1941 mit drei anderen Patientinnen eine Nachtschwester und floh. Nach einigen Tagen kehrte sie zurück und wurde isoliert.

Gut zwei Jahre später wurde Rowohlt "aus organisatorischen Gründen" in ein Hungerhaus gesperrt. Ihrer Schwester schrieb sie: "Ahntest du meinen großen Brothunger. Du hättest sicher noch 2 dicke Scheiben Schwarzbrot dazu gelegt." Als sie am 28. September 1944 starb, wog die 1,68 Meter große Frau nur noch 38 Kilo.