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Neues Gedenkbuch:Irmgard Burger

Irmgard Burger war im April 1898 als Tochter der Arztfamilie Blankenstein in Berlin auf die Welt gekommen. Nach einer behüteten Kindheit - einige Jahre verbrachte sie in einem englischen Internat - heiratete sie in München den Lehrer Franz Burger. Nach der Geburt ihrer jüngeren Tochter Melitta im Jahr 1920 plagten sie zunehmend Verfolgungsängste. Die Ärzte diagnostizierten Schizophrenie, mehrmals kam sie in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. Später kümmerte sich die Haushälterin um die kranke Frau, die in der Schwabinger Wohnung der Familie in einem eigenen Zimmer lebte.

nur für Görl Geschichte !!!

Irmgard Burger auf einem Foto aus der Zeit um 1910.

1933, kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, starb ihr Ehemann. Die Haushälterin, die nach Franz Burgers Tod geheiratet hatte, betreute die Witwe weiterhin. Als die Pflegerin 1943 ausgebombt wurde, kam Irmgard Burger in die psychiatrische Abteilung des Schwabinger Krankenhauses. Zum Ende des Jahres verlegte man sie nach Haar-Eglfing. Bereits bei der Klinikaufnahme wurde sie in der Patientenakte in der damals typischen Weise sehr negativ beschrieben - dies kam einem Todesurteil gleich.

Irmgard Burger starb am 7. Dezember 1944 in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. Der Arzt Anton von Braunmühl, der die Frau zuletzt behandelt hatte, gab als Todesursache Marasmus an - also eine starke körperliche Auszehrung. Am Ende wog die Patientin noch 30,5 Kilo bei einer Körpergröße von 1,60 Meter. Innerhalb eines knappen Jahres hatte sie fast 26 Kilo verloren.

Nach Kriegsende hatte ihre Tochter Melitta versucht, Genaueres über den Tod ihrer Mutter herauszufinden. Anton von Braunmühl wimmelte sie jedoch ab. Erst 70 Jahre später hat Melitta Burger erfahren, dass die Mutter in der Heilanstalt den Hungertod infolge vorsätzlichen Nahrungsentzugs erlitten hatte.