Narrhalla-Valentin-Orden Da rotiert einer im Grab

Was soll eine Ehrung für einen Spalter wie Gabalier?

"Valentin-Orden für Andreas Gabalier" vom 28. November:

Ein rechtes Phantom

Es gibt Phänomene, die kann man nicht richtig erklären. Wie den Fasching. Oder die Metaphysik. Für Karl Valentin war das "der Versuch, in einem verdunkelten Zimmer eine schwarze Katze zu fangen, die sich gar nicht darin befindet". Genauso schwer tut sich die Narrhalla jedes Jahr, einen würdigen Preisträger für den Orden des im Grab rotierenden Namenstifters zu finden. Die schwarze Katze heißt heuer Andreas Gabalier.

Der ist über Kärnten hinaus bekannt für seine komischen Ansichten gegenüber Frauen und seinen erzkonservativ-homophoben Humor. Preiswürdig findet man ihn trotzdem: Schließlich ist er "Sänger wie Valentin und verbreitet auch volkstümliches Liedgut". Das wiederum hält der Valentin-Biograph Alfons Schweiggert für einen absurden Vergleich: Da könnte man den "Volks-Rock'n-Roller" ebenso gut für den Literaturpreis nominieren, weil er seine Texte selbst schreibt, wie Thomas Mann. Für die Faschingsgesellschaft ist er in jedem Fall ein Gewinn und wird als Zugpferd im Februar den Ballsaal ordentlich füllen. Wie Philipp Lahm, die schwarze Katze im letzten Jahr. Und Alexander Dobrindt im nächsten?

Einen Narrhalla-Orden würde übrigens auch die valentineske Stadtentwicklung verdienen. Und da meine ich nicht nur die turmhohen Klötze im Jenga-Stil, die "der Vale" bis auf die Höhe eines Futons runtergestutzt hätte. Der Komiker äußerte sich einmal besorgt, auf was man denn heimfährt, wenn der Kapitän das Wasser vom See zum Löschen des brennenden Ausflugsdampfers hernimmt. Ähnlich wird es jetzt auch den Bürgern der Landeshauptstadt gehen. Wenn man, wie das zurzeit nicht nur an der Theresienwiese geschieht, immer mehr der städtischen Klohäusl zu einem hippen Wirtshaus, Kaffee oder Kiosk umfunktioniert, wo geht der Münchner dann künftig hin zum Bieseln? Manfred Jagoda, Ismaning

Entschlossener Fehlgriff

Die Faschingsgesellschaft "Narrhalla" verleiht den "Karl-Valentin-Orden" an den österreichischen Musiker Andreas Gabalier. Die Begründung: "seine Liebe zu München und den Mut, seine Meinung zu vertreten und für seinen entschlossenen Standpunkt". Die "Meinung" und die "Standpunkte" von Gabalier werden in Österreich insbesondere von der FPÖ geteilt, zumindest bekommt er von dort stets Applaus. Ein Beispiel: Gabalier singt die österreichische Bundeshymne nicht mit dem offiziellen Text "Heimat großer Töchter und Söhne", sondern in der "alten Version" ohne die Töchter, also "Heimat bist du großer Söhne". Er fordert vehement die Rückkehr zum "alten Text". Der Chef des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske, sagte im Mai 2017 in einem Interview, dass er Gabalier nicht auftreten lassen würde, und bezeichnete den Auftritt von Gabalier im Goldenen Saal des Musikvereins als "Fehler". Man müsse wissen, wer Gabalier sei und wofür er stehe: Weiß die "Narrhalla", wofür er steht? Herbert Becke, Garching