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Nahverkehr:U3 wird für fünf Monate gesperrt

U-Bahn in München, 2015

Um Extra-Züge auf der U 2 sowie die Verlängerung der U 7 anbieten zu können, müssen die U-Bahnen vom neuen Typ C2 zugelassen werden.

(Foto: Sonja Marzoner)
  • Auf dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt, der aus den Anfangszeiten der U-Bahn stammt, werden die Gleise komplett getauscht.
  • Von den Gleisen her wäre es zwar möglich, die U-3-Züge von Moosach kommend am Scheidplatz auf die Gleise der U 2 in Richtung Innenstadt umzuleiten.
  • Viele ältere Gleisanlagen sind nach 45 Jahren Betrieb so abgenutzt, dass sie komplett ausgetauscht werden müssen.

Von Marco Völklein

Auf die Nutzer der U-Bahn kommt in diesem Herbst eine der größten Baustellen im Münchner Netz zu. Von Oktober an wird die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) für 22 Wochen, also bis Ende Februar, die U 3 zwischen Münchner Freiheit und Scheidplatz sperren; der U-Bahnhof Bonner Platz wird während der Bauarbeiten somit vom Netz abgekoppelt. Auf dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt, der aus der Anfangszeit der U-Bahn stammt, werden die Gleise komplett getauscht.

Die Sperrung beginnt am 4. Oktober. Auf der Strecke zwischen Scheidplatz und Münchner Freiheit fahren dann nach Angaben der MVG nur noch Ersatzbusse; zugleich will der städtische Verkehrsbetrieb auf der U 2 zusätzliche Züge rollen lassen, um etwa Fahrgästen, die von Moosach aus in die Innenstadt wollen, am Scheidplatz beim Umstieg auf die U 2 mehr Kapazitäten zu bieten.

Von den Gleisen her wäre es zwar möglich, die U-3-Züge von Moosach kommend am Scheidplatz auf die Gleise der U 2 in Richtung Innenstadt umzuleiten. Diese Idee haben die Planer aber verworfen: Beide Linien würden so "hoch verspätungsanfällig und weniger leistungsfähig", sagt MVG-Chef Herbert König. "Das wäre zum Nachteil aller Fahrgäste."

Folgen hat die Baustelle aber auch auf dem West-Ast der U 3 zwischen Scheidplatz und Olympiazentrum: Dort fahren insgesamt weniger Bahnen, weil die Wendekapazitäten am Scheidplatz sonst nicht ausreichen, wie König erläutert. Im Gegenzug sollen während dieser 22 Wochen die Züge der Linie U 7, für die normalerweise aus der Innenstadt kommend am Westfriedhof Schluss ist, bis zum Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) rollen. "Damit werden die Fahrtabstände dort halbiert", sagt König.

Zehn Millionen Euro investieren die Stadtwerke in die Erneuerung der Anlagen

Er hofft, dass möglichst viele Fahrgäste aus dem Nordwesten auf diese Linie ausweichen, also die U 3 zwischen Moosach und OEZ nutzen und dann am Einkaufszentrum zu U 1 und U 7 wechseln. Auf dem Süd-Ast der U 3 von Fürstenried-West bis Münchner Freiheit wird es laut König keine Einschränkungen geben. Die MVG-Leute betonen, dass es sich dabei um vorläufige Planungen handelt. Konkrete Fahrpläne werde es im Sommer geben.

Fest steht aber schon jetzt: Um Extra-Züge auf der U 2 sowie die Verlängerung der U 7 anbieten zu können, müssen die U-Bahnen vom neuen Typ C2 zugelassen werden. Diese stehen zum Teil seit 2013 ungenutzt herum, da die Zulassung der Bezirksregierung fehlt. König hofft, dass das jahrelange Gezerre darum bis Oktober beendet ist und die Züge für den Baustellenbetrieb zur Verfügung stehen. Andernfalls müsse man die U-3-Baustelle um mindestens ein halbes Jahr verschieben, sagt König. Dann fielen Mehrkosten von geschätzt 750 000 Euro für "teure Notmaßnahmen" an.

Ohnehin ist das Projekt eines der kostspieligeren: Zehn Millionen Euro investiert der MVG-Mutterkonzern, die Stadtwerke, in die Erneuerung der Anlagen. Der Abschnitt ist das zweitälteste Stück im Münchner U-Bahn-Netz, er ging 1972 kurz vor den Olympischen Spielen in Betrieb. Nun seien ein "kompletter Rückbau" und Austausch von Schienen, Schwellen, Schotter, Kabeln, Signalen und Stromschienen notwendig, sagt König. Hinzu kommt, dass die Firmen auf engstem Raum arbeiten müssen: So werden der alte Schotter und die alten Schwellen über Lüftungsschächte an die Oberfläche transportiert, über sie kommt auch das neue Material in den Untergrund. Der Bahnhof Bonner Platz werde so zur "Logistiköffnung", sagt König.

Die Großbaustelle auf der U 3 ist zudem nur der Auftakt für weitere ähnliche Projekte in den kommenden Jahren. Viele ältere Gleisanlagen sind nach 45 Jahren Betrieb so abgenutzt, dass sie komplett ausgetauscht werden müssen. Konkrete Pläne veröffentlicht die MVG noch nicht. Die Stadtwerke rechnen mit einem Investitionsbedarf von 2,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025; darin enthalten sind aber auch Ausgaben für neue Tram- und U-Bahnen.

© SZ vom 02.06.2016/dit

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