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Nahverkehr:Als Münchens erste U-Bahn zum Probebetrieb startete

Der erste Zug wurde per LKW antransportiert.

(Foto: Stadtarchiv)

Computersimulationen gab es vor 50 Jahren noch nicht, also engagierte die Stadt Statisten für den Test - Gedränge inklusive.

Münchens U-Bahn-Passagiere sind sehr gesellige Leute - gezwungenermaßen. Vor allem morgens kommen sich die Fahrgäste in den Zügen so nah wie selten. Nirgends sonst lassen sich die verschiedenen Varianten menschlicher Ausdünstungen so intensiv studieren wie auf dem täglichen Weg zur Arbeit, den unfreiwilligen Körperkontakt gibt's kostenlos dazu.

Dass es in der U-Bahn mal so zugehen würde, haben sie bei der Stadt schon gewusst, bevor die erste Linie überhaupt in Betrieb genommen wurde. Vor genau 50 Jahren, am 6. Juli 1967, startete die erste U-Bahn mit dem Probebetrieb. Und weil sie für die geplante Eröffnung vier Jahre später, am 19. Oktober 1971, für den Ernstfall gerüstet sein wollten, hat das damalige U-Bahn-Referat auch mit Statisten den Fahrbetrieb simuliert - Gedränge inklusive.

Design im Untergrund

U-Bahn-Stationen wie Kunstwerke

Rund zwei Kilometer lang war die Teststrecke zwischen den Bahnhöfen Schenkendorfstraße (heute Nordfriedhof) und Studentenstadt. Und aus heutiger Sicht kommt es einem unvorstellbar vor, dass es vom Spatenstich am 1. Februar 1965 bis zur offiziellen Einweihung nur sechseinhalb Jahre gedauert hat. Andersherum kann man es auch sehen wie Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der sich in einem Interview wunderte, warum solche Projekte heutzutage so lange dauern.

Über einen großen Widerstand der Bürger ist in den Archiven nichts zu finden. Die Münchner wollten die U-Bahn, dazu nahmen sie auch in Kauf, dass die Stadt in großen Teilen aufgegraben wurde, parallel dazu, von 15. Juni 1966 an, liefen auch die Bauarbeiten zur ersten S-Bahn-Stammstrecke.

Denn nicht nur den Stadtvätern war bewusst, dass der Verkehr mit der Trambahn alleine nicht mehr zu bewältigen war. Damals wuchs München ähnlich schnell wie heute, um etwa 30 000 Menschen pro Jahr. Gleichzeitig nahm der Autoverkehr überproportional zu, die Straßen waren zunehmend verstopft.

Erste Ideen für den Bau einer unterirdischen Bahn gab es allerdings schon viel länger. Schon 1905 arbeitete die königlich-bayerische Staatseisenbahn Pläne für einen Tunnel vom Hauptbahnhof zum Ostbahnhof aus. Tatsächlich gebaut wurde der erste Tunnel dann erst 1938 in der Lindwurmstraße.

Das Projekt wurde dann wegen des Krieges eingestellt, der Tunnel diente dann als Luftschutzkeller, später als Ort für die Champignon-Zucht, ernsthaft. 1965 dann nahm die Stadt das Projekt wieder auf. Zunächst hatte man noch daran gedacht, Trambahnen als "Unterpflasterbahn" unterirdisch fahren zu lassen. Doch OB Vogel war ein bekennender U-Bahn-Fan.

600 U-Bahn-Wagen auf mehr als 100 Kilometern Schiene

Also schritten er und der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel bei eisiger Februarkälte zum symbolischen Spatenstich an der Ecke Ungererstraße/Schenkendorfstraße. Doch eine Schaufel nahmen weder Goppel noch Vogel in die Hand: Arbeiter versenkten stattdessen einen ersten Stahlträger in der Erde. Der erste fertige U-Bahn-Abschnitt verlief zwischen Kieferngarten und Goetheplatz.

Bei den Probefahrten von 1967 ging es auch darum, die Technik zu testen und zu optimieren. So waren die ersten U-Bahnzüge des Prototyps A 1 noch stoßdämpfergefedert, was in Sachen Komfort dann doch nicht ideal war, da die Dämpfer sehr hart waren. Im Testbetrieb stieg man dann auf Luftfederung um.

600 U-Bahn-Wagen sind heute im Münchner Untergrund auf mehr als 100 Kilometern Schiene unterwegs. Die meisten, 340, sind immer noch alte A-Wagen, die in mehreren Entwicklungsstufen bis 1983 gebaut wurden. 112 Wagen gehören zur Reihe B, 108 zur Reihe C 1 (entspricht 18 Zügen). Die acht ganz neuen C2-Züge sind auf der Linie U 6 unterwegs, das entspricht 48 U-Bahn-Wagen.

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