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Nackt-Kunst-Aktion von Spencer Tunick:"Ich bin sehr flexibel mit meiner Idee von Schönheit"

Worin genau besteht Ihre Interpretation des "Rings", wenn nackte Menschen um die Oper auf der Straße stehen?

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Der Herr der Nackten

Es ist dasselbe wie die Neuinterpretation des Werks hier am Haus, wie Andreas Kriegenburg die Geschichte mit vielen Individuen erzählt. So weit ich seine Arbeit gesehen habe, geht es gut zusammen.

Opernintendant Nikolaus Bachler hatte also die Idee, schickte Ihnen Videomaterial, und Sie sagten zu?

Ja. Ich habe den "Ring" schon einmal gesehen, es kam nicht aus heiterem Himmel für mich. Der Rest war Arbeit: die Beschäftigung mit Kriegenburgs Fassung.

Ist es für Sie neu, die Arbeit eines Künstlers in Ihrer eigenen hineinzuinterpretieren?

Nein, ich habe ein paar Arbeiten für das Museum The Lowry in Manchester gemacht, in denen ich deren Arbeiten mit einer Sicht auf sie verbinden sollte.

Wurden Ihnen eigentlich jemals vorgeworfen, Ihr Umgang mit Massen sei faschistoid?

Ich wurde schon alles mögliche genannt und habe in allen Ländern Menschen gegen mich aufgebracht, aus verschiedenen Gründen, auch wenn die, die meine Arbeit nicht akzeptieren, eine Minderheit darstellen. Viele verstehen die Vorstellung, wie schön eine Masse von nackten Körpern sein kann.

Auch wenn Sie nicht unbedingt schöne Körper auswählen.

Ich halte sie alle für schön, zumindest aus einer gewissen Entfernung. Ich finde, jeder hat eine gewisse, Form, eine gewisse Kontur. Ich bin sehr flexibel mit meiner Idee von Schönheit.

Was manche Menschen nicht unbedingt teilen: Sie wurden ein paar Mal verhaftet wegen Ihrer Arbeiten.

Ja, ich war im Gefängnis. In den USA. Es ist sehr schwierig, wenn man nach langer Vorbereitungsarbeit an einer Installation von dieser ferngehalten wird durch Behörden, die nicht realisieren, dass die Gesetze die Kunst beschützen. Es war in New York, ich bewegte mich innerhalb der Gesetze, mir wurden Genehmigungen verweigert, ich wurde dennoch verhaftet, es kam zu einem Prozess, den ich gewann, es ging weiter bis vor das höchste Gericht. Das führte zu dem schönen Bild, dass der ganze Supreme Court während der Verhandlung gepflastert war mit Fotografien nackter Körper. Und schließlich bekam ich dort Recht, die Stadt New York verlor.

Lernten Sie etwas daraus?

Ja, dass ich nicht aufhören werde, kleine, individuelle, intime Arbeiten neben den großen öffentlichen zu machen. Wenn ich wieder einmal mit einer meiner großen Arbeiten Probleme kriege, gehe ich nach Hause und arbeite für mich.