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Nachtkritik:Deutschland sucht den Supermeistersinger

Es ist das zwölfte Mal, dass "Die Meistersinger" an der Münchner Oper neu inszeniert werden.

(Foto: Wilfried Hösl)

Die Münchner Oper macht Richard Wagners Werk zur Casting-Show. Zu gewinnen gibt es: eine Frau. Sänger und Orchester legen sich mächtig ins Zeug.

Regisseur David Bösch hievt Richard Wagners "Die Meistersinger" mit leichter Hand in eine damals wie heute gespaltene Gegenwart, die zwischen bodenständiger Realität und ideologisch-medialer Wirklichkeit schwankt. Das mittelalterliche Vorsingen des Ritter von Stolzing - Jonas Kaufmann ist in Hochform - funktioniert ohne Abstriche am Wagnerschen Original als aktuelle Casting-Show, einschließlich der Diskussion darüber, wer über die Qualität der Kunst entscheiden soll. Nur die Meister, nur das Volk, oder beide?

Statt Ruhm und Karriere winkt in den Meistgersingern allerdings ein besonderer Preis: Meister-Tochter Eva (Sara Jakubiak) ist für den Sieger ausgelobt. Neben Stolzing bewirbt sich der regelwütige Beckmesser - stimmstark: Markus Eiche. Weitere Stars des Abends: der hervorragend präparierte Staatsopernchor sowie ein fulminant aufspielendes Bayerisches Staatsorchester. Dirigent Kirill Petrenko beginnt die Ouvertüre straff, aber nicht hetzend, lässt die Blechbläser über dem warmen Streichergrund geschmeidig farblich changieren und erweist sich wieder einmal als Meister der feinen Zwischenklänge und Ausdrucksebenen.

Kaum ein Dirigent steuert einen so präzisen orchestralen Lautstärkeregler. Was immer wieder auch den Sängern zugute kommt, die sich darauf konzentrieren können, vielfältig zu gestalten, statt ständig gegen das Orchester ankämpfen zu müssen. Dass dennoch nichts verloren geht in Wagners elaborierter Klangerregie, dafür steht das bestens vorbereitete Orchester, das jedem Fingerzeig Petrenkos willig folgt.