Nachruf Vom süßen Mädel zur Charakterdarstellerin

Ihren ersten großen internationalen Erfolg feierte Karin Dor 1967 als Bond-Girl in "Man lebt nur zweimal".

(Foto: imago/Cola Images)

Karin Dor war das einzige deutsche Bond-Girl, sie arbeitete mit Sean Connery und Alfred Hitchcock zusammen. Nun ist sie im Alter von 79 Jahren gestorben.

Von Harald Eggebrecht

In ihren beiden berühmtesten Filmauftritten stirbt Karin Dor zwei der spektakulärsten Tode, die je einem deutschen Star vergönnt waren: Nachdem sie als Bond-Girl Helga Brandt in "Man lebt nur zweimal" von 1967 erst ihr grausames Mütchen, dann ihre feurige Leidenschaft an 007 Sean Connery gekühlt hat, bestraft der infernalische Großgangster Ernst Stavro Blofeld sie mit dem Tode durch Piranhas: "Diese Organisation duldet kein Versagen."

Wenig später bekam Karin Dor die Chance, mit einem der ganz Großen der Filmgeschichte zusammenzuarbeiten, mit Alfred Hitchcock. In dessen Spionage-Thriller "Topas" von 1970 spielte sie die Kubanerin Juanita, Geliebte des französischen Diplomaten André Devereaux und zugleich westliche Spionin. Als sie verraten wird, erschießt sie ihr kubanischer Verehrer Rico aus Liebe und Mitleid, um sie vor der Folter zu bewahren.

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Das teilte die Komödie im Bayerischen Hof in München mit. Sie spielte im James-Bond-Film "Man lebt nur zweimal" und in der legendären Winnetou-Filmreihe mit.

Die Sequenz inszenierte Hitchcock als tödlich erotische Szene: Vom Schuss getroffen sinkt sie aus der Umarmung nieder und ihr violettrotes Gewand entfaltet sich blütengleich auf dem Boden. Hitchcock hatte Fäden am Saum des Kleides anbringen lassen, an denen die Mitarbeiter im entscheidenden Moment ziehen mussten, um den Blumenöffnungseffekt zu erreichen.

Karin Dor, die als Kätherose Derr 1938 in Wiesbaden geboren wurde, wirkte von Beginn an eher südländisch unter den blonden deutschen Schauspielerinnen mit ihrem dunkelbrünettem Haar, den großen ausdrucksvollen braunen Augen und dem edlen Schnitt ihres schönen Antlitzes.

Doch bis zu James Bond und Alfred Hitchcock musste sie erst einmal durch das deutsche Kinosammelsurium der Fünfziger- und Sechzigerjahre in Alpenheimatfilmen, Edgar-Wallace-Krimis und als Winnetous Liebe Ribanna in den Karl-May-Epen. Niemand konnt so wundervoll erschrecken wie sie, wenn der Mörder nahte, niemand Winnetou (Pierre Brice) so tiefe Blicke zuwerfen. Von 1954 bis 1968 war sie mit Harald Reinl verheiratet, einem maßgebenden Regisseur in den Genres dieser Ära. Er setzte sie auch in seiner "Nibelungen"-Version als Brunhild ein.

Später erschien sie in TV-Serien wie "Ihr Auftritt, Al Mundy", "Der Chef" oder "FBI", in vielen deutschen Fernsehproduktionen und stand auch erfolgreich auf der Boulevardtheaterbühne, allein im "Neurosenkavalier" mehr als fünfhundert Mal. In zwei Filmen von Margarete von Trotta - "Ich bin die Andere" (2005) und "Die abhandene Welt" (2015) - zeigte Dor, dass aus dem einst süßen Mädel, dann strahlenden Star eine veritable Charakterdarstellerin geworden war: einmal als alkoholsüchtige Mutter, dann als demente Alte.

Ende der Achtzigerjahre hatte sie den amerikanischen Filmproduzenten George Robotham geheiratet, lebte mehr oder weniger in Beverley Hills. Doch es war nicht alles eitel Sonnenschein in diesem glamourösen Leben. So kehrte Karin Dor, die schon eine Krebserkrankung überstanden hatte, nach Deutschland zurück, als ihr Mann an Alzheimer erkrankte. Zu ihrem einzigen Sohn Andreas aus der Ehe mit Harald Reinl brach der Kontakt über die Jahrzehnte hin ab.

Wenn sie in ihren letzten Jahren manchmal in Fernseh-Shows auftrat, dann konnte man wahrhaft eine Grande Dame erleben. Sie wusste, wie man in Würde alterte: elegant, freundlich, stolz, ohne Allüren, und mit jenem Hauch Selbstironie begabt, der der Schönheit Noblesse gibt. Karin Dor, die zuletzt in München lebte, starb am Montagabend im Alter von 79 Jahren.

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