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Nachruf:Münchner im Himmel

Schöpfer eines Engels mit seinem größten Erfolg: Walter Reiner gab Aloisius Hingerl ein Gesicht und eine Figur. Jetzt sind beide im Himmel - und nach wie vor im Hofbräuhaus verewigt.

(Foto: Claus Schunk)

Zeichner Walter Reiner gestorben

Wahrscheinlich werden sie im Bayerischen Rundfunk nun von einem "One Hit Wonder" reden, wenn sie den Nachruf auf Walter Reiner senden, denn mit dem Altbairischen haben sie es dort ja inzwischen nicht mehr so. Walter Reiner hatte es schon damit, schließlich schuf er mit seiner Frau Traudl den berühmten Zeichentrickfilm "Ein Münchner im Himmel". Er entstand 1962 nach Ludwig Thomas Geschichte über den Dienstmann Alois Hingerl, der in den Himmel kommt und schließlich im Hofbräuhaus landet, statt der Staatsregierung die göttlichen Eingebungen zu überbringen. Der Film wurde zum größten Erfolg des Zeichner-Paares.

Ein halbes Jahr lang hatten die beiden an dem gut 15 Minuten Zeichentrickfilm zur Lesung des Schauspielers Adolf Gondrell gearbeitet. Reiner hatte die Aufnahme im Radio gehört und dachte sich, dass das ein guter Stoff für einen Film wäre. Recht hat er damit gehabt, der Film wurde ein Riesenerfolg, nicht nur in Bayern, sondern auch im Rest der Republik. Der kugelrunde, missmutige Aloisius mit dem Seehundschnauzer gilt auch im Norden als Paradebayer. "Er geht einem nicht auf die Nerven", erklärten sich die Reiners den Erfolg der Figur, "im Gegenteil: Er bringt viele Leute zum Lachen." Die beiden haben den Film immer als Glücksfall empfunden, denn von da an war es natürlich leichter, als Künstler zu überleben. Der gebürtige Münchner Reiner zog mit seiner Frau nach Fischbachau, wo sie beide in einem Haus mit großem Atelier lebten und arbeiteten.

Viele weitere Reiner-Filme entstanden danach, und der BR strahlt regelmäßig den "Münchner im Himmel" zum Oktoberfestauftakt aus. Im Hofbräuhaus gibt es, selbstredend, ein "Aloisius-Eckerl" (derzeit wegen Bauarbeiten geschlossen), die Wandbemalung führte Reiner selber aus. Und im Hofbräuzelt auf der Wiesn hängt ein überdimensionaler Aloisius im Zelthimmel. Walter und Traudl Reiner arbeiteten bis ins hohe Alter und voller Leidenschaft weiter an Buchillustrationen und Kinderbüchern.

Die letzten Jahre lebte Walter Reiner mit seiner 86-jährigen Frau Traudl in einem Seniorenheim, am Montag ist er dort friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Er wurde 91 Jahre alt.

© SZ vom 15.07.2016 / fjk
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