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Nachruf:Mehr als Mainstream

Bild in neuer Seite öffnenKarsten Kissling Nachruf

Karsten Kiessling war DJ und viele Jahre lang Musik- und Programmchef bei Radio Gong.

(Foto: Radio Gong)

DJ Karsten Kiessling erliegt Krankheit

Jedes Jahr im Februar war sein Name wieder oft in München zu hören. Karsten Kiessling, DJ und lange Zeit Musikchef beim Radiosender Gong, wurde dann von seiner Station bei jeder Möglichkeit angepriesen. Denn der Fasching auf dem Viktualienmarkt, der lebte schon auch von dem Mann an den Plattentellern, der am Faschingsdienstag auflegte.

Kiessling begann ganz unmusikalisch bei Radio Gong, nämlich als EDV-Mann. Allerdings wurde Geschäftsführer Georg Dingler bald auf ihn aufmerksam. Er machte ihn zum Musikchef, und von 2012 bis 2015 war Kiessling dann Programmchef bei Gong. Dabei hatte Kiessling eigentlich immer zwei Berufe, sagt Dingler, "abends DJ und tagsüber Programmchef bei uns". Die letzten fünf Jahre arbeitete Kiessling dann nur noch als DJ.

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Ob in der Milchbar für das jüngere Publikum oder bei Ü30-Partys, Kiessling war neben DJ John Munich der Mann, den man einsetzte, wenn es darum ging, Stimmung zu machen. "Der hatte eine solche Kraft", sagt Dingler. Wenn um sechs Uhr morgens noch ein einziger Gast auf der Tanzfläche gestanden habe, habe Kiessling für den auch noch gespielt. "Wenn der Musik aufgelegt hat, war er einfach nur glücklich." Zeitweise legte Kiessling bei mehr als 100 Events des Senders auf pro Jahr, dazu kamen seine Engagements als Club-DJ. Die Musik war im Grunde Mainstream, sagt Dingler, angereichert mit House. Aber er habe eben auch für Zielgruppen auflegen können, "wie es sich für einen guten DJ gehört". Da habe es kaum Entspannungsphasen gegeben, "das war immer voll Power und auf die Zwölf".

Vor eineinhalb Jahren wurde bei Kiessling ein Gehirntumor diagnostiziert. "Er war trotzdem so stark, wenn ich ihn getroffen habe in den letzten Monaten." Kiessling war verheiratet und hinterlässt zwei Kinder. Er ist am Dienstag im Alter von 49 Jahren seiner Krankheit erlegen.

© SZ vom 20.11.2020 / cro
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