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Nachruf:Filmemacher Marran Gosov ist tot

Tzvetan Marangosoff nannte sich als Filmemacher Marran Gosov. Gut 30 Jahre lebte er in München, bis er 1991 in sein Heimatland Bulgarien zurückkehrte.

(Foto: Privat)

Von Jürgen Moises

Schnorrer. Kleinkriminelle. Gescheiterte, exzentrische und leidenschaftlich faule Herumtreiber, das waren die zentralen Figuren in den Filmen von Marran Gosov. Figuren, wie es sie in den Sechziger- und frühen Siebzigerjahren viele gab in München, als Schwabing noch Boheme und noch nicht Schickeria war. Zu dieser Boheme gehörte der bulgarisch-deutsche Filmemacher selbst, nachdem er Anfang der Sechziger hier gelandet war. Gut 30 Jahre lebte Marran Gosov in München, bis er 1991 nach Bulgarien zurückkehrte, wo er ein anerkannter Schriftsteller und Dramatiker war. In Bulgarien ist Gosov nun auch am 12. Januar mit 87 Jahren verstorben.

Dass er zu seiner Blütezeit ein angesehener Regisseur in München war, zu dem junge Filmemacher wie Rainer Werner Fassbinder oder Klaus Lemke aufsahen, ist heute kaum noch bekannt. Insgesamt fünf Spielfilme und 27 Kurzfilme hat Gosov zwischen 1964 und 1978 gedreht, von denen leider kein einziger auf DVD erhältlich ist. Dafür kann man immerhin auf der Plattform Vimeo seine "Dilettantischen Lieder" finden: schräge, düstere Videos zu noch schrägeren Liedern. Denn Gosov war auch Komponist und hat unter anderem die Musik zu drei Filmen von Rosa von Praunheim geschrieben.

Und als es mit der Kinokarriere nicht mehr weiterging, arbeitete Gosov fürs Fernsehen, unter anderem für die Serien "Okay S.I.R." und "Ein Fall für Zwei". Dabei wollte Marran Gosov, am 3. Oktober 1933 in Sofia als Sohn einer Deutschen und eines Bulgaren als Tzvetan Marangosoff geboren, eigentlich Maler werden. Da kamen dann aber ein Zusammenstoß mit den sozialistischen Behörden, ein Gefängnisaufenthalt und die baldige Flucht nach Westdeutschland dazwischen.

Gosovs erster abendfüllender Spielfilm war der 1967 von Rob Houver produzierte "Engelchen oder Die Jungfrau von Bamberg". Ein respektlos-frecher Schwabing-Film. Mit Helga Anders und Roger Fritz drehte er 1968 den "Bonnie und Clyde"-Verschnitt "Zuckerbrot und Peitsche" und im Jahr darauf mit Uschi Glas "Der Kerl liebt mich - und das soll ich glauben?", für den Klaus Lemke das dann aber stark abgewandelte Drehbuch schrieb.

Im Jahr 1972 entstand der "Wonnekloß", dessen Titelrolle Gosov mit dem von ihm entdeckten, später mit "Klimbim" bekannt gewordenen Dieter Augustin besetzte. An den Kinokassen war er ein grandioser Flopp.

Dass man zumindest ein paar von Gosovs Filmen in den vergangenen Jahren noch im Münchner Werkstattkino oder Filmmuseum sehen konnte, das ist vor allem das Verdienst von Bernhard Marsch. Der Kölner betreut seit Jahren das Marran-Gosov-Archiv und betreibt die Internetseite www.marrangosov.de.

© SZ vom 19.01.2021
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