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Nachruf:Ein Mieterschützer

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Ernst Dill, streitbarer Kommunalpolitiker und Anwalt der Be- und Verdrängten, ist tot.

(Foto: Stephan Rumpf)

SPD-Lokalpolitiker Ernst Dill ist gestorben

Von Birgit Lotze, Sendling

Sendlings Mieterschützer ist tot: Ernst Dill, Rechtsanwalt und langjähriger Fraktionschef der SPD im Sendlinger Bezirksausschuss (BA), ist infolge eines Schlaganfalls mit 74 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Von tiefer Trauer, schwerem Verlust und einer großen Lücke, die er hinterlasse, sprachen Mitglieder der SPD und des Bezirksausschusses. Dill engagierte sich mehr als 30 Jahre lang im Stadtteilgremium, er argumentierte juristisch spitzfindig und pointiert und scheute keine Konfrontation. Der Bezirksausschuss, der am Montagabend tagte, legte eine Schweigeminute zu seinem Gedenken ein. Der Sendlinger SPD- und BA-Vorsitzende Markus Lutz würdigte Ernst Dill als "Vollblut-Kommunalpolitiker", der sich parteiübergreifend für eine starke Sachpolitik eingesetzt habe. Dill habe Hunderte Mieterinnen und Mieter vor der Gentrifizierung gerettet, sich um den alten Dorfkern gekümmert und bis zuletzt gegen den Rechtsradikalismus gekämpft. Für ihn selbst, so Markus Lutz, sei er politischer Mentor und ein echter Freund gewesen.

Dill war im Stadtviertel sehr präsent, nicht nur mit seinen regelmäßigen Mietersprechstunden. Er war auch Senioren- und Denkmalschutzbeauftragter und führte jahrzehntelang den Unterausschuss Planen, Bauen und Wohnen, den er für einen Kampf um die bedrohte Identität des Stadtviertels nutzte - gegen die Gentrifizierung, für die Isarhangkante oder für die alte Sortieranlage, wo er wieder Leben in die Ladenzeile bringen wollte. Manch von der Kündigung bedrohte Mietergemeinschaft begleitete er jahrelang - und oft erfolgreich. Dill setzte durch, dass die Stadt für das gesamte Quartier hinter der Harras-Post ihr Vorkaufsrecht ausübte, als dort Investoren übernahmen - für die Stadt das bis dato bei weitem größte und teuerste Projekt, was Mieterschutz angeht.

Ernst Dill ist auch münchenweit aktiv gewesen, im Münchner Forum setzte er sich zu Themen der Stadtgestaltung ein. Er ist einer der Wegbereiter der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass alle Bezirksausschüsse in München Rechtsextremismusbeauftragte einsetzen können. Unerbittlich war er im Einsatz gegen rechte Kräfte im Stadtteil, seine Auseinandersetzung mit Gegnern einer für Sendling geplanten Moschee fand auch Nachhall in Zeitungen wie der New York Times.

© SZ vom 08.12.2020
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