Nachruf "Mr. Pfanni" Otto Eckart ist tot

Otto Eckart, der frühere Inhaber der Münchner Pfanni-Werke, ist tot. Er hat eine Stiftung gegründet, die karitative und kulturelle Projekte unterstützt.

(Foto: Robert Haas)

Der Knödel-König versorgte Wirtschaftswunder-Deutschland mit schnellen und günstigen Fertiggerichten. Er wurde 80 Jahre alt.

Nachruf von Christian Krügel

Natürlich muss er an diesem Abend dabei sein. Schließlich geht es ja auch um sein Erbe. Also kommt der fast 80-jährige Otto Eckart an diesem Novemberabend 2015 in die "Nachtkantine". Unverkennbar an der Glatze, dem aufrechten Gang, der tadellosen Kleidung - ein leicht aristokratischer, aber kein snobistischer Auftritt. Er nimmt in der ersten Reihe Platz, hört aufmerksam zu, mischt sich aber nicht ein. Hinterher sagt er nur: "Er macht das schon gut, mir gefällt das."

Otto Eckart meint seinen Sohn Werner, der gerade eine Menge bunter Pläne für den Umbau des früheren Pfanni-Geländes in das Werksviertel präsentiert und kräftig für einen neuen Konzertsaal dort geworben hatte. "Meinen Segen hat das" - das soll der Auftritt von Otto Eckart wohl ausdrücken. Und nicht nur seine Familie weiß in diesem Moment, was der Segen dieses Münchner Patriarchen bedeutet.

Mit einer für damalige Verhältnisse expansiven wie kreativen Werbestrategie, hier ein Archivbild aus den 1970ern, machte Eckart die Marke Pfanni berühmt.

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Die Wirtschaftsgeschichte dieser Stadt ist immer von großen Unternehmerfamilien und -persönlichkeiten geprägt worden. Vielleicht waren die Eckarts eine der prägendsten in den Münchner Nachkriegsjahren. Seit Jahrhunderten waren die Eckarts Kaufleute, schon im 19. Jahrhundert verdienten sie Geld mit haltbaren Lebensmitteln. Werner Eckart senior, der Vater von Otto, experimentierte nach dem Krieg solange mit Kartoffeln herum, bis er die richtige Rezeptur für Fertigknödel hatte, später für Brei, Kroketten, Röstis und viele andere Produkte rund um die Knolle für die Fabrikproduktion hatte.

Die Pfanni-Werke am Ostbahnhof fütterten Wirtschaftswunder-Deutschland mit schnellen und günstigen Fertiggerichten, die Eckarts zählten zu den erfolgreichsten und vermögendsten Münchnern. Fast 1300 Beschäftigte hatten dank Pfanni Arbeit, Bauern aus der Region einen Absatzmarkt für jährlich drei Millionen Zentner Kartoffeln.

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Sohn Otto Eckart trat 1966 in die Familientradition ein. Er kümmerte sich um Marketing, versuchte die größte Kartoffelküche Europas zu einem global agierenden Unternehmen umzustrukturieren. 1991 ließ er noch ein Werk in Mecklenburg-Vorpommern bauen, doch Pfanni war da schon der Konkurrenz der richtigen großen Lebensmittelplayer nicht mehr gewachsen, schrieb plötzlich rote Zahlen. Trotzdem war es ein Schock für München, als Otto Eckart 1993 Pfanni an Knorr-Maizena verkaufte und 1996 die Produktion am Ostbahnhof eingestellt wurde. "Die bitterste Entscheidung meines Lebens", schrieb er später.

Die Pfanni-Familie gab es nicht mehr - trotzdem wollte er sie erhalten. Bis heute laden die Eckarts die früheren Mitarbeiter zum Weihnachtsessen ein. Für das Ende von Pfanni musste Otto Eckart viel Kritik einstecken. Und doch profitierte München von ihm dank seiner Stiftung weiter. Wie sein Vater finanzierte er Spielplätze, investierte in Projekte der Kinder- und Jugendhilfe, des Umweltschutzes sowie der Kultur - Otto Eckart, selbst Flötist, war glühender Opernfan und großer Mäzen der bayerischen und der Berliner Staatsoper.

Auch Guatemala profitierte von ihm, was ihm einen Konsultitel brachte: Während der Spiele 1972 kümmerte sich Eckart um die Betreuung der mittelamerikanischen Olympioniken in München. Die Kontakte nutzte er später unter anderem, um sich in Guatemala für die indigenen Mayas, den Regenwald und Schulen einzusetzen. Vor wenigen Wochen feierte er seinen 80. Geburtstag. Am Sonntag ist Otto Eckart nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

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