Nachhaltigkeit Ein bisschen Bio möcht' schon sein

"Ich will ein Rind von dir": Das Umweltreferat startet eine Aktion für Fleisch aus artgerechter Haltung in den Münchner Gaststätten

Von Franz Kotteder

Manuel Reheis, Chefkoch des Restaurants Broeding, bringt es auf den Punkt: "Ich habe noch nie ein schlecht produziertes Fleisch gegessen, das gut war." Allein das sei schon ein Grund, für artgerechte Tierhaltung einzutreten und ihre Produkte in der Küche zu verwenden. Nicht nur zu Hause, sondern auch und gerade in der Gastronomie.

Letztere hat das städtische Referat für Gesundheit und Umwelt mit seiner Initiative "Biostadt München" gerade besonders im Auge. Ziel ist es, mehr Fleisch aus artgerechter Haltung auf die Wirtshaus- und Restauranttische zu bringen, und deshalb hat Umweltreferentin Stephanie Jacobs jetzt die Aktion "Zu Tisch - Besser iss das!" zusammen mit dem Verein Genussgemeinschaft Städter und Bauern ins Leben gerufen. Teilnehmende Gaststätten können mit einem besonderen Signet - ein stilisierter Rinderkopf auf goldenem Grund - darauf hinweisen, dass sie Fleisch aus artgerechter Tierhaltung anbieten. Wie das konkret aussieht, das erläuterten Stadt und Genussgemeinschaft am Mittwoch der Presse im neuen Wirtshaus Xaver's an der Rumfordstraße.

Reheis vom Broeding, der erst vor ein paar Tagen von der Aktion erfahren hatte, fragte sich erst einmal, ob sein Restaurant für die Zu-Tisch-Kampagne überhaupt in Frage komme: "Wir haben auch viele kleine Lieferanten, die sich eine Bio-Zertifizierung gar nicht leisten können, die ist ja nicht billig." Aber es geht auch gar nicht darum, dass ein Lokal ausschließlich Bio-Zutaten verwendet. "Jeder Gastronomiebetrieb kann mitmachen", sagt Angelika Lintzmeyer vom Umweltreferat, "nicht nur biozertifizierte Betriebe." Es genüge, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung anzubieten für den, der sich dafür entscheide. Etwa so wie im Wirtshaus Xaver's. Jakob Portenlänger, einer der drei Wirte, erklärt: "Bei uns sind zum Beispiel der Schweinenacken und das Rindstartar bio, anderes wieder nicht, weil das vom Preisniveau her für ein Wirtshaus schwierig würde."

Aus diesen Gründen hat auch die Stadt sich erst einmal auf das Segment Rindfleisch verlegt. Hier sind die Preisunterschiede zwischen biologischer und konventioneller Erzeugung weniger groß als bei Schweinen und Hühnern. Längerfristig setzt aber auch das Umweltreferat auf ein Umdenken in der Bevölkerung und auf ein wachsendes Interesse an einer Fleischproduktion, die für Mensch und Tier gesünder ist. Und dem Verbraucher nicht zuletzt auch besser schmeckt.

Um das zu vermitteln, will man es nicht beim Signet belassen. "Nicht das Biolabel steht im Vordergrund", so Lintzmeyer, "sondern die Kommunikation zwischen Erzeugern, Gästen und Gastronomen." Die will man zum Beispiel durch organisierte Ausflüge zu Biohöfen und Landwirten fördern. Informieren kann man sich darüber und demnächst auch über die teilnehmenden Restaurants auf einer Homepage mit dem etwas komplizierten Namen www.zutisch-besser-iss-das.de. Für die Breitenwirkung der Kampagne sollen unter anderem verschiedene Motive auf Bierfilzl, Postkarten und T-Shirts sorgen, beispielsweise mit der Aufschrift: "Ich will ein Rind von dir."