Münchens junge Kreative: „Tittas Fritas“Wenn aus Resten Mode wird

Lesezeit: 1 Min.

Aus Liebe zu Nachhaltigkeit und Mode haben Anna Stahan (links) und Kira Schmid das Upcycling-Label „Tittas Fritas“ gegründet. Vom Designen über das Nähen bis zum Shooten machen sie alles selbst.
Aus Liebe zu Nachhaltigkeit und Mode haben Anna Stahan (links) und Kira Schmid das Upcycling-Label „Tittas Fritas“ gegründet. Vom Designen über das Nähen bis zum Shooten machen sie alles selbst. Paul Dittmann

Aus Museumsleinen wird eine Bluse, aus alten Hemden werden Patchwork-Taschen. Wie Anna Stahan und Kira Schmid zeigen, dass man mit Kreativität die Modewelt neu denken kann.

Von Leila Herrmann

Mode und Nachhaltigkeit gingen lange Zeit nicht Hand in Hand. Entweder waren Kleidungsstücke stylisch, aber unter fragwürdigen Bedingungen produziert – oder fair hergestellt, aber weniger attraktiv. Anna Stahan, 25, und Kira Schmid, 28, aus München haben nun das Upcycling-Label „Tittas Fritas“ gegründet, das zeigen will, dass beides gleichzeitig bestehen kann.

Kira hat eine Ausbildung zur Maßschneiderin absolviert, Anna hat bei Lodenfrey im visuellen Marketing als Dekorateurin und Stylistin, gearbeitet. Irgendwann haben sie ihre Kräfte gebündelt und hobbymäßig neue Designs aus alten Stoffen genäht. Als dann auch ihre Freunde begeistert von Kleidungsstücken waren, entschlossen die beiden: „Wir wollen das jetzt richtig groß aufziehen.“

Paul Dittmann
Paul Dittmann

Seitdem investieren sie drei bis vier Tage die Woche in ihr Projekt, oft acht Stunden am Tag – auch wenn sie das Ganze bisher nicht als Vollzeitjob betreiben können. Zuerst schauen sie sich die Materialien an – Reststoffe oder Secondhand-Teile – und überlegen, was daraus entstehen könnte. Anschließend zeichnen sie die Entwürfe, schneiden zu, stecken ab, nähen. Dazu kommen Marketing, Fotos und Social Media. „Wir arbeiten gut als Team zusammen“, sagt Anna.

Paul Dittmann

Ihre Lieblingsteile? Kira ist ein großer Fan der „Paulita“-Bluse – ein Oberteil aus altem Leinenstoff eines Museums, das an der Seite mit Schleifen verziert ist. Beim ersten Mal war die Arbeit so aufwendig, dass ein fairer Preis fast unmöglich war; heute haben sie den Prozess perfektioniert. Auch die Patchwork-Taschen aus alten karierten und einfarbigen, blauen und braunen Hemden gehören zu ihren Favoriten: „Jede Tasche ist ein Unikat.“

Paul Dittmann

München als Standort ist bei ihrem Projekt halb Fluch, halb Segen. Die Stadt sei ziemlich teuer, einen eigenen Store zu betreiben also ziemlich schwer. Gleichzeitig birgt sie auch Chancen, ist noch nicht so ausgeschöpft wie vergleichsweise Berlin. „Wenn man etwas Einzigartiges macht, wird das hier sehr gut angenommen“, sagt Kira. Kontakte und ein gutes Netzwerk helfen dabei enorm.

Paul Dittmann

Zukünftig wollen sie Pop-ups in Europa veranstalten, mit anderen Kreativen zusammenarbeiten und vielleicht sogar einen eigenen Store eröffnen. „Wir möchten eine Community aufbauen, kleinere Künstler supporten und ein Happening schaffen, das mehr ist als nur Shopping“, sagt Anna. Ihr Traum ist es, irgendwann davon leben zu können – und dabei die Welt ein Stück besser zu machen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Münchens junge Kreative: Naomi Köhler
:Hätte sie nicht Jura studiert, wäre sie heute keine Tätowiererin

Barcelona, Los Angeles, München-Giesing: Naomi Köhler tätowiert weltweit. Wie bringt man den Mut auf, sich in der unberechenbaren Kreativbranche schon in jungen Jahren selbständig zu machen?

Von Rike Ohlerich

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: