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Nachgefragt:Bekommt München eine Tappert-Straße?

Gibt es eine Chance, dass München eine Horst-Tappert-Straße bekommt? Sigrid Koneberg vom Vermessungsamt erklärt es uns.

In Wuppertal soll eine Straße nach dem im Dezember verstorbenen "Derrick"-Darsteller Horst Tappert benannt werden. Der Schauspieler, der in seiner Rolle als Kriminalbeamter in München ermittelte, wurde 1923 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Bis man eine geeignete Straße gefunden habe, werde es aber noch einige Monate dauern, heißt es in Wuppertal. Welche Chancen eine Tappert-Straße in München hätte, erklärt Sigrid Koneberg, die als Leiterin des Vermessungsamts für Straßenbenennungen zuständig ist.

Derrick gab es sogar als Comic. Wieso eigentlich nicht als Straße?

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Bei so einem populären Schauspieler, müsste es doch ziemlich schnell mit einer Straßenbenennung gehen, oder?

Koneberg: Straßenbenennungen dauern eine gewisse Zeit. Neben unseren eigenen Vorschlägen für einen neuen Straßennamen kommen auch welche aus der Bürgerschaft, von den Bezirksausschüssen oder aus dem Stadtrat. Die betreffende Person sollte seit mindestens einem Jahr verstorben sein. Nach lebenden Personen werden grundsätzlich keine Straßen benannt. Es dürfen auch keine Namen verwendet werden, die zu Verwechslungen mit bereits bestehenden Straßenbezeichnungen führen, oder die zu Missdeutungen oder Verspottung Anlass geben.

SZ: Tappert hätte da doch recht gute Chancen. Welche Hindernisse gegen eine Benennung könnte es noch geben?

Koneberg: Wir fragen grundsätzlich in Berlin beim Bundesarchiv, beim Stadtarchiv und den städtischen Bibliothekennach biografischen Hintergründen. Das wäre auch im Fall von Herrn Tappert so. Außerdem wird die Frauen-Gleichstellungsstelle gehört. In München will man, dass neue Straßen vermehrt nach Frauen benannt werden.

SZ: Könnte man sich eigentlich eine Kommissar-Derrick-Straße vorstellen?

Koneberg: Mit Kunstfiguren hätten wir gewiss ein Problem - wobei Märchen bei uns schon vorkommen, etwa bei der Rotkäppchenstraße. Ich nehme an, dass Derrick es schwer hätte, durch Entscheidungsgremien, wie etwa den Ältestenrat im Stadtrat, zu kommen.

SZ: Die Straße sollte einen Bezug zum Wirken des Kommissars haben. Ist vielleicht in einer vornehmen Villengegend gerade etwas zur Benennung frei?

Koneberg: Schwierig. In den gewachsenen Bezirken entstehen kaum neue Straßen. Umbenennungen sind immer heikel und müssen sehr gut begründet sein. Anwohner bekommen durch die Adressenänderung einen enormen Aufwand. Zu Neubaugebieten, wie etwa Freiham oder die Messestadt Riem, haben Horst Tappert oder Derrick keinen Bezug. Wir achten darauf, dass der neue Straßenname immer auch zu den bestehenden Bezeichnungen in der Umgebung passt. Es gibt also zum Beispiel Gebiete mit Künstler- oder Schauspielernamen. In der Richtung müssten wir dann etwas finden.

SZ: Wie viel neue Straßenbezeichnungen gibt es eigentlich im Jahr?

Koneberg: 15 bis 20 im Durchschnitt. Vergangenes Jahr hatten wir allerdings nur neun. Beispiele sind Zur Allacher Mühle, die Katharina-von-Bora-Straße, der Manchesterplatz, der Mildred-Scheel-Bogen oder der Storchenweg.