Nachgefragt bei Sara Schalk

(Foto: Picasa)

34-jährige Modedesignerin

Protokoll von Michael Bremmer

Meine Mode ist sehr geprägt von den Sechzigerjahren. Erst kürzlich, angeregt durch die vielen Reportagen über die 68er, habe ich darüber nachgedacht, ob ich damals gerne dabei gewesen wäre. Ich glaube ja nicht. Es herrscht hier ein arg verklärtes Bild über die damals neuen Freiheiten vor. Vermutlich hätte ich in einem bayerischen Dorf gelebt, wäre mit 18 schwanger geworden, hätte heiraten und später meinen Ehemann fragen müssen, ob ich von Haushaltsgeld eine Waschmaschine kaufen kann. Da bin ich schon über die Rechte froh, die ich heute als Frau habe. Aber auch das ist ja ein Verdienst der Zeit damals. Meine Eltern waren Hippies. Um genau zu sein: Mein Vater war ein Gammler - Parka, lange Haare, am besten immer barfuß unterwegs - das war sein Statement gegen die Spießbürger damals. Er war ein Revoluzzer, aber kein modisches Vorbild. Aber das Sich-Abheben von der Norm durch Kleider beeindruckte mich. Natürlich hatte das Aufbegehren der Jugend damals Auswirkungen auf die Mode, die Proportionen haben sich verändert. André Courrèges schenkte etwa mit den Miniröcken den Frauen eine bis dahin nicht bekannte Beinfreiheit, Frauen müssen tanzen und springen können. Weg mit den Absätzen, her mit Stiefeln. Der Brit-Pop der Neunzigerjahre brachte mich auf die Musik der Sixties, dann auf die Klamotten der Zeit. Ich identifiziere mich modisch mit den Sechzigerjahren. Das ist aber in erster Linie kein politisches, sondern ein ästhetisches Statement. Ich stehe einfach drauf.