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Nachfolger gesucht:Neue Vorsitzende dringend gesucht - wieder einmal

Heidi Schiller, 2015

Heidi Schiller war erst im Mai 2015 zur Stadtvorsitzenden der Münchner Grünen gewählt worden. Allseits wird betont, ihr vorzeitiger Rückzug habe allein berufliche Gründe.

(Foto: Stephan Rumpf)

Grünen-Chefin Heidi Schiller gibt ihr Amt im September auf

Nach gerade mal gut einem Jahr suchen die Grünen in München schon wieder eine neue Vorsitzende. Parteichefin Heidi Schiller gab am Mittwochabend auf der Stadtversammlung bekannt, dass sie ihr Amt im Herbst aus beruflichen Gründen aufgeben werde. Über eine Nachfolgerin sollen die Mitglieder am 26. September abstimmen. Obwohl bei der jüngsten Vorstandswahl im Mai 2015 kaum Bewerberinnen gefunden wurden, rechnen die Grünen diesmal mit mehreren. Unter anderem soll Gudrun Lux, derzeit Beisitzerin im Vorstand, als Kandidatin gehandelt werden. Sie selbst bestätigt das auf Anfrage nicht und sagt lediglich, dass der Vorstand sehr gut kooperiere und die Arbeit dort "viel Spaß" mache.

Fest steht aber bereits, dass nur eine Frau für den frei werdenden Posten in Frage kommt. Die Grünen besetzen ihre Doppelspitze paritätisch, Schillers männlicher Kollege Hermann Brem ist noch bis Mai 2017 gewählt. Ebenso ist es Tradition, dass keine führende Stadträtin oder Landtagsabgeordnete als Vorsitzende erwünscht ist. "Um eine gute Nachfolge ist mir nicht bange", sagte Schiller. Es gebe viele Alternativen. Schiller will sich in Zukunft verstärkt ihrem Projekt im Senegal zuwenden. Dort treibt sie seit zehn Jahren die Idee voran, eine bestimmte Schilfsorte als ökologischen Rohstoff etwa zum Bau von Häusern zu nutzen. Dieses Projekt habe nun eine ungeheure Dynamik entwickelt, weshalb sie monatelang in Afrika arbeiten müsse, sagte Schiller. "Die Münchner Grünen brauchen aber einen schlagkräftigen und vollzähligen Vorstand, gerade wenn es jetzt spürbar auf die Wahlen zugeht." Deshalb habe sie sich nach langem Ringen dazu entschlossen, ihr Amt aufzugeben.

Sie werde sich aber bis zum letzten Tag noch voll einbringen, sagte Schiller. Das gelte zum einen für die Grünen-Straßenfeste, mit denen sich die Partei in der Stadt zeigen solle, das gelte zum anderen für das "verdammte Verkehrsproblem" mit der Luftverschmutzung und für die Aufstellung der Bundestagskandidaten. Dass sich Dieter Janecek und Doris Wagner erneut bewerben, stehe ebenso fest wie die Kandidatur von Margarete Bause, derzeit noch Landtagsfraktions-Chefin, im Osten. Deshalb gelte es nun, den entstehenden Druck auf den Stimmkreis im Süden in den kommenden Wochen friedlich zu regeln. Dort haben bereits vier Grüne ihr Interesse erklärt, 2017 zu kandidieren - weitere Bewerbungen werden in der Partei erwartet.

Die Mitglieder haben auf Schillers Ankündigung bei der Stadtversammlung laut Teilnehmern mit Standing Ovations reagiert. Das sei aber keinesfalls als Erleichterung zu verstehen, dass Schiller ihren Posten räume, sondern als Respekt für "extrem viel Anstand und Größe", sagt ihr Vorstandskollege Hermann Brem. Schiller klammere sich nicht mit Gewalt an ein Amt, das sie aus beruflichen Gründen nicht zu 100 Prozent ausfüllen könne. Ihr Abschied sei ein Einschnitt, den er sehr bedaure. "Ich hätte gerne mit ihr weiter zusammengearbeitet."

Auch in der Stadtratsfraktion bedauert man den Abschied. "Schade, wir waren auf einem guten Weg in der Zusammenarbeit", sagte deren Sprecherin Gülseren Demirel. An Schillers Entscheidung sehe man, "wie ernst sie dir Rolle genommen hat". Gleichwohl liege es im Interesse der Fraktion, an der Stadtspitze Kontinuität zu haben, sagte Demirel.