Nach Umbau:Sidos Bar eröffnet ohne Sido

Nach Umbau: Barserie ' Nachtbad ' ( ehemaliger schwuler Sauna-Club Müller 54) im Keller in der Müllerstrasse 54, 4.Januar 2017, Foto : C : Stephan Rumpf

Barserie ' Nachtbad ' ( ehemaliger schwuler Sauna-Club Müller 54) im Keller in der Müllerstrasse 54, 4.Januar 2017, Foto : C : Stephan Rumpf

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Räume des ehemaligen m54-Saunaclubs haben Mitja Lafere und Kollegen zur Bar umgebaut. Nur der Berliner Rapper gehört nicht mehr zu den Betreibern.

Von Laura Kaufmann

Mitja Lafere war skeptisch, als ihn ein Gastro-Kollege mit den Worten "Komm, ich muss dir was zeigen!" in den m54-Saunaclub lockte. Was wollte er ihm damit sagen? Dass er auf Männer steht? Dass er gar auf ihn steht? Aber der Kollege sah ihn, kaum waren sie in der Sauna, mit glänzenden Augen an und sagte: "Was man da draus machen könnte!" Und da verstand Mitja Lafere. Die Pächter würden den Saunaclub in der Müllerstraße aufgeben.

Das ist nun über zwei Jahre her. Und wenn es nach Mitja Lafere und seinen Partnern ginge, hätten sie den Laden, in die Bar "Nachtbad" verwandelt, schon längst aufgemacht. Zur Wiesn würde es soweit sein, hatte Rapper Sido, bürgerlich Paul Würdig, im August 2015 verkündet. Aber der Vorpächter hatte ohne Genehmigung Löcher in die Decke gebohrt, damit war für die Stadt der Brandschutz erloschen. Allein die Wiederinstandsetzung der Decke kostete ein kleines Vermögen, und wer die Kosten zu tragen hatte, das musste erst geklärt werden. Einen Teil haben jetzt Mitja Lafere und seine Partner übernommen. Zu denen Sido im Übrigen doch nicht gehört.

Die als Sidos Bar angekündigte Bar macht jetzt also ohne Sido auf. Er ist nicht unter den Betreibern. "Sido ist ein Freund des Hauses und wird sich hier auch ab und zu blicken lassen", sagt Mitja Lafere. "Er wird bestimmt das ein oder andere Mal eine Rolle spielen, aber ob aktiv oder nur zum Feiern, das steht noch in den Sternen." Der Rapper polarisiert, und offenbar sollte das "Nachtbad" nicht als Fan-Bar verstanden werden, in der zum Beispiel nur Hip-Hop läuft. Die Bar soll frei von solchen Stempeln bleiben.

400 Quadratmeter Grundfläche hat die ehemalige Sauna. Nicht alle davon nutzt das "Nachtbad". Aber es ist ein großes Lokal mit unterschiedlichen Räumen, die mit vielen Gästen gefüllt werden wollen. "Egal wie und egal wann, wir wollen, dass es immer Spaß macht hier", sagt Lafere, der mit seinen zwei Kollegen Bene Mayr und Sebastian Erlenmaier schon die "Schorsch Bar" in der Georgenstraße betreibt. Außer den Dreien stecken John Hohberg vom "Beverly Kills" und Konstantin Graf von Keyserlingk von der "Distillers Bar" hinter dem "Nachtbad", mit ihren unterschiedlichen Ideen.

Wer vor der schmalen, unauffälligen Tür in der Müllerstraße steht, ahnt nicht, welch gigantische Spielwiese sich dahinter verbirgt. Im Eingangsbereich steht eine Badewanne, in der sich die Gäste selbst fotografieren können für die Social-Media-Feeds, im nächsten Raum werden noch alte Automaten mit Kultspielen wie "Pac Man" aufgebaut. Zur Linken dann der Jägermeisterraum, der wie eine Almhütte mit Holz ausgekleidet ist; die Bar ist von Schnaps bis Champagner mit allem bestückt und eine kleine Eisenbahn dreht ihre Runden. Im großen Barraum hängen die Türen alter Saunaspinde von der Decke, die Sitzmöbel sind aus Paletten genagelt. Und der DJ, der legt im ehemaligen Saunaverschlag auf.

Das "Nachtbad" versteht sich aber als Bar, nicht als Club. Über der Bar sind Wohnungen, die Lautstärke ist schon entsprechend eingepegelt. Im großen Barraum soll es neben Klassikern wie Longdrinks auch gut gemixte Cocktails geben; die Atmosphäre in den früheren Stunden des Abends und unter der Woche eher eine familiäre sein. Ein Musikstil wird nicht festgelegt. Davon abgesehen, dass der Sound Spaß machen soll, ohne zu kommerziell zu sein. Am 13. Januar eröffnet das "Nachtbad" für konditionsstarke Freischwimmer, die abtauchen wollen in den lang erwarteten Neuzugang des Nachtlebens.

© SZ vom 05.01.2017/jey
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