Nach Überfall auf Juwelier Ein böses Geschäft

In das Juweliergeschäft Chopard kommt nur, wer klingelt - dann öffnet ein Wachmann die Tür. Die Täter nutzten eine Axt.

(Foto: Robert Haas)

Sechs Wochen nach dem Überfall auf den Juwelier Chopard in der Maximilianstraße ist klar: Einer der Täter konnte mit Uhren und Schmuck im Wert von 400.000 Euro entkommen. Die anderen vier Räuber sitzen in Haft. Aber das könnte auch kalkuliert gewesen sein.

Von Till Krause und Susi Wimmer

Wenn die Hintermänner damit kalkuliert hatten, das eine oder andere "Bauernopfer" zurückzulassen und trotzdem genug Beute abzuziehen, so ist der Plan aufgegangen: Wie erst jetzt, sechs Wochen nach dem Überfall auf Chopard in der Maximilianstraße, bekannt wurde, konnte der fünfte Täter mit Uhren und Schmuck im Wert von etwa 400 000 Euro entkommen. Das ist in etwa die Hälfte der Beute. Die restlichen vier Täter, die mittlerweile identifiziert sind, sowie drei Serben sitzen seit dem Überfall am 20. Februar in getrennten Haftanstalten. Einer der Serben, da ist sich die Polizei "ziemlich sicher", gehört zum Netzwerk der weltweit operierenden Juwelenräuberbande Pink Panthers.

An jenem Mittwochmittag hatten fünf Männer auf spektakuläre Weise den Juwelier in der Münchner Innenstadt überfallen: Einer schlug mit einer Axt die gläserne Eingangstüre ein, ein anderer bedrohte den Sicherheitsmann mit einem Schraubendreher, die restlichen Männer zertrümmerten mit einem Vorschlaghammer die Vitrinen und räumten Rucksäcke voll mit Uhren und Schmuck. Dann flüchteten die Fünf aus dem Laden und stoben davon. Ihnen auf den Fersen: ein Sicherheitsmann sowie Bürger. Dank deren Hilfe nahm die Polizei vier der Täter fest, die einen Teil der Beute bei sich hatten.

Außerdem sichteten die Beamten wenig später nahe des Tatorts am Thomas-Wimmer-Ring einen dunklen Mietwagen. Das Kennzeichen war zur Fahndung ausgeschrieben. Über die Polizei in Tschechien war bekannt geworden, dass die Pink Panthers einen Überfall planten und sich am Münchner Flughafen ein Auto anmieten würden. "Nach unserer Kenntnis sollte der Überfall im Ruhrgebiet über die Bühne gehen", erklärt Uwe Dörnhöfer vom Kommissariat 33 (Organisierte Kriminalität). In dem Wagen saßen zwei Serben, 27 und 32 Jahre alt. Über die eingespeicherte Adresse im Navigationsgerät gelangte die Polizei zu einer Wohnung in der Boschetsrieder Straße. Dort nahm sie einen 25-jährigen Serben fest.

Überfall war professionell organisiert

Die Polizei nimmt an, dass die Burschen so genannte Runner waren, die für ein paar Euro angeworben wurden. Die Serben im Auto sollten ihnen wohl die Beute abnehmen. Welche Aufgabe der dritte Mann in der Wohnung hatte, ist noch unklar. Dass nun ausgerechnet derjenige Runner entkommen ist, der einen Großteil der Beute dabei hatte, kann Zufall sein - deutet aber auch auf eine Professionalität hin, die man bei dem Überfall zunächst nicht vermutet hätte.

Die vier Festgenommenen könnten eine Art Kanonenfutter gewesen sein, die von der Tatsache ablenken sollten, dass einer der Täter mit Schmuck und Uhren im Wert von 400 000 Euro entkommen konnte. Was also, wenn die Festnahme von vier jungen Männern und der Verlust eines Teils der Beute einkalkuliert gewesen war? Dann wäre der Überfall ein Beleg für die perfide Professionalität der Hintermänner. Fast eine halbe Million Beute - und ein paar arme Burschen im Knast. Ein böses Geschäft, aber kein schlechtes.

Etwa eine Woche vor dem Überfall hatten die Serben die möblierte Wohnung in Obersendling angemietet. Dann kundschafteten sie den Laden aus. Es gibt Zeugen, die die Serben an der Maximilianstraße gesehen haben. Vermutlich hielten sie sich auch bei Chopard auf, wo ständig eine Videokamera läuft. Auch die Rumänen müssen Tage vorher angereist sein. Nach der ersten Öffentlichkeitsfahndung der Polizei gingen "ein paar sehr brauchbare Hinweise ein", wie Dörnhöfer sagt. Demnach wurden die Männer in der Innenstadt wie auch außerhalb gesehen. "Uns erzählten sie, sie hätten teilweise in Parks übernachtet." Die drei verhafteten Serben hingegen schweigen, was typisch ist für Mitglieder der Pink Panthers. Die Serben stehen mutmaßlich höher in der Bandenhierarchie.

Sechs Wochen nach dem Überfall ist nun auch die Identität der Männer klar, die sich alle jünger gemacht hatten: Laut Dörnhöfer waren die Rumänen zum Zeitpunkt des Überfalls 17, zweimal 18 und 21 Jahre alt. Das wurde per Lichtbilder- und Fingerabdruckabgleich bestätigt. Die länderübergreifende Zusammenarbeit der Behörden überrascht nicht - denn die Jagd auf die Pink Panthers hat sich längst zu einem Großprojekt verschiedener Ermittler auf der ganzen Welt entwickelt. Jedes Jahr treffen sich Vertreter von Interpol und anderen Behörden zur "Pink Panthers Working Group". Das Ziel: Bessere Vernetzung und die Erkenntnis, dass die Polizei einem so straff organisierten Verbrecherring nur durch bessere Zusammenarbeit entgegentreten kann.