Nach Terrorwarnung:Was Trittbrettfahrer anrichten können

Am Samstagnachmittag löste ein solcher Trittbrettfahrer einen Großeinsatz aus: Ein etwa 35 Jahre alter Mann, der auf dem Bild einer Überwachungskamera schwarze Haare hat, eine weiße Mütze und eine schwarze Umhängetasche trug, rief von öffentlichen Telefonen im Hauptbahnhof zweimal im Abstand von zwölf Minuten bei der Polizei an und sagte etwas von "München" und "Bombe". Danach stieg der mutmaßliche Täter am Gleis 13 in einen Regionalzug, der nach einem Zwischenhalt in Pasing über Augsburg nach Ulm fuhr.

Die Polizei entschied sich, den Zug in Mammendorf zu stoppen und zu durchsuchen. Mit geschlossenen Türen stand der Zug fast eine Stunde im dortigen Bahnhof, der Trittbrettfahrer war aber schon verschwunden. Womöglich war er bereits in Pasing ausgestiegen.

Passiert ist bislang glücklicherweise nichts in München. Doch es bleiben viele Fragen: Was führte zu der Terrorwarnung? Wie ernst musste man sie nehmen?

Bekannt wurde jetzt, dass der erste Hinweis zu einem angeblichen Anschlag zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag in München von einer Polizeistation in Baden-Württemberg kam. Ein aus dem Irak stammender Mann war dort persönlich vorstellig geworden. Polizeikreise bestätigten der SZ einen entsprechenden ARD-Bericht.

Demnach hatte am Vorweihnachtstag jener Mann von den Anschlagsplänen berichtet. Er nannte als mögliches Ziel München und sprach davon, dass sich sieben Männer mit Sprengstoff und Anschlagsplänen bereits in der Stadt aufhielten. Weiter beschrieb er ein Hotel, in dem die mutmaßlichen Attentäter untergekommen sein sollten, und nannte arabische Namen, deren Echtheit bis heute nicht bestätigt ist. Auch die beiden Bahnhöfe nannte er als Anschlagsziel - nicht aber die Silvesternacht als Zeitpunkt. Er gab überdies an, diese Information von seinem im Irak lebenden Bruder erhalten zu haben. Der Bundesnachrichtendienst hatte danach die Möglichkeit, diesen Mann vor Ort zu befragen.

Nach SZ-Informationen waren in den folgenden Tagen nicht nur deutsche Sicherheitsbehörden, sondern auch mehrere ausländische Geheimdienste involviert, die versucht haben, die Hinweise der Brüder zu verifizieren. Federführend sei der amerikanische Geheimdienst gewesen, der als Mittler aufgetreten sein soll. Auch aus dem Irak gab es brisante Informationen: Einer der von dem Zeugen genannten Namen konnte einem Mann in Bagdad zugeordnet werden. Angeblich sollte sich dieser bereits mit anderen in einem Apartmenthotel im Münchner Westen aufhalten, berichteten am Sonntag verschiedene Medien, Sicherheitskreise bestätigten dies der SZ.

Das Hotel wurde zunächst observiert und die Bewohner wurden überprüft. Dabei ergab sich nichts Verdächtiges. Dennoch wurde zwei Wohnungen in dem Gebäude, die man noch für den wahrscheinlichsten Unterschlupf hielt, am 30. Dezember durchsucht - ohne Ergebnis. Die Entscheidung, die Öffentlichkeit in der Silvesternacht zu informieren und die beiden Bahnhöfe zu sperren, fiel dann erst, nachdem der französische Geheimdienst am Silvesterabend einen konkreten Anschlagszeitpunkt genannt hatte.

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