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Nach Missbrauchsverdacht in einem Kindergarten:Bürgermeisterin Strobl räumt Fehler ein

"Ich kann mich nur entschuldigen für die Stadt": Nach dem Missbrauchsverdacht in einem Kindergarten hat Bürgermeisterin Strobl eingeräumt, dass das Krisenmanagement der Stadt nicht optimal verlaufen sei.

Die harsche Kritik von Eltern am Krisenmanagement der Stadt nach Bekanntwerden eines Missbrauchsverdachts in einem städtischen Kindergarten wird Folgen haben. "Wir werden Konsequenzen daraus ziehen", sagte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Die Informationspolitik gegenüber den Eltern sei anfangs "nicht optimal gelaufen", räumte Strobl ein: "Ich kann mich nur entschuldigen für die Stadt."

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Die Stadt will künftig Eltern schneller und kompetenter informieren, wenn ein Missbrauchsverdacht in einem Kindergarten aufkommt.

(Foto: dpa)

Dem schloss sich Stadtschulrat Rainer Schweppe (SPD) an, der als Chef des Bildungsreferats für die Einrichtung verantwortlich ist: "Man hätte es optimaler machen können", manches sei "nicht glücklich gelaufen". Vor wenigen Tagen hatte Schweppe das Vorgehen noch als völlig richtig verteidigt.

Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch gegen einen Pfleger, der in einem städtischen Kindergarten tätig war. Rund zwei Dutzend Kinder könnten Opfer sein.

Strobl kündigte an, auch für Kindergärten eine schriftliche "Handreichung", also eine Art Notfallplan erarbeiten zu lassen. Damit hätten in der Krisensituation nach Bekanntwerden eines Missbrauchsverdachts die Zuständigen eine Anleitung, wie sie vorgehen müssen. Darin sollen einzelne Arbeitsschritte dargelegt werden, um in der Aufregung Kommunikationsfehler zu vermeiden.

Solche Fehler seien laut Strobl im aktuellen Fall gewesen, dass der erste Elternabend zu spät stattgefunden habe, nämlich zehn Tage nach Bekanntwerden des Verdachts, und die Einladung den Müttern und Vätern nicht mit einem persönlich an sie adressierten Brief zugesandt wurde. Falsch sei auch gewesen, das Thema des Treffens nicht zu benennen, es war nur von "aktuellen Vorkommnissen" die Rede. Dies hatte offenbar zur Folge, dass manche Eltern nicht kamen, weil ihnen die Brisanz nicht bewusst war, und andere erst bei dieser Gelegenheit von dem Verdacht erfahren haben.

Ein Fehler sei auch gewesen, zu diesem ersten Elternabend keine psychologische Fachkraft hinzuzuziehen, räumte Strobl ein. Man untersuche nun intern, warum dies innerhalb von zehn Tagen nicht gelungen war. Anschließend war es innerhalb von vier Tagen möglich, die von Eltern geforderten externen Fachleute hinzuziehen, die naheliegende Fragen etwa zum künftigen Umgang mit den Kindern beantworteten. Der zweite Abend sei wesentlich besser gelaufen, so Strobl, die betonte, dass anfangs die mutmaßliche Dimension nicht klar gewesen sei.

Die Bürgermeisterin erklärte auch, dass die Stadt an entscheidenden Punkten richtig gehandelt habe. So sei der beschuldigte Mitarbeiter am 20. Juni innerhalb weniger Stunden suspendiert worden. Auch die Einzelfall-Hilfe für Kinder durch das Jugendamt habe funktioniert. Inzwischen haben man den Eltern mehrere Fachberatungsstellen empfohlen; zudem arbeite in der Einrichtung nun eine Heilpädagogin, und eine Psychologin sei täglich für Eltern ansprechbar. Auch das Kindergarten-Team werde unterstützt.

Am Donnerstag habe man die Leiterin des betroffenen Kindergartens umgesetzt, sie arbeite nun auf einer anderen Stelle innerhalb des Bildungsreferats. Dies habe man aufgrund der Fürsorgepflicht gegenüber der Mitarbeiterin gemacht, sagte Schweppe. Er und Strobl betonten, dass die Stadt sehr an einer möglichst raschen und umfassenden Aufklärung der Vorwürfe interessiert sei.