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Nach Hungerstreik:Protestierende Flüchtlinge dürfen in Hotel ziehen

Bei eisigen Temperaturen harrten hungerstreikende Flüchtlinge in der Münchner Innenstadt eine Nacht lang auf Bäumen aus. Am Morgen kletterten sie völlig entkräftet herunter - weil ihnen Oberbürgermeister Reiter ein Versprechen gemacht hat.

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Quelle: Robert Haas

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Der Tag danach: Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) unterhält sich am Donnerstagmorgen mit den Flüchtlingen. Sie sind geschwächt, durchgefroren und wollen nicht aufgeben. Seit Samstag haben sie am Sendlinger-Tor-Platz in München protestiert, das Essen verweigert und zuletzt auch nichts mehr getrunken.

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Quelle: Robert Haas

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Am Mittwochabend ist die Situation eskaliert. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) ordnete die Räumung an, da Ärzte bei den niedrigen Temperaturen eine Unterkühlung der Menschen befürchteten. Es bestand - so teilte es die Stadt offiziell mit - "Gefahr für Leib und Leben". In der Folge rückten Hunderte Einsatzkräfte an. Um sich ihrem Zugriff zu entziehen, kletterten mehrere Flüchtlinge auf Bäume.

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Quelle: Robert Haas

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Das Camp selbst wurde geräumt, die durch den Hungerstreik geschwächten Flüchtlinge wurden medizinisch versorgt.

Was sie zu dem Protest in der Kälte bewogen hat? Die selben Motive wie bei dem Hungerstreik auf dem Rindermarkt vor gut einem Jahr: Die Flüchtlinge protestierten für ein Bleiberecht in Deutschland und gegen die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften. Gebracht hat das damals außer vielen Versprechungen nichts.

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Quelle: Robert Haas

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Damit dieser Hungerstreik nicht auch wieder ohne Ergebnis endet, blieben die Flüchtlinge die ganze Nacht über auf den Bäumen.

Rund um den Sendlinger-Tor-Platz herrschte Ausnahmezustand. Etwa 500 Einsatzkräfte waren vor Ort, Busse wurden umgeleitet, Trambahnen fuhren die Haltestelle nicht an.

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Quelle: Robert Haas

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Erst am Morgen bewegte sich etwas. Nach und nach kamen KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle, Polizeichef Hubertus Andrä und andere Behördenvertreter zum aufgelösten Camp. Um kurz nach acht Uhr trafen auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und die bayerische Sozialministerin Emilia Müller (CSU) ein.

Reiter hatte schon am Montag mit den Flüchtlingen gesprochen, diesmal mit Erfolg.

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Quelle: Robert Haas

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Um 8.36 Uhr ließ sich der letzte Flüchtung vom Baum in ein Sprungtuch fallen. Anschließend gingen die sechs Männer mit den Politikern in die gegenüberliegende Matthäuskirche, um über ihre Situation zu verhandeln.

Reiter hatte ihnen zuvor zugesagt, Gespräche mit wichtigen Politikern zu organisieren, etwa dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) oder verschiedenen Bundesministern.

Polizei räumt Flüchtlingscamp in München

Quelle: Andreas Gebert/dpa

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Genauso wichtig, wie die angekündigten Gespräche, dürfte für die Flüchtlinge eine andere Zusage Reiters sein: Sie müssen nicht mehr zurück in die Gemeinschaftsunterkunft in der Bayernkaserne, sondern sollen ab jetzt anders untergebracht werden. Erst war die Rede von Pensionen, KVR-Chef Blume-Beyerle sprach am Donnerstagmorgen davon, dass die Flüchtlinge in Obdachlosenunterkünften untergebracht würden - nun sind sie vorübergehend in einem Hotel untergekommen.

© SZ.de/infu/bica
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