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Nach Flitzer-Vorfall in der Stabi:Wachmänner sollen für Ordnung sorgen

Die Bayerische Staatsbibliothek reagiert mit drastischen Maßnahmen auf den Flitzer-Vorfall im Lesesaal. Sie hat nicht nur Strafanzeige gestellt, künftig soll auch ein Sicherheitsdienst für Ordnung sorgen. Und der kostet fast 200.000 Euro pro Jahr.

Die Bayerische Staatsbibliothek reagiert mit drastischen Maßnahmen auf den Flitzer-Vorfall im Lesesaal. Die Verantwortlichen der Einrichtung haben nicht nur Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Erregung öffentlichen Ärgernisses gestellt, sie haben wenige Tage danach auch das Aufsichtspersonal verstärkt. Nun patrouillieren ständig zwei Mitarbeiter eines externen Sicherheitsdienstes durch die drei Ebenen des Allgemeinen Lesesaals.

Sie tun dies während der gesamten Öffnungszeit, also von Montag bis Sonntag, jeweils von acht Uhr morgens bis Mitternacht. Die Kosten dafür liegen nach Angaben eines Sprechers der Bibliothek "bei 12.000 pro Monat", auf das Jahr gerechnet wären das etwa 180.000 Euro.

Am 1. März waren zwei bisher unbekannte junge Männer durch den Lesesaal gerannt, sie trugen Masken und hatten nur ihren Schambereich notdürftig bedeckt. Auf ihren Rücken standen die Schriftzüge "Dipl.-Ing." und "Nie wieder Stabi". Sie liefen durch die Reihen und warfen Kleinigkeiten auf die Tische, manche Stabi-Nutzer applaudierten. Festgehalten ist das Ganze in einem kurzen Video, das im Internet die Runde machte. Die Staatsbibliothek reagierte mit einer Stellungnahme auf ihrer Facebook-Seite, in der von einem "nicht-akzeptablen Vorfall" die Rede ist.

Dass nun zusätzliche Aufseher unterwegs sind, sei eine "Notreaktion", erklärt der Sprecher. "Wir müssen zeigen, dass so etwas nicht toleriert werden kann. Es wird von uns erwartet, dass wir einen ordnungsgemäßen Bibliotheksbetrieb und gute Arbeitsbedingungen für Wissenschaft und Forschung gewährleisten. Wir sind keine Studentenwerks-Bücherei."

Flirtportal für Stabi-Nutzer

Der Flitzer-Vorfall sei auch "nicht der erste gewesen". So habe man kürzlich nur mit großem Personalaufwand verhindert, dass im Lesesaal der sogenannte "Harlem Shake" aufgeführt wird. Dabei versammelt sich eine Gruppe von verkleideten und leicht bekleideten Menschen an einem Ort, um plötzlich wie aus dem Nichts wild zu tanzen. Videos von diesen Aktionen werden im Internet millionenfach angeklickt.

Außerdem, berichtet der Sprecher, gebe es Fälle, bei denen sich Stabi-Nutzer aus Mangel an freien Plätzen eine Sitzgelegenheit aus Büchern auftürmen oder ein Regal leerräumen, um darauf zu sitzen. Egal, ob durch das Internet befeuerte Streiche oder Auswüchse des zu großen Andrangs, "die Situation im Lesesaal wird immer unkalkulierbarer", sagt der Sprecher. "Wir haben uns schweren Herzens für den zusätzlichen Wachdienst entschieden, denn das Geld könnte man natürlich auch anders ausgeben." Man werde aber beobachten, ob der Aufwand auf Dauer nötig sei oder ob man ihn irgendwann wieder reduzieren könne.

Die Reaktionen bei den Benutzern der Staatsbibliothek sind offenbar unterschiedlich. "Wir haben von vielen Besuchern die Rückmeldung, dass sie ein Eingreifen erwartet haben", sagt der Sprecher. Nutzer der Facebook-Seite "Spotted: Stabi München" hingegen machen sich über die Aufseher lustig. "Ich hatte mein Wasser auf dem Tisch und du hast mich nicht darauf hingewiesen, Frischling!", schreibt jemand. In einem anderen Eintrag heißt es: "Welchen der Securitas Männer findet ihr ansatzweise scharf? Ich kann mich nicht entscheiden."

Diese Seite ist der Stabi-Leitung ohnehin ein Dorn im Auge, weil sie auch ein Flirtportal für Stabi-Nutzer ist. Das Video mit den Flitzern ist dort ebenfalls eingestellt, worauf die Bibliothek allerdings selbst auf ihrer Facebook-Seite hinwies.

Nachtrag: Der Sprecher der Staatsbibliothek hat seine Angaben vom Vortag korrigiert. Statt von 15.000 Euro pro Monat hatte er zuvor noch von einem Betrag "im mittleren fünfstelligen Bereich pro Monat" gesprochen. Er sagt: "Wir überprüfen, wie lange wir den Sicherheitsdienst noch aufrecht erhalten oder ob wir es mit eigenem Personal abdecken."