Nach Bungee-Unfall:Wagnis mit fatalen Folgen

Nach dem Bungee-Unfall in Oberschleißheim schwebt eine 17-Jährige immer noch in Lebensgefahr. Das Unglück ist bereits der dritte schwere Unfall auf den Anlagen von Jochen Schweizer.

S. Pfauth und S. Wimmer

Es sollte ein aufregendes Erlebnis werden: Ein Bungee-Sprung aus 50 Metern Höhe über der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim, Kopf voraus in die Tiefe. Das Abenteuer, gebucht bei der Agentur Jochen Schweizer, endete tragisch: Noch immer schwebt eine 17-Jährige aus Oberschleißheim in Lebensgefahr, ihr 20-jähriger Freund aus Unterschleißheim erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Offenbar hatte der Kranführer die Sicherung gelöst, bevor die Teilnehmer festen Boden unter den Füßen hatten. Die Schüler knallten aus zwei Metern Höhe auf den Boden. Jochen Schweizer selbst will sich zu dem Unglück nicht äußern.

Nach Bungee-Unfall: Nicht ganz ungefährlich: Bungee-Springen.

Nicht ganz ungefährlich: Bungee-Springen.

(Foto: Foto: Heddergott)

Nach dem Unfall am Samstag bezeichnet Hans-Ulrich Sachenbacher, Geschäftsführer der Heag GmbH, die mehrere Sprunganlagen betreibt, die Unglücksursache als "Verkettung unglücklicher Umstände". Beim Ablassen der Springer sei es zu einem Missverständnis zwischen dem Kranführer und dem Mitarbeiter am Boden gekommen: Letzterer habe die beiden aufgefangen und dieses dem Kranführer signalisiert.

In diesem Moment sei das Paar jedoch wieder nach oben geschwungen, dem Mitarbeiter am Boden gelang es nicht, sie festzuhalten. Zeitgleich aber löste der Kranfahrer die Sicherung. "Wenn der Mitarbeiter am Boden die beiden normal gehalten hätte, wäre nichts passiert", sagte Sachenbacher. Er verteidigte das Verhalten des Kranfahrers: Man könne von oben nicht alles genau sehen und müsse sich auf Ansagen vom Boden verlassen können. Die Polizei ermittelt. Noch ist nicht geklärt, ob sich der Unfall so zugetragen hat oder ein technischer Fehler in Frage kommt.

Heag-Geschäftsführer Sachenbacher betonte, dass alle Mitarbeiter der Sprunganlage ausreichend geschult seien: "Vor jeder neuen Sprungsaison werden alle Handgriffe noch einmal geübt und der TÜV überprüft die Anlage", sagte er. Trotzdem sollen die Mitarbeiter in Zukunft noch ausführlicher vorbereitet werden.

Auf den Bungee-Anlagen von Jochen Schweizer ist dies der dritte schwere Unfall innerhalb weniger Jahre. Im September 2002 erwischten die Mitarbeiter der Bungee-Eventfirma an der Regattastrecke das falsche Seil, ein 22-Jähriger knallte mit dem Gesicht voran auf das Wasser und verletzte sich schwer. Im Juli 2003 riss auf der Schweizer-Anlage in Dortmund das Bungee-Seil, ein 31-jähriger Mainzer starb.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Schweizer wegen fahrlässiger Tötung und verwies auf ein überaltertes Seil. Das Amtsgericht widersprach dem 2005, einen Prozess gab es nicht. Jochen Schweizer sagt zu dem Unfall nichts. "Warum, das können wir Ihnen nicht sagen", heißt es in seinem Pressebüro. Die 17-jährige Oberschleißheimerin, die bei dem Sprung Kopfverletzungen und einen Leberriss erlitt, schwebte am Montag noch in Lebensgefahr.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB