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Nach brutaler Attacke in München:U-Bahn-Schläger gefasst

Mit einer Sektflasche soll er seinem Opfer den Schädel eingeschlagen haben. Rund einen Monat nach einem neuerlichen brutalen Übergriff in der Münchner U-Bahn hat die Polizei einen Mann festgenommen.

Gleich zwei brutale Übergriffe hintereinander hatten Anfang Oktober in der U-Bahn-Station Giselastraße in München für Aufsehen gesorgt. Rund einen Monat nach der Attacke ging den Beamten jetzt auch der zweite Tatverdächtige ins Netz. Der 32 Jahre alte Mann soll einem Griechen, 21, am U-Bahnhof Giselastraße eine Sektflasche mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen haben.

Das Videobild einer Überwachungskamera in der Münchner U-Bahn-Station Giselastraße vom 4. Oktober zeigt die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern.

(Foto: Foto: dpa)

Der alkoholisierte Verkäufer hatte seinen späteren Angreifer gegen 6 Uhr morgens zufällig getroffen. Er wollte mit Freunden nach einer Kneipentour in der Leopoldstraße nach Hause fahren. Im Nordgeschoss des U-Bahnhofs in Schwabing geriet die Clique mit dem 32-Jährigen in Streit. Der Marokkaner soll ein Mädchen der Gruppe "zu intensiv" angesehen haben. Daraufhin habe das spätere Opfer ihn angegangen.

"Beide Kontrahenten sind der Auseinandersetzung nicht aus dem Weg gegangen, sie haben sie gesucht", sagte der Vizechef des Mordkommissariats, Richard Thiess, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in München. Schließlich soll der 32-Jährige eine am Boden liegende Sektflasche aufgehoben und zugeschlagen haben. Der Grieche erlitt dabei eine Schädelfraktur mit Einblutungen ins Gehirn. Der Täter flüchtete.

Der Angreifer hinterließ jedoch DNA-Spuren, anhand derer seine Identität geklärt werden konnte, wie die Polizei mitteilte. Der Mann hatte wegen einer sexuellen Beleidigung eine Probe abgegeben, die mit dem am Opfer sichergestellten Material abgeglichen wurde. Außerdem wurde er vom Geschädigten und einem Zeugen auf Fotos wiedererkannt. Am Dienstag wurde der mutmaßliche Schläger am Münchner Flughafen festgenommen, als er gerade von einer Urlaubsreise in sein Heimatland zurückgekehrt war.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Totschlags erwirkt. Die Tat habe "zumindest abstrakte lebensgefährliche Folgen" gehabt, erläuterte Thiess. Das Opfer habe aber keine bleibenden Gesundheitsschäden davongetragen. Nur einen Tag nach der brutalen Attacke hatte am selben U-Bahnhof ein 23-Jähriger einen 43-Jährigen zusammengeschlagen, der ihn auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte. Er stellte sich jedoch wenige Tage nach der Tat freiwillig der Polizei.

Vor knapp einem Jahr hatte der Fall der beiden Münchner U-Bahn-Schläger bundesweit Schlagzeilen gemacht, die einen Pensionär nach dem Hinweis auf das Rauchverbot in der U-Bahn brutal niedertraten. Am Mittwoch wies die Münchner Polizei Spekulationen über eine Häufung von Gewalttätigkeiten in der U-Bahn der Landeshauptstadt jedoch zurück. Die Zahlen für U- und S-Bahn seien im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel zurückgegangen, sagte Sprecher Peter Reichl. "Die U-Bahn ist eines der sichersten Verkehrsmittel - daran ändern auch diese Einzelfälle nichts."