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Nach BayernLB-Krise:"2009 wird ein schwierigeres Jahr"

Stadtsparkassen-Chef Harald Strötgen rechnet als Folge der BayernLB-Krise mit einer Ertragsverschlechterung.

Es ist die Frage, die Harald Strötgen in diesen Tagen am häufigsten gestellt wird: Woher nimmt die Stadtsparkasse die 26 Millionen, die sie zur Rettung der BayernLB beisteuern muss? "Von der hohen Kante", antwortet der Vorstands-Chef. Auf die Frage, wie hoch denn die Rücklagen und stillen Reserven seien, sagt er in sehr bestimmten Tonfall: "Sehr hoch." Eine genaue Summe der stillen Reserven will er "aus geschäftspolitischen Gründen" nicht nennen. Klar ist nur, dass allein schon das ausgewiesene Eigenkapital 798 Millionen Euro beträgt.

Die Hauptgeschäftsstelle der Stadtsparkasse München im Tal.

(Foto: Foto: Robert Haas)

Die Kunden seines Hauses müssten nicht mit schlechteren Konditionen oder höheren Gebühren "als Folge der BayernLB" rechnen, beruhigt der Vorstands-Chef die mehr als 800.000 Kunden seines Hauses. Strötgen ist, was Prognosen betrifft, ein vorsichtiger Mann, und deswegen ist ihm diese Einschränkung "als Folge der BayernLB" wichtig. "Diese Belastungen können wir verkraften, so dass überhaupt kein Anlass besteht, bei den Dingen, die wir selbst entscheiden können, etwas zu ändern."

Im Klartext: Die Stiftungen der Sparkasse werden weiterhin Geld ausschütten - im vergangenen Jahr waren es rund zwei Millionen Euro. Der Stadtkämmerer darf auch heuer mit einer Überweisung von zirka drei Millionen Euro aus dem Gewinn und Gewerbesteuer-Einnahmen in Höhe von 23,4 Millionen Euro rechnen. Der Ertrag, den die Stadtsparkasse 2008 erwirtschaftet, wird nach Strötgens Angaben mit rund 130 Millionen Euro den Gewinn des Vorjahres (124,8 Millionen) sogar noch übertreffen.

Zwei mögliche Szenarien

Alles paletti also? In diesem Jahr schon, aber: "2009 wird ein schwierigeres Jahr werden als 2008", sagt Strötgen. Und das aus mehreren Gründen: Zum einen fehle die Dividende, die die BayernLB bisher regelmäßig an ihren Gesellschafter Stadtsparkasse in Höhe von jährlich rund acht Millionen Euro ausgezahlt hat. Und zum anderen wisse niemand, wie es mit der weltweiten Finanzkrise weitergehe. "Ich hoffe nicht, dass sie das ganze Jahr 2009 andauern wird, wir hoffen, dass auf den Finanzmärkten wieder Normalität einkehrt", sagt Strötgen.

Aber dennoch: "Ich rechne für 2009 mit einer erheblichen Verschlechterung des Ertrags", sagt der Sparkassen-Chef. Zwei mögliche Szenarien nennt er: "Wenn die schlechte Verkaufssituation im Wertpapierbereich anhält und wenn die Kunden als Verunsicherung ihre Investitonen zurückstellen." Das bedeutet, dass die Sparkasse deutlich weniger Provisionen aus dem Wertpapierhandel verbuchen und erheblich weniger Kredite vergeben könnte - beides wichtige Einnahmequellen des Geldinstituts, die im kommenden Jahr aller Voraussicht nach nicht mehr so reichlich sprudeln werden. Aber: "Die Ausschüttungen werden auch 2009 gelingen, und die Aktivitäten bei Sponsoring und Stiftungen bleiben auf dem gleichen Niveau wie dieses Jahr".

"Ich mache mir da keine Sorgen"

Szenenwechsel. Von Aufregung ist an diesem Mittwochnachmittag in der Schalterhalle der Stadtsparkasse nichts zu spüren. Vielleicht haben sich die Kunden, die vor den Schaltern und Geldautomaten stehen, längst an die täglichen Schlagzeilen der internationalen Finanzkrise gewöhnt, vielleicht regen sie sich nicht auf, weil sie ihr Geld bei der Stadtsparkasse für sicher halten. "Ja, ich mache mir da keine Sorgen", sagt einer.

Für ein klein bisschen Aufregung sorgt allenfalls die Nachricht vom Rückzug des bayerischen Finanzministers Erwin Huber angesichts des Desasters bei der bayerischen Landesbank. 6,4 Milliarden Euro braucht die BayernLB, um nach ihrem abenteuerlichem Engagement auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt wieder auf eine solide Basis gestellt zu werden.

Die Stadtsparkasse, der 4,33 Prozent der Landesbank gehören, muss mit 26 Millionen Euro haften. Diese 26 Millionen sind immerhin deutlich weniger als die 208 Millionen, die die Stadtsparkasse hätte aufbringen müssen, wenn es das Rettungspaket des Bundes nicht gäbe. Denn dann hätte sich die Sparkasse am Rettungsschirm des Freistaats und der bayerischen Sparkassen beteiligen müssen, was das Münchner Geldhaus im schlimmsten Fall 208 Millionen Euro gekostet hätte.

Harald Strötgen sieht in der Krise allerdings auch eine Chance: "Wir haben aus der Geschichte gelernt, dass die großen Vermögensumschichtungen immer in Zeiten der Krise stattfinden." In der Tat haben die Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den vergangenen Wochen Einlagenzuwächse in Milliardenhöhe verbucht. Strötgen: "Wir versuchen, die Gunst der Stunde zu nützen."

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