Nach Amoklauf in München Freunde von David S. nun in der Psychiatrie

Vor seinem Amoklauf traf sich David S. noch mit seinem 16-jährigen Freund.

(Foto: action press)
  • Die zwei Jugendlichen, die mit David S. in Kontakt standen und ähnliche Gewaltfantasien wie er hatten, sind in psychiatrischer Behandlung.
  • Die Polizei rekonstruiert, wo sich der Amokläufer zwei Stunden lang während seiner Tat aufhielt: Er versteckte sich in einer Tiefgarage.
Von Martin Bernstein und Susi Wimmer

Die beiden Jugendlichen, die in Kontakt mit dem Münchner Amokläufer David S. standen, befinden sich nun in psychiatrischen Einrichtungen. Der 15-Jährige aus Ludwigsburg, der mit dem Täter via Chat über Gewalttaten kommuniziert hatte, hatte offenbar einen Amoklauf an seiner Schule geplant.

Der 16-jährige Münchner hegte ähnlich wie der Attentäter Amokfantasien und traf sich kurz vor der Tat mit David S. am OEZ. Bei beiden Jugendlichen, so entschieden die Ermittlungsrichter, reichten die Gründe für eine Untersuchungshaft nicht aus. Unterdessen werten die gut 60 Ermittler der Sonderkommission OEZ rund 1750 Hinweise aus und sichten mehr als 1000 Dateien, die Zeugen des Amoklaufs am OEZ auf das Upload-Portal der Polizei geladen hatten.

Wie nun bekannt geworden ist, hatte sich der Amokläufer von München offenbar verschiedene Identitäten im Netz zugelegt. Nach SZ-Informationen benannte er sich außerdem in David um, nachdem er unter seinem Geburtsnamen Ali von Mitschülern gemobbt worden war. Seinen neuen Namen führte er derart konsequent, dass er auch bei Behörden nur noch so geführt wurde.

Eine Woche ist es nun her, dass der Münchner David S., der am 20. April vor 18 Jahren als Ali zur Welt kam und später seinen Namen änderte, am OEZ in Moosach neun Menschen willkürlich erschoss. Die Polizei hat Videos ausgewertet, Zeugen befragt, und auch einen Mantrailer-Hund eingesetzt, der den Weg des Amoktäters nachverfolgen konnte.

Demnach hatte sich der 18-Jährige nach der Tat etwa zwei Stunden lang in einem Tiefgaragenkomplex nahe der Henckystraße versteckt. Gegen 20.30 Uhr verließ er sein Versteck und flüchtete auf die Henckystraße. Dort wurde er von Zivilpolizisten entdeckt, woraufhin er sich selbst erschoss.

Kurz vor der Tat fragte der Freund den Schützen: "Hast du noch die Glock?" Antwort: "Ja."

Keine neuen Erkenntnisse haben die Ermittler dazu, wie sehr David S. möglicherweise von rechtem Gedankengut fasziniert war. Fest steht, dass er den rechtsextremistischen norwegischen Attentäter Anders Breivik bewunderte. Außerdem soll er seinen Geburtstag am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers, als "besonders positives Schicksal" angesehen haben, sagte Innenminister Joachim Herrmann am Donnerstag. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch aus Ermittlerkreisen bisher nicht. Die Motivsuche sei noch nicht abgeschlossen.

Die Ermittler kennen inzwischen zwei Jugendliche, mit denen sich David S. im Internet über Amokläufe austauschte. Zum einen hat die Polizei den 16-jährigen Burschen aus Laim im Visier, den David S. kurz vor der Tat zum OEZ bestellt hatte. Sie kannten sich aus der Klinik. Der Ermittlungsrichter glaubte dem 16-Jährigen, dass dieser von der bevorstehenden Tat nichts wusste. Obwohl der 16-Jährige David S. kurz vor dem Treffen noch via Handy fragte: "Hast du noch die Glock?"

Und David S. antwortete: "Ja." Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde gegen die Entscheidung des Ermittlungsrichters ein und schickte die Akte am Dienstag zum Amtsgericht. Dort allerdings kam sie laut Sprecherin Monika Andreß bis Donnerstag nicht an. Zwischenzeitlich jedoch war das Jugendamt aktiv geworden und hatte den 16-Jährigen, den Ermittler als "tickende Zeitbombe" einstuften, in eine psychiatrische Einrichtung gebracht.

Ebenfalls in der Psychiatrie - nach Auskunft der dortigen Staatsanwaltschaft freiwillig - ist ein 15-Jähriger aus Gerlingen im Kreis Ludwigsburg. Auf ihn war die Polizei am Montag durch den Hinweis eines Berliner Internet-Experten aufmerksam geworden. Der Gerlinger und S. tauschten sich in einem Forum für Ballerspiele über Amokläufe aus. Gerlingen ist nur etwa 15 Kilometer von Winnenden entfernt.

Den Schauplatz eines Amoklaufs im Jahr 2009 hatte David S. im Mai vergangenen Jahres besucht. Es gibt bislang aber keine Hinweise, dass die beiden sich dort getroffen haben. In der Nacht zum Dienstag nahmen die Ermittler den Jugendlichen in Gerlingen fest. Der 15-Jährige hat Ermittlern zufolge konkrete Pläne für eine Bluttat an seiner Schule verfolgt.

Das teilten Sicherheitskreise der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag mit. So hatte er sich neben Munition, Messern und Material zum Bombenbau auch bereits Fluchtpläne, eine Schutzweste und Utensilien zur Maskierung angeschafft. Eine Pistole, deren Foto der 15-Jährige in einem Internet-Forum gezeigt haben soll, fanden die Ermittler nicht.

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