Wenn es nach Bernd Rosenbusch geht, werden mangels Sohlenverschleißes in München und Umgebung künftig weniger Schuhe verkauft: „Kein Mensch muss mehr laufen“, witzelte der Chef des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) am Donnerstag. Denn für die sogenannte letzte Meile, also den Weg von einer ÖPNV-Haltestelle zum Ziel, gibt es in München und in Teilen des MVV-Gebiets fortan wieder Räder zum Ausleihen.
Vor dem Verkehrszentrum des Deutschen Museums moderierte Rosenbusch den Startschuss für das neue Leihradsystem „My Radl“, das nach Angaben des Betreibers Nextbike das größte Bikesharing-System in ganz Deutschland ist. Ob dieser Superlativ nun zutrifft oder nicht: Allein die räumliche Verteilung von „My Radl“ sprengt die Dimensionen des Vorgängers MVG-Rad deutlich. 36 Kommunen im Umland plus die Stadt München beteiligen sich aktuell an „My Radl“, dessen Einführung der MVV organisiert hat.
Mit dabei sind Städte und Gemeinden in den Landkreisen München, Fürstenfeldbruck, Freising, Miesbach und Starnberg. An den Start geht „My Radl“ mit zunächst 2000 Rädern, 700 davon in München. In den nächsten Wochen wird die gesamte Flotte auf 6700 Räder erweitert, ein Drittel davon werden elektrisch angetriebene Pedelecs sein. Nächstes Jahr kommen 15 weitere Kommunen dazu, dann gibt es „My Radl“ auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
Die Räder können über die MVV-App, die App MVGO und über die Nextbike-App gebucht werden. Eine Liste der teilnehmenden Gemeinden und Städte findet sich auf der Homepage myradl.de.
Die Räder dürfen nicht überall wild abgestellt werden. Dafür sind insgesamt 1000 feste Stationen vorgesehen, die auf der App zu finden sind. Außerhalb von München kennzeichnen meist Stelen, Schilder, Bodenmarkierungen oder Fahrradständer die Mobilitätspunkte. In München nutzt „My Radl“ die Sharing-Abstellflächen, die an weiß-grüner Umrandung erkennbar sind, sowie an Schildern und Bodenmarkierungen. Zusätzlich gibt es „virtuelle Zonen“, die in den Apps angezeigt werden, das heißt: Die Räder werden so genau per GPS geortet, dass deren Miete nur auf einer definierten Fläche beendet werden kann. Feste Gestelle, an denen die Räder befestigt werden müssen, wie sie beim MVG-Rad verbreitet waren, gibt es nicht mehr.

Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der auch Sprecher der MVV-Landkreise ist, warb für „My Radl“ als „übergreifende Anschlussmobilität an Bus und Bahn“ über Landkreisgrenzen hinweg. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) findet zudem, das neue Bikesharing-System lade dazu ein, „aktiv mobil zu sein und die Vorzüge unserer Stadt und der Region vom Fahrradsattel aus zu entdecken“.
Das neue Angebot kostet pro 30 Minuten einen Euro für ein klassisches Fahrrad und drei Euro für ein Pedelec. Der Tagestarif liegt bei neun Euro für das normale und 18 Euro für das elektrische Bike. Im ermäßigten Tarif ist beim klassischen Rad die erste halbe Stunde gratis, beim Pedelec kostet die erste halbe Stunde 1,50 Euro.
Ermäßigung gibt es für Nutzer, die ein Deutschland-Ticket direkt in der MVV-App gekauft haben, als Studierende der Hochschule Landshut ein ermäßigtes Deutschland-Ticket des MVV besitzen oder die ein Abo bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) haben. Man kann auch direkt für zehn Euro monatlich ein Monatsabo für „My Radl“ abschließen oder für 60 Euro pro Jahr ein Jahresabo. Dann gelten ebenfalls die ermäßigten Preise.

