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MVV-Preise:Besserer Durchblick im Tarifdschungel

Tariferhöhungen im Münchner Nahverkehr sollen künftig transparenter werden: Ein Index könnte dann mit entscheidend dafür sein, wie stark die Preise steigen - aber nur, wenn die Gesellschafter der MVV dem Vorschlag zustimmen.

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) könnte schon im kommenden Jahr seine Preisanhebungen nach einem anderen Muster vornehmen als bislang. MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag will den Gesellschaftern, also der Stadt, dem Freistaat und den acht Landkreisen, bereits im Frühjahr einen Vorschlag für einen Preisindex unterbreiten, der die Richtschnur geben soll für die jährlichen Tarifsteigerungen. Nach dem politischen Hickhack in diesem Sommer um die Preisanhebungen hatten die MVV-Gesellschafter Freitag mit der Entwicklung eines solchen Index beauftragt. Damit sollen künftige Preissteigerungen transparenter werden - und vor allem auch die emotionalen Debatten dazu abgemildert werden.

Freitag will nun schauen, wie andere Nahverkehrsverbünde solche Indizes gestaltet haben. In Hamburg und Nürnberg sind Indizes seit Jahren im Einsatz, der Berliner Verbund hat heuer erstmals einen angewandt. Laut Freitag könnte bis Mai ein konkreter MVV-Index vorliegen. In einer weiteren Sitzung der Gesellschafter im September, bei der traditionell über die Tarifanpassungen entschieden wird, könnte der Index erstmals zum Einsatz kommen - sofern alle Beteiligten mit dem Vorschlag einverstanden sind.

Index-Erstellung schwierig

Beim Blick in die Indizes anderer Regionen zeigt sich aber, dass es knifflig werden könnte, ein passendes Modell zu entwickeln. Denn die Indizes setzen sich aus durchaus unterschiedlichen Komponenten zusammen. So fließen in den Nürnberger Index nach Auskunft eines Sprechers des dortigen Verbunds lediglich die Angaben der großen Verkehrsunternehmen der Region sowie der Deutschen Bahn ein. Die Firmen geben an, mit welchen Kostenentwicklungen sie unter anderem bei Fahrstrom, Diesel, Personal und den Kapitalkosten für das nächste Jahr rechnen. Hinzu kommt stets ein Aufschlag von 0,5 Prozent, der abfedert, was die Kommunen an Zuschüssen aus ihren Haushalten abschmelzen.

Einen solchen "Strukturaufschlag" kennt auch der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) - nur schwankt er dort zwischen 0,7 und einem Prozentpunkt pro Jahr. Anders als die Nürnberger lassen die Hamburger in die Berechnung ihres Index' nicht nur die Kosten für Diesel, Strom und Personal einfließen, sondern auch noch eine Kennzahl für die Entwicklung der allgemeinen Verbraucherpreise. Ähnlich in Berlin.

Fahrgastvertreter fordern mehr öffentliche Zuschüsse

Ziel der Hamburger war es seinerzeit, mit der Einführung des Index die Preisanhebungen transparenter zu machen. "Das ist gelungen", sagt HVV-Sprecher Rainer Vohl. Allerdings: Ganz ohne Debatten laufen seither die jährlichen Anhebungen dennoch nicht ab, muss auch Vohl einräumen. Vor allem der Strukturzuschlag von zuletzt 0,7 Prozentpunkten führt immer wieder zu heftigen Diskussionen in der Bürgerschaft darüber, ob der Stadtstaat genügend Geld in Ausbau, Qualität und Betrieb seines Nahverkehrsnetzes steckt. Durch einen höheren Zuschuss der öffentlichen Hand könnten die Preissprünge für die Fahrgäste niedriger ausfallen, so die Argumentation. Ähnliche Forderungen hatten zuletzt auch in München Fahrgastvertreter wie Wolfram Liebscher vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) formuliert.

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Klar ist für MVV-Chef Freitag schon jetzt, dass die Münchner Lösung am Ende "kein starrer Index" sein wird. Auch ihm schwebt eine "Strukturkomponente" vor, mit der man beispielsweise "Leistungssprünge beim Angebot" berücksichtigen könnte. Zuletzt hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Tarifanhebungen unter anderem auch damit begründet, dass sie viel Geld in die Anschaffung neuer Busse und Züge steckt, um dichtere Takte anbieten zu können.

Sollte der MVV zudem irgendwann ausgedehnt werden, müsse man etwaige Einnahmeverluste über "Flexibilisierungsmöglichkeiten" abfedern können, ergänzt Freitag. In Berlin kennt man das schon: Dort wurde festgelegt, dass der Index zwar jährlich errechnet wird. Ob er dann aber auch zur Anwendung kommt, ist offen. "Einen Automatismus" jedenfalls, sagt eine Sprecherin des dortigen Verbunds, "den gibt es nicht." Das letzte Wort habe nach wie vor die Politik.