Nahverkehr MVV führt Chipkarte für Abokunden ein

Die alten Zeitkarten aus Papier sollen von einer Plastik-Chipkarte ersetzt werden.

(Foto: MVV)
  • Nach einer Prognose des MVV könnten im Jahr 2025 im Raum München noch einmal mehr Autos unterwegs sein als jetzt schon.
  • Neue Anreize sollen darum helfen, den Autoverkehr einzudämmen. Etwa soll der Ticketkauf einfacher werden. Abokunden sollen zum Beispiel eine Chipkarte erhalten.
  • Auch soll ein Pilotversuch starten, den Fahrpreis automatisch per App und zurückgelegter Strecke zu ermitteln.
Von Andreas Schubert

Ende dieses Jahres steht die große Tarifreform im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) an. Doch das ist nicht die einzige Neuerung, die mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr motivieren soll. Vor allem der Ticketkauf soll einfacher werden.

Von diesem Jahr an führt der MVV Chipkarten für Abokunden ein. Der Vorteil sei: Die Chipkarte wird nur einmalig an den Kunden versandt und kann dann mehrere Jahre lang verwendet werden. Die Fahrkarte wird bei Verlängerung des Abos automatisch erneuert. Bei Verlust kann sie wie eine EC-Karte gesperrt werden. Und wer einen anderen Tarif benötigt, kann diesen einfach auf der Karte speichern. In einem weiteren Schritt sollen die Chipkarten grundsätzlich bei allen Zeitkarten eingeführt werden - wann ist allerdings noch offen.

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Laut MVV-Chef Bernd Rosenbusch soll im kommenden Jahr auch ein Pilotversuch starten, bei dem der Fahrpreis automatisch per Smartphone-App erhoben wird und von der zurückgelegten Strecke abhängt. Davon sollen Fahrgäste profitieren, die nur gelegentlich im MVV unterwegs sind und sich nicht mit den Tarifen auskennen. Denn laut Rosenbusch werden diese nach der Reform im Dezember zwar einfacher, "aber noch lange nicht einfach". Das elektronische Ticket soll dabei nicht teurer sein als eine konventionelle Einzelkarte.

Neue Anreize im MVV sollen zum Rückgang des Autoverkehrs in der Region beitragen. Das ist nach Ansicht Rosenbuschs dringend nötig. Denn wegen steigender Pendlerzahlen nimmt der Autoverkehr im Raum München immer mehr zu. Laut dem Regionalen Nahverkehrsplan, den der MVV am Freitag veröffentlicht hat (PDF), könnten im Jahr 2025 täglich bis zu 4,1 Millionen Menschen mit dem eigenen Auto im Raum München unterwegs sein, neun Prozent mehr als im Jahr 2010. Im Vergleich dazu könnte die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr auf 2,6 Millionen am Tag steigen, das wären 16 Prozent mehr. Insgesamt werden 2025 gut eine halbe Million Menschen mehr am Tag in der Region unterwegs sein.

"Wir haben ein Verkehrsproblem, das sich in den nächsten zehn, 20 Jahren nicht signifikant ändern wird," sagt Rosenbusch. So wird es noch voraussichtlich bis Ende der 2030er-Jahre dauern, bis die neue U-Bahnlinie U 9 in Betrieb gehen kann - sofern sie bei geschätzten Kosten von drei Milliarden Euro überhaupt jemals gebaut wird. Rosenbusch sieht den Bund als Geldgeber in der Pflicht. "Das Geld wäre da", sagt er.

Allerdings wird es seiner Ansicht nach falsch eingesetzt: Fast 29 Milliarden Euro gebe der Bund jährlich für den Verkehr aus. Darunter seien aber einige "umweltschädliche Subventionen". So gingen dem Staat knapp zwölf Milliarden Euro durch die Steuerbefreiung von Kerosin durch die Lappen, 7,4 Milliarden durch die Steuervergünstigung von Diesel und 3,1 Milliarden Euro durch Begünstigungen von Dienstwagen. "Es ist doch absurd", sagt Rosenbusch, "meine Sekretärin zahlt mir meinen Dienstwagen."

Ein "Mobilitätsverbund" könnte auch Carsharing-Angebote beinhalten

Es sei höchste Zeit, so der MVV-Chef, die Probleme mit der Schiene anzugehen. Die Eisenbahn gehöre dem Bund, also auch "dieses bescheuerte Stellwerk" am Ostbahnhof, das nun fast 50 Jahre alt ist und regelmäßig ausfällt. Eine weitere wichtige Maßnahme, die schnell umgesetzt werden könnte, wäre laut Rosenbusch der Bau von Busspuren, um neue wirkungsvolle Tangentialverbindungen schaffen zu können. Auch eine "kreative und sozial verträgliche Maut" für Autos hält der MVV-Chef für sinnvoll.

Da Pendler immer größere Entfernungen zurücklegen, sei die Ausdehnung des Tarifverbunds auf weitere Landkreise eines der Ziele. In einem "Mobilitätsverbund" könnten dann in fünf bis zehn Jahren verschiedene Angebote wie Car- und Bikesharing, Taxis und öffentliche Verkehrsmittel integriert werden und über eine einzige Plattform buchbar sein. Kritisch sieht Rosenbusch, dass Carsharing-Angebote nicht in den Außenbezirken verfügbar sind, sondern nur im lukrativen Zentrum Münchens und in zentrumsnahen Vierteln. Hier müsse die Stadt regulierend eingreifen. Wer zur Verbesserung der Verkehrssituation beitragen soll, dürfe sich nicht nur die Rosinen herauspicken.

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