Im Jahr 2023 startete der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) seinen Wachstumskurs. Inzwischen sind aus einst acht Mitgliedern 18 geworden: 15 Landkreise und drei kreisfreie Städte. Nächstes Jahr sollen mit dem Landkreis Ostallgäu und der kreisfreien Stadt Kaufbeuren weitere hinzukommen. 2028 dann könnten sich die Kreise Altötting und Traunstein anschließen.
Der ganz große Wachstumsschub bleibt jedoch vorerst aus: Der für nächstes Jahr vorgesehene Zusammenschluss des MVV mit dem Augsburger Verkehrsverbund (AVV) scheitert derzeit an der Finanzierung. Am Dienstag sagte MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch beim Jahrespressegespräch, dass der Beitritt der Schwaben aufgeschoben sei und es derzeit keinen Termin dafür gebe. In der Vergangenheit war bereits die Rede von einem Beitritt 2025, dann 2026, dann 2027. Doch so lange der Freistaat Bayern sich aus Sicht der Kommunen nicht ausreichend an den Kosten beteiligt, wird es nichts mit der Fusion.

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Denn ein Beitritt zum MVV ist teuer: Unter anderem müssen nicht nur Automaten neu programmiert und Fahrpläne angepasst werden, was auch Geld kostet. Am meisten Kosten verursachen die sogenannten Durchtarifierungsverluste. Die entstehen durch das neue Tarifsystem, weil Fahrgäste künftig nur noch ein Ticket im erweiterten Verbund brauchen. Die einzelne Fahrkarte ist für den Fahrgast billiger als die Summe bisheriger Tickets. Im Falle des AVV wären das laut Rosenbusch „ein paar Millionen Euro“ pro Jahr, für die jemand aufkommen müsste. Das wären dann die Gesellschafter des Verbunds, also Stadt und Landkreis Augsburg sowie die Landkreise Aichach-Friedberg und Dillingen an der Donau. Und die sehen noch Verhandlungsbedarf.
Dabei lohnt sich ein Beitritt für die MVV-Mitglieder wie auch für die Fahrgäste. Für Letztere werden Fahrten mit Bus und Bahn einfacher und in den meisten Fällen günstiger. Wenn dann mehr Menschen auf Autofahrten verzichten, sinkt auch die Verkehrsbelastung in den Kommunen. Im Landkreis Rosenheim, der vor zwei Jahren dem MVV beigetreten ist, habe man „sehr positive“ Erfahrungen gemacht, teilt Landrat Otto Lederer auf der Homepage des Landkreises mit. Laut Rosenbusch nutzen seit Einführung des MVV mindestens elf Prozent mehr Fahrgäste das Angebot von Bus und Bahn.
Ende vergangenen Jahres haben sich die alten und neuen Mitglieder der Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds zu einer Feierstunde getroffen. Der Anlass war der Beitritt der Landkreise Mühldorf am Inn, Garmisch-Partenkirchen sowie Stadt und Landkreis Landshut. Inzwischen umfasst das Gebiet des MVV die „schönsten Flecken Bayerns“, wie Rosenbusch sagt. Das sind 13 595 Quadratkilometer mit 410 Kommunen, in denen 4,1 Millionen Menschen wohnen.
Auch der Landkreis Mühldorf am Inn hatte lange mit dem Beitritt zum MVV gehadert. Der Landkreis musste einmalig 260 000 Euro für Infrastrukturmaßnahmen und Beratungsleistungen ausgeben, von 2026 an fallen dann jährlich rund 230 000 Euro an Eigenleistung für den Betrieb an. Zunächst war man von deutlich höheren Summen ausgegangen. Und auch für die nun aufgeschobene Fusion mit Augsburg gilt laut MVV-Chef Rosenbusch: Man versuche, die Kosten zu reduzieren.

