MVV-Auskunft von Alexa:20 Versuche, eine richtige Antwort

S-Bahndepot in München, 2017

Wer S-Bahn fahren will, sollte sich lieber nicht auf Alexa verlassen.

(Foto: Robert Haas)

In einer neuen Testversion von Alexa soll man aktuelle Fahrplanauskünfte, Störungen im Netz und vieles andere abrufen können. Aber damit tut sich der Sprachassistent noch schwer.

Von Andreas Schubert

Alexa kann mitunter lustige Sachen. Für den Sprachassistenten des Internetkonzerns Amazon gibt es sogenannte Skills, das sind Erweiterungen des Programms, die so manche Zusatzfunktionen ermöglichen. Diese Skills muss der Nutzer nur entweder auf der Amazon-Homepage oder der Alexa-Smartphone-App aktivieren, schon kann Alexa zum Beispiel Radioprogramme öffnen, das Smarthome (sofern vorhanden) steuern, Witze erzählen und sogar Pups- oder Rülpsgeräusche machen. Ja, es gibt tatsächlich Pups- und Rülpsgeräuschgeneratoren - behaupte mal noch einer, Programmierer hätten keinen Humor.

Irgendwie lustig ist auch der neueste Skill des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), mit dessen Hilfe sich aktuelle Fahrplanauskünfte, Störungen im Netz und vieles andere abrufen lassen können, was sonst auch die MVV-Smartphone-App bietet. Der Service, so der MVV, sei nicht nur für Alexa-affine junge Leute gedacht, sondern explizit auch für Menschen mit Sehbehinderungen, denen der Sprachassistent eine wertvolle Hilfe sein soll.

Doch noch ist das Angebot eine Testversion, die gezielt vor der technischen Reife auf den Markt gekommen ist, damit die Nutzer dabei helfen können, Fehler zu beseitigen. Und derer sind es noch viele, selbst verschiedenen ausgewiesenen Hochdeutschsprechern (bairischer Akzent ist eher von Nachteil) antwortet Alexa meistens, dass sie nicht richtig verstanden habe. Aber gut, ist ja eine Beta-Version, die noch lernen muss.

So behauptet Alexa um 14.50 Uhr, dass der nächste Bus 62 von Ostbahnhof um 19.29 Uhr Richtung Gärtnerplatz abfährt - nachdem sie vorher in deutlichem Computerdeutsch beteuert hatte, die Linie 62 erst gar nicht finden zu können. Auch mit der U-Bahn hat Alexa es nicht so, wie auch mit manchen Haltestellen: "Ich konnte die Haltestelle Berg am Laim zum Hauptbahnhof nicht finden", sagt sie auf die Frage, wann denn die nächste S2 von Berg am Laim zum Hauptbahnhof fahre. Immerhin gibt es um 14.55 Uhr dann doch noch einen Treffer: Alexa wusste, dass in drei Minuten eine U2 vom Josephsplatz nach Feldmoching abfährt. Geht doch, nach 20 Versuchen eine richtige Antwort!

Die MVV-Kundenbetreuung hofft auf Verbesserungsvorschläge ihrer Kunden - sofern die Alexa nicht lieber pupsen oder rülpsen lassen. Das ist nämlich auch nicht viel inhaltsfreier als derzeit noch der neue Fahrplan-Skill.

© SZ vom 25.08.2018/infu
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