Süddeutsche Zeitung

Kompass:Rückenwind durch Wissen

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Die Offene Akademie der Münchner Volkshochschule präsentiert an ihrem neuen Standort im Gasteig HP8 ein umfangreiches Programm bei meist freiem Eintritt.

Von Greta Hüllmann

Die Offene Akademie im Gasteig bringt seit vielen Jahren kluge Köpfe und aktuelle Debatten in die Münchner Volkshochschule. In Podien und Vortragsreihen, die für die Besucher meist kostenlos sind, treffen hier kontroverse Standpunkte zu verschiedensten Themen aufeinander. Von September bis November geht es am neuen Standort HP8 unter anderem um Münchens Klimastrategie, Rassismus oder auch die Ernährung in den Wechseljahren. Schwerpunkt des Eröffnungswochenendes ist das Thema "Wasser".

Eröffnungswochenende

Die VHS weiht ihren neuen Standort, das Kulturzentrum Gasteig HP8, mit einem kostenlosen Programm am Eröffnungswochenende von Donnerstag, 6., bis Sonntag, 9. Oktober, ein. Das HP8, Ausweichquartier des sanierungsbedürftigen Gasteigs am Rosenheimer Platz, wirft mit Veranstaltungen zum Themenschwerpunkt "Wasser" einen neuen Blick auf die unmittelbare Nähe zur Isar. "Geht uns das Wasser aus?" fragt zum Beispiel Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude im Gespräch mit dem Journalisten und Autor Nick Reimer am 7. Oktober. Hep Monatzeder, Entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen, und die Stadtplanerin Ingrid Krau diskutieren tags darauf die schwierige Bilanz der Isar-Renaturierung. Am Sonntag nähert sich Harald Lesch dem Stoff H2O, dem Ursprung allen Lebens, wissenschaftlich, während die Münchner Philharmoniker seinen Vortrag akustisch begleiten. Neben dem Wasser-Schwerpunkt können von Freitag bis Sonntag außerdem knapp 150 Schnupperangebote zum Programm der VHS, das unter anderem Fotografie, Tanz, Zeichnen, Sprachen oder Impro-Theater beinhaltet, besucht werden.

Kunst in der Aspekte Galerie

Pärchenbildung ist seit jeher das wohl wichtigste Anliegen der Menschen - und neuerdings auch der Kunstgalerien in München. Die Pinakothek der Moderne verbindet themenähnliche Werke unter dem Titel "Mix and Match", und nun eröffnet die Aspekte Galerie der VHS am 6. Oktober die Ausstellung "Crosslink", in der in mehreren Ausstellungszyklen Werke von jeweils zwei Kunstschaffenden miteinander verbunden werden. Die Aspekte Galerie präsentiert seit den Achtzigerjahren bildende Kunst und zieht nun ebenfalls in den Gasteig HP8. Die Ateliers des Geländes werden bereits seit mehr als zehn Jahren von Kunstschaffenden bespielt, weshalb "Crosslink" als Kooperation zwischen den alteingesessenen Künstlerinnen und Künstlern und der Aspekte Galerie konzipiert wurde.

Schreiben in Kriegszeiten

Eigentlich sollte das diesjährige, siebte Treffen des ukrainischen-deutschen Literatur- und Kunstprojektes "Eine Brücke aus Papier" die Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Mykolajiw zusammenbringen. Die Stadt liegt im Süden der Ukraine, nur wenige Kilometer von der Mündung des Schwarzen Meeres entfernt. Doch Mykolajiw wird von russischen Militär beschossen, weshalb das Treffen nach München verlegt wurde. Am Mittwoch, 5. Oktober, berichten die Schriftstellerinnen Kateryna Mishchenko und Natalka Sniadanko im Gespräch mit der Münchner Autorin Birgit Müller-Wieland und der Gründerin des Projektes, Verena Nolte, wie die Flucht aus Lwiw ihr Schreiben und Empfinden geprägt hat.

Klimafreundliches München

Bis 2035 soll die Metropole München klimaneutral werden, ein ebenso ehrgeiziges wie notwendiges Ziel. Während des 16. Münchner Klimaherbstes vom 7. Oktober bis 6. November wird mit Menschen aus Politik, Wissenschaft und Aktivismus diskutiert, wie die Münchner in ihrer Stadt klimagerecht und lebenswert wohnen können. Im Podiumsgespräch "Zukunftsmusik" am Dienstag, 11. Oktober, befragen Experten Umweltsprecher aus dem Stadtrat, wie das Ziel ganz konkret erreicht werden soll. Beim "8 x 8 Minuten"-Slam am 18. Oktober stellen acht Referierende in acht Minuten Konzepte und Ideen für ein nachhaltigeres München vor, die im Anschluss mit dem Publikum diskutiert werden. Die Reihe "Green Visions" präsentiert zudem Dokumentarfilme zu Umweltthemen wie "Bikes vs Cars" oder "Wild Plants".

Rassismus in Deutschland

Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland ist mit dem Tod Oury Jallohs, der in Polizeigewahrsam tot aufgefunden wurde, den Drohschreiben des NSU 2.0 und den Morden in Hanau wieder einmal deutlich geworden, dass Rassismus in Deutschland ein Problem ist. Mit der Veranstaltungsreihe "Rassismus in Deutschland" präsentiert die Offene Akademie Lesungen, Vorträge, Diskussionen und Filme zur Geschichte und zu Gewalt und Gegenstrategien. Cihan Sinanoğlu erläutert in seinem Vortrag "Rassistische Realitäten", wie Menschen Rassismus im Alltag wahrnehmen (18.10.), während der Film "Schwarze Adler" die Vergangenheit und rassistische Erfahrungen schwarzer deutscher Nationalspielerinnen und -spieler erzählt (27.10.). Im Generationengespräch "Farbe bekennen" zieht die Mitherausgeberin des gleichnamigen Standardwerkes zur afrodeutschen Bewegung, Katharina Oguntoye, die Bilanz ihres 1986 erschienenen Buches (14.11.).

Geraubte Kunst in deutschen Museen

Die Bedeutung des Wortes "Provenienzforschung" ist spätestens seit der Aufarbeitung von Deutschlands kolonialer Vergangenheit kein obskures Fachwort mehr. Die Wissenschaft, die die Herkunft von Kunstwerken untersucht, spielt in der Debatte um geraubte Kunst aus ehemaligen Kolonien eine entscheidende Rolle. Wem gehören die Werke, wer stellt sie aus, wer darf mitreden und Entscheidungen treffen? Um all diese Fragen wird in Museen weltweit gerungen. Am 14. November kommen Ethnologen aus Frankfurt und Göttingen, die Kuratorin des Museums für Asiatische Kunst und Ethnologie aus Berlin und die Direktorin des Münchner Museums Fünf Kontinente zusammen, um Forschungsergebnisse, eigene Standpunkte und die großen Fragen dazu zu diskutieren.

Deutschland aus jüdischer Sicht

Wer Bertha Pappenheim war, wissen nicht viele Menschen, obwohl die jüdische Frauenrechtlerin schon zu Zeiten der Weimarer Republik gegen das Abtreibungsverbot kämpfte. Die israelische Historikerin Shulamit Volkov kennt sie dagegen genau, denn von ihr und vielen anderen jüdischen Persönlichkeiten erzählt sie in ihrem Buch "Deutschland aus jüdischer Sicht - Eine andere Geschichte", das einen Bogen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart spannt. Am 22. September stellt sie ihre wichtigsten Erkenntnisse in der Evangelischen Stadtakademie vor. Jüdischen Denkerinnen und Denkern widmen sich Lesungen, etwa zu Moses Ben Maimon (18.10.) und Moses Mendelssohn (25.10.). Der Vortrag "Frauen gegen Hitler" gibt widerständigen Frauen während des Nationalsozialismus eine Bühne (14.11.).

Bildung für den Alltag

Neben philosophischen Diskursen und politischen Debatten bietet die Offene Akademie auch praxisnahe Vorträge und Workshops für wenig Geld an. Im Bereich körperliche und mentale Gesundheit wird zum Beispiel erklärt, wie Perfektionismus überwunden (25.9.) und Stress reduziert werden kann (17.11.), was zum fairen Streiten dazu gehört (27.11.) oder wie die richtige Ernährung in den Wechseljahren helfen kann (9.11.). Zum Stichwort Finanzen und Investitionen bekommen am 27. September junge Arbeitnehmende ab 20 Jahren Finanztipps, und ein Vortrag führt ins nachhaltige Investieren ein. Vorträge zu Altersvorsorge, Testament und Patientenverfügung werden sogar drei Mal angeboten (11. und 19.10.,15.11.). Wer außerdem noch erfahren möchte, wie der Balkon winterfest gemacht werden kann (8.11.) oder was zu tun ist, wenn Bekannte in Verschwörungserzählungen abdriften (24.10.), wird ebenfalls fündig werden.

Offene Akademie der Münchner Volkshochschule, bis 30. November, Programm und Anmeldung unter 089/48006-6239 und www.mvhs.de

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