MVG München hat einen neuen U-Bahnzug - zumindest vorübergehend

In jedem der neuen C2-Züge finden 940 Fahrgäste Platz, die Wagen sind ausgestattet mit Überwachungskameras und Monitoren zur Fahrgastinformation.

(Foto: MVG)
  • Schon seit Dezember 2013 sollten in München 21 neue U-Bahnen eingesetzt werden.
  • Allerdings streiten MVG und die Aufseher der Regierung von Oberbayern über die Zulassung.
  • Nun rollt ein Zug - probeweise, befristet und nur auf einem Streckenabschnitt.
Von Marco Völklein

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist bei der Zulassung ihrer neuen U-Bahnen vom Typ C2 zumindest einen kleinen Schritt vorangekommen. Seit Freitag darf der erste von insgesamt 21 Zügen probeweise auf dem Nordabschnitt der U 6 zwischen Kieferngarten und Garching-Forschungszentrum rollen. Die Aufseher der Regierung von Oberbayern, die für die Zulassung zuständig sind, hätten dazu eine vorläufige und befristete Genehmigung erteilt, teilte die MVG mit. Vorausgegangen war dem Ganzen offenbar ein Spitzengespräch, an dem auch Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) teilgenommen hatte. Ihm untersteht die Bezirksregierung.

Der Streit zwischen MVG und Zulassungsbehörde schwelt bereits seit mehr als drei Jahren. Ursprünglich hatte der städtische Verkehrsbetrieb geplant, die ersten vier der insgesamt 21 Siemens- Züge zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 einzusetzen. Die neuen Züge waren bereits damals eingeplant, um zum einen einige der mehr als 40 Jahre alten Waggons der Baureihe A zu ersetzen. Zum anderen wollten die MVG-Planer mit den zusätzlichen Zügen auf einigen stark frequentierten U-Bahn-Abschnitten in den Hauptverkehrszeiten einen Zwei-Minuten-Takt anbieten. Derzeit rollen die Züge dort im Abstand von zweieinhalb Minuten. Das Ziel des Zwei-Minuten-Takts ist bis heute nicht erreicht.

Denn zunächst tauchten an den ersten Zügen Mängel auf, unter anderem an den Türen. Diese Mängel musste Siemens aufwendig beheben. Später dann stritten sich die MVG-Leute mit den Aufsehern über Details des Zulassungsverfahrens. Nach Ansicht der MVG verlangen die Aufseher immer wieder neue Nachweise und Gutachten zu verschiedensten Technikfragen rund um die Bahnen.

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Die Vertreter der Bezirksregierung bestehen indes darauf, diese Nachweise seien notwendig, um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten. Selbst für Fachleute aus der Branche ist der Streit kaum nachzuvollziehen. Klar ist nur, dass die mittlerweile 21 Züge im Wert von 185 Millionen Euro zum Teil seit Jahren ungenutzt im MVG-Depot in Fröttmaning beziehungsweise auf einem Siemens-Gelände am Niederrhein stehen.

Seit Freitag nun darf also der erste Zug rollen. Weil aber die Regierung nur eine befristete Zulassung erteilt und diese auf den Nordabschnitt der U 6 beschränkt hat, setzt die MVG den einen Zug vorerst nur als zusätzliches Verstärkerfahrzeug zwischen zwei regulären U-Bahnen ein. Im Fahrplan taucht der neue Zug bislang nicht auf.

MVG-Chef Herbert König erklärte am Freitag, er sei "sehr froh, dass nun endlich ein erster Zulassungsschritt erfolgt sei". Und er dankte dem Minister für "seine aktive persönliche Vermittlung". Mit dem einen Zug sollen nun "erste Einsatztests im Betriebsalltag" erfolgen, so König weiter. Zudem hofft er, dass die Behörde für zwei weitere C2-Züge in Kürze ebenfalls vorläufige und befristete Zulassungen ausstellt - und diese dann nach und nach auf das gesamte Münchner U-Bahn-Netz ausweiten wird.

Bevor dies allerdings geschieht, müssen die MVG und die von ihr beauftragten Gutachter noch theoretisch-rechnerische Nachweise zum Lichtraumprofil der neuen Züge vorlegen. Dabei geht es, vereinfacht ausgedrückt, um den Nachweis, dass die neuen Züge in die bestehenden Tunnel reinpassen und nirgendwo anecken, etwa an einer Bahnsteigkante. Die Gutachter sollen laut MVG aufzeigen, dass dies auch dann der Fall ist, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig auf einen Zug einwirken - also zum Beispiel ein Defekt an der Federung auftritt, ein Gleis oder ein Reifen stark abgefahren ist und heftiger Seitenwind bläst (was im Tunnel kaum passieren kann, aber auf den Strecken an der Oberfläche, etwa im Münchner Norden).

Die Gutachter arbeiteten sich nun Stück für Stück durch das Münchner U-Bahn-Netz vor, um die Nachweise zu erbringen, heißt es bei der MVG - und dies nicht nur für die ersten drei Züge, sondern auch für die restlichen 18 U-Bahnen. Bis wann dies alles abgeschlossen sein wird - dazu geben die Verantwortlichen von MVG und Bezirksregierung seit Langem schon keine Prognosen mehr ab.

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