Wettbewerb für musikalisches UnterhaltungstheaterDas Sprungbrett in den Beruf

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Elena Franke auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters. Für sie gab es den dritten Platz und damit ein Engagement an der Komischen Oper Berlin.
Elena Franke auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters. Für sie gab es den dritten Platz und damit ein Engagement an der Komischen Oper Berlin. Adrienne Meister

Das Finale des Wettbewerbs MUT im Gärtnerplatztheater ist auch ein Branchentreffen, bei dem sich junge Talente ihren zukünftigen Arbeitgebern präsentieren.

Von Michael Stallknecht

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Soundcheck auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters, Elena Franke probiert ihr Mikroport mit den Tontechnikern des Hauses aus. „Supernervös“ sei sie, „schon seit fünf Tagen.“ Und eigentlich, sagt sie, „ziemlich fertig“. Erst am Freitag hatte sie Premiere bei den Freilichtspielen Tecklenburg, im Musical „Titanic“. Doch das hilft jetzt nichts: In zwei Stunden beginnt die Endrunde des Wettbewerbs „MUT“.

MUT, das steht für „Musikalisches Unterhaltungstheater“, nach den Genres, um die es hier geht, Musical und Operette vor allem. Aber auch dafür, „dass es Mut braucht in unserem Beruf in der heutigen Gesellschaft“, wie Josef E. Köpplinger, der Intendant des Gärtnerplatztheaters, im Gespräch vorm Finale sagt. 2009 hat er den Wettbewerb ins Leben gerufen, damals noch in Klagenfurt.

Seit 2015 findet das Finale alle zwei Jahre in München statt, die drei Vorrunden in Berlin, Wien und München. 150 Bewerbungen gab es in diesem Jahr. Dabei findet Köpplinger selbst „Vergleiche in der Kunst immer schwierig“. Und tatsächlich geht es um den Vergleich hier nur bedingt. Wie üblich werden zwar auch bei MUT drei Jurypreise vergeben, dazu ein Publikumspreis. Aber wichtiger fast noch sind die Sonderpreise, die von den kooperierenden Theatern kommen, laut Köpplinger „die entscheidenden Häuser für dieses Genre“: privilegierte Vorsprechen, Arbeitssitzungen, Coachings, das Erstellen von Demobändern.

Sogar Engagements gehören dazu: Die drei Erstplatzierten haben eine Rolle an der Komischen Oper Berlin sicher, Köpplinger selbst sucht sich unter den Finalisten zwei fürs Gärtnerplatztheater aus. Es umgeht das Problem, das viele Wettbewerbe haben: dass sie Preisträger küren und ihnen damit Aufmerksamkeit verschaffen, aber Preise noch lange keine Karriere sichern. „Echt toll vom Konzept her“ findet Elena Franke den Wettbewerb, weil er „eine so große Reichweite hat“. Die Vorrunde hat sie in Berlin absolviert.

Tatsächlich ist die Jury ungewöhnlich groß, die zu Beginn des Finales in der ersten Reihe der Zuschauertribüne Platz nimmt: Intendanten und Operndirektoren von staatlichen Häusern sind darunter, aber auch Vertreter von großen Musicalveranstaltern aus Deutschland, aber auch aus Österreich und Italien. MUT ist auch ein Branchentreff mit Werbewirkung fürs Gärtnerplatztheater, das selbst Operette und Musical intensiv pflegt, gleichberechtigt neben der großen Oper.

Auch das Publikum darf ausnahmsweise auf der Bühne Platz nehmen

Da schlägt Köpplinger als Juryvorsitzender geschickt zwei Fliegen mit einer Klappe. Und auch das Publikum hat was davon, weil es zum Ende der Spielzeit ausnahmsweise auf der Bühne Platz nehmen darf, mit Blick auf die pittoresk angeleuchteten Ränge. Viele junge Freunde der Teilnehmer sind darunter, aber auch klassisches Hauspublikum wie der „Freundeskreis Gärtnerplatztheater“, der den Publikumspreis finanziert. Jeweils acht Minuten haben die zwölf Finalisten – neun Frauen, drei Männer –, um zu singen, zu sprechen und möglichst auch noch zu tanzen, begleitet am Klavier vom Solorepetitor Peter Foggitt. Der rasche Wechsel zwischen allen drei, hatte Köpplinger gesagt, mache Unterhaltungstheater zur „schwierigsten aller Kunstformen“. Allzu viele Wettbewerbe gibt es nicht dafür.

Die konkrete Mischung der Nummern bleibt den Teilnehmern überlassen. Elena Franke hat sich für zwei Klassiker entschieden, eine Nummer aus „Cabaret“ und Friedrich Hollaenders ewig rührendes „Menschenskind“, dazu einen modernen, ironischen Sprechtext über die Stolperfallen der interkulturellen Kommunikation mit einer türkischen Putzfrau – eine gute Kombi. Der Wechsel zwischen Singen und Sprechen gelingt ihr virtuos, sie wirkt unbefangen, auch nicht hyperaktiv wie manch anderer im Finale. Einen kleinen Blackout habe sie gehabt, sagt sie danach in der Pause, „aber geschickt kaschiert“. Bühnenerfahrung hat die 25-Jährige schon seit der Kindheit, ihr Großvater gründete eine Freilichtspieltruppe im nordrhein-westfälischen Herdringen. Das Studium hat Franke an der Folkwang Universität in Essen absolviert, von der ein paar Finalisten kommen. Daneben sind die Bayerische Theaterakademie aus München und die Wiener „Musik und Kunst Privatuniversität“ verstärkt vertreten.

Die drei Erstplatzierte von links: Elena Franke (3. Platz), Lilly Rottensteiner (1. Platz) und Valentina Pichler (2. Platz).
Die drei Erstplatzierte von links: Elena Franke (3. Platz), Lilly Rottensteiner (1. Platz) und Valentina Pichler (2. Platz). Adrienne Meister

Von der MUK aus Wien kommen denn auch die beiden Finalistinnen, die Franke in der zweiten Hälfte am stärksten Konkurrenz machen: Valentina Pichler, die als Südtirolerin ebenso Italienisch wie Deutsch singt, außerdem noch den rasend komischen „Los Pinguinos“-Song über die quietschende Liebe zu einem Pinguin; sowie Lilly Rottensteiner, die, mit 28 Jahren altersmäßig an der Obergrenze für MUT, bereits an kleineren Rollen am Gärtnerplatztheater zu sehen war. So charmant wie selbstbewusst spielt sie damit, dass ihre Rundungen weiblicher sind als meist bei Musicaldarstellerinnen. „I am Not Pregnant, I am Just Fat“ lautet die Ansage aus „R. R. R. E. D a Secret Musical“, gefolgt von einer mehlspeisensüßen Version von „La Vie en Rose“ auf Wienerisch.

Dafür bekommt sie am Ende von der Jury den ersten Preis, dotiert mit 5000 Euro von den „Freunden des Nationaltheaters“, Valentina Pichler den zweiten, Elena Franke den dritten. Doch auch von den anderen Finalisten geht kaum jemand ganz leer aus, fast jeder ergattert irgendwo eine Arbeitsprobe oder sogar ein zugesagtes Engagement, Franke etwa ein Vorstellen bei der Staatsoperette Dresden. Der Wettbewerb erspare ihr „mindestens ein Jahr Vorsprechreisen“, schätzt sie, nachdem sie sich zwischen Weinen und Lachen doch für Letzteres entschieden hat. Sie empfinde Stolz, was ihr sonst nicht so leicht falle.

Schließlich hat sich nach der zweiten Hälfte nicht nur die Jury zum Punktezählen zurückgezogen, sondern auch das Publikum per Handy abgestimmt. Und Franke den Publikumspreis zugesprochen, besonders begehrt bei allen Wettbewerben, weil er künftige Breitenwirksamkeit verspricht. „Es ist schön zu sehen, dass ich mich nicht verstellen muss“, sagt sie. Dann geht es weiter zur After-Show-Party. Kontakte knüpfen.

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