Zeitgenössisches MusiktheaterWas das neue Leitungsduo der Münchener Biennale vorhat

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Das neue Leitungsduo der Münchener Musiktheater-Biennale: Katrin Beck (li.) und Manuela Kerer.
Das neue Leitungsduo der Münchener Musiktheater-Biennale: Katrin Beck (li.) und Manuela Kerer. Astrid Ackermann

Internationaler und in der ganzen Stadt vernetzt: Das neue Leitungsduo der Münchener Musiktheater-Biennale gibt erste Einblicke ins Programm.

Von Egbert Tholl

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Marek Wiechers, Kulturreferent der Stadt München, freut sich. Darüber, dass die Stadt trotz unerfreulicher Haushaltslage die Münchener Biennale für neues Musiktheater weiterhin finanzieren kann (mit tatkräftiger Unterstützung von BMW). Und darüber, dass das Festival, das alle zwei Jahre als weltweit wichtigstes fürs zeitgenössische Musiktheater stattfindet, in diesem Jahr zwei Jubiläen feiert. Die kommende Ausgabe, die von 8. bis 20. Mai stattfindet, ist die 20. der Biennale, deren Gründer, Hans Werner Henze, vor 100 Jahren geboren worden war.

Henze begab sich damals, 1988, auf die Suche nach neuen Werken, die das Opernrepertoire ums Zeitgenössische erweitern können und hatte damit enormen Erfolg. Sein Nachfolger Peter Ruzicka setzte diese Linie fort, auch unter seiner Leitung kamen einige Werke heraus, die Eingang ins Repertoire fanden, also auch außerhalb und nach dem Festival in neuen Inszenierungen weitergespielt wurde. Auf ihn folgten Daniel Ott und Manos Tsangaris, die eher am Spielerischen, am Moment der Aufführung interessiert waren und nicht unbedingt das allgemeingültige Meisterwerk der Gegenwart finden wollten. Die Biennale wurde zu einem Festival, durch das man sich treiben lassen konnte und sollte, neugierig und bereit, sich überraschen zu lassen.

Nun gibt es ein neues Leitungsduo, Katrin Beck und Manuela Kerer. Beck ist schon seit zehn Jahren bei der Biennale, leitete das künstlerische Betriebsbüro und kümmert sich beim Münchener Kammerorchester um die Musikvermittlung. Kerer ist eine Komponistin und Professorin aus Südtirol. Zusammen vermitteln sie bei ihrer ersten Pressekonferenz zum Programm des von ihnen verantworteten Festival eine große Euphorie bezüglich des eigenen Tuns.

Knapp zwei Monate vor Beginn der diesjährigen Biennale kann man eines mit Sicherheit sagen: Neugierde bleibt das unabdingbare Movens des Publikums. Kerer und Beck wollen aber das Publikum auch umgarnen, werden in ein Zelt vor der Muffathalle einladen, rufen zum Mitmachen und zum Kennenlernen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler auf, bitten zu Gesprächen vor und nach den Aufführungen. Diese finden über die Stadt verteilt statt, etwa im Schauburg Labor, in der Muffathalle, dem Einstein oder auch im Volkstheater. Begleitet werden sich auch von einem Podcast in Zusammenarbeit mit Mucbook und Positionen.

Künstliche Intelligenz und eine Kicker-Oper

Kerer sagt: „Wir haben in die Welt geschaut.“ Und Komponistinnen und Komponisten gefunden, deren Wurzeln den ganzen Planeten umspannen. Manche hätten Erfahrung mit Musiktheater, für andere ist der Auftrag durch die Biennale die erste Begegnung mit dem Komponieren szenischer Musik. Scheu vor großen Themen gibt es nicht, es gehe um Wahrheit, das Ende des Lebens, natürlich um künstliche Intelligenz und um Archive „als kulturelles Gedächtnis und künstlerische Praxis“, so die Dramaturgin Marlene Schleicher.

Manuela Kerer sagt, sie „kickere“, sei zwar kein Fußball-Fan, lieber aber das Geräusch so eines Kickerkastens. Also gibt es eine Kicker-Oper namens „Foosball“. „Der Miesepups“ freut sich – nicht als einziges Stück – auf Kinder als Gäste, Maximiliano Soto Mayorga erforscht Rituale aztekischer Kampfkunst, Monthati Masebe durchforstet ihr Archiv indigener Musiktradition aus Südafrika, an dem sie seit Jahren arbeitet. Insgesamt gibt es die erstaunliche Fülle von zehn Arbeiten zu erleben, alle Uraufführungen sind Koproduktionen teils mit den Münchner Institutionen, an denen sie stattfinden, aber auch mit etwa dem Staatstheater Stuttgart, diversen skandinavischen Einrichtungen, der Ars Electronica oder der Bayerischen Staatsoper.

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