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Saint-Saëns und Poulenc:Exotische Dialoge

Orgelwerke mit dem BRSO.

Von Klaus P. Richter

Als Mariss Jansons 2003 den Stab beim Symphonieorchester des BR von Lorin Maazel übernahm, änderte sich allerhand. Nicht nur die strikte Kühle des Präzisionstaktierers Maazel wich einer freieren Emphase, sondern auch das Repertoire gewann dazu. So kam etwa viel Russisches hinzu oder ein anderer Gustav Mahler, aber auch Zeitgenössisches, und schließlich sogar einige Werke für konzertante Orgel. Die Orgel im Konzertsaal abseits der sakralen Musik hatte vor allem in den Orgelsinfonien von Widor, Vierne und Guilmant eine moderne Karriere gemacht. Ein Reflex der "sinfonischen Dichteritis", wie Max Reger die Sinfonienflut des 19. Jahrhunderts spöttisch nannte - obwohl er selber ein manischer Orgelsinfoniker war.

Als Jansons Iveta Apkalna, die Titularorganistin der Elbphilharmonie für das Symphonieorchester des BR entdeckte, war es zwar bestimmt ein wenig "Riga Connection" mit der attraktiven Landsmännin, aber auch eine neue Programmidee. Die Früchte dieser Zusammenarbeit im Geiste französischer Sinfonik genoss man in einem Konzert der Philharmonie im Münchner Gasteig am 19. März 2019, wovon es einen Mitschnitt auf CD gibt.

Den spektakulären Auftakt liefert Françis Poulenc mit seinem Konzert für Pauke und Orgel in g-Moll. Dort stürzt sich die Orgel mit einem explosivem Forteauftakt und virtuosen Kaskaden in den exotischen Dialog mit Pauke und Orchester. Apkalna konzertiert dominierend mit der Demonstration aller Klangpotenziale der Klais-Orgel von delikaten Andante-Episoden über ein enthemmtes Agitato bis zum fahlen Schluss-Largo. In der Sinfonie Nr. 3 für Orchester und Orgel von Camille Saint-Saëns hingegen muss Iveta Apkalna fast zwölf Minuten warten, bis sie mit der Orgel im Pianissimo das erste Mal zu Wort kommt: eine weitere Farbe unter den Farben des Orchesters, deren spätromantisches Flair französischer Art Jansons mit dem BRSO feinnervig auskostet. Saint-Saëns hat das Werk selbst als Sinfonie "avec orgue" bezeichnet. Aber im Maestoso-Finale entfaltet sich schließlich allerhand Klangmacht; da übrigens auch mit viel Pauke.

© SZ vom 01.04.2020
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