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Musik:"Dann kam die Realität"

Am kommenden Wochenende lädt die Stadt München zur "18jetzt"-Party ins Rathaus. Auf der Singer-Songwriter-Bühne der Junge-Leute-Seite der SZ spielen acht junge Musiker. Hier erzählen sie von ihrem Blick auf das Leben, als sie volljährig wurden

(Foto: Denise Müller)

Sofia Lainovic

Wenn man 17 ist, macht man alles, und darf es nicht - mit 18 dann schon. Ich war mit 18 mit der Schule fertig, hatte mein Abi und habe mich ganz frei gefühlt, endlich selbst entscheiden zu dürfen. Ein prägender Moment war, das erste Mal zu wählen. Im Nachhinein war es aber auch anstrengend, weil dieses Entscheiden und auch noch viel mehr plötzlich von einem erwartet wird. Ich wollte möglichst viel ausprobieren, möglichst viele Erfahrungen sammeln, viel reisen. Ich habe mir ein Jahr frei genommen und viel Musik gemacht. Aber es kam auch die Realität, denn für all das braucht man auch Geld.

Es ist eine wichtige Erfahrung, denn dass es am Schluss doch immer anders kommt, das gilt ja nicht nur mit 18, sondern ganz allgemein im Leben. Jetzt bin 19 und fange bald ein Studium an - und auch das wird sicherlich noch einmal anders, als ich es mir jetzt vorstelle.

SoMn 2019 - Sound of Munich now
(Foto: Steve Drögemüller)

Eyeclimber

Lange habe ich versucht, den normalen Weg zu gehen, zu studieren. Eine Ausbildung habe ich auch versucht. Man soll ja immer eine Absicherung haben, heißt es. Aber glücklich hat es mich nicht gemacht. Die Musik erfüllt mich immer mehr und es geht immer mehr in die Richtung, dass es mein einziges Ding ist, was ich in meinem Leben mache. Das habe ich mir damals am meisten gewünscht und hätte es mir nie zu träumen erlaubt, dass es jetzt schon fast soweit ist. Ich glaube, mein 18-jähriges Ich wäre stolz auf mein 22-jähriges Ich. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, wer ich mit 18 war. Es ist zwar erst vier Jahre her, aber wenn ich so zurückblicke, wirkt es so, als wäre ich damals noch komplett unreif gewesen. Ich habe damals schon Musik gemacht und mir gewünscht, dass Musik die Hauptrolle in meinem Leben spielt. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass ich einfach mein Ding durchziehe. Klar gibt es Träume, die noch nicht in Erfüllung gegangen sind, aber ich bin ja trotzdem noch jung.

Band der Woche
(Foto: Loris Gleixner)

Jakob Mühleisen

Momentan weiß ich noch nicht genau, wer ich bin, aber ich weiß auf alle Fälle, was ich will. Der Weg zum Ziel ist vielleicht noch nicht ganz klar, aber das Ziel steht mit Sicherheit fest. Sobald man 18 ist, ändert sich von einem auf den anderen Tag einiges. Man wird mehr oder weniger ungefragt mit Dingen konfrontiert, denen man zuvor keine Sekunde Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Typischer Erwachsenen-Kram eben. Vor allem als freiberuflicher Musiker bringt das viel Arbeit mit sich. Man muss sich mit Krankenversicherungen, Verträgen, Steuern, Miete und solchen Sachen herumschlagen. Das ist oft öde. Alles Sachen, die man, bevor man 18 war, eigentlich auch nicht vermisst hat. Trotzdem überwiegt dabei für mich die positive Seite, die das 18-Werden mit sich gebracht hat: die uneingeschränkte Entfaltungsmöglichkeit. Sein eigener Chef sein und selbst die Dinge in die Hand nehmen zu können. Allein dies lässt mich den Papierkram auch wieder vergessen.

(Foto: Robert Haas)

Melli Zech

Mit 18 war ich nun nicht mehr die kleine Melli, sondern eine erwachsene Melli, die bereit war, die Welt zu entdecken. Endlich durfte ich Autofahren, war unabhängig. Ich konnte in die Clubs der Stadt. Und das ohne die Angst davor, dass der Ausweis der Freundin eines Freundes - die mir überhaupt nicht ähnlich sah - dem Türsteher ins Auge sticht und ich nicht hereinkomme. Trotz peinlicher Versuche, ihn davon zu überzeugen, dass ich auf jeden Fall die brünette 1,80-große Tamara bin. Kurz: Ich war aufgeregt und glücklich zugleich, als es endlich Mitternacht schlug. Natürlich war ich überrascht wie auch etwas verärgert, als der Türsteher beim nächsten Club-Besuch mich und meine Freunde einfach durchwinkte und nicht meinen bereits gezückten Ausweis forderte.

Mein großer Traum war es immer, mit meinem Bus durch Deutschland zu fahren, Straßenmusik zu machen und die Gegend zu erkunden. Diesen Sommer, mit 20, habe ich ihn mir erfüllt. Einen weiteren Traum setze ich gerade in Realität um: ein Album aufzunehmen und ein Musikvideo zu drehen.

"Victoryaz" Bandwettbewerb in München, 2019
(Foto: Florian Peljak)

Victoryaz

Mit 18 hatte ich ganz andere Prioritäten als heute und wollte unbedingt studieren. Obwohl es eigentlich offensichtlich war, dass ich nichts lieber tat als zu singen, war das für mich nie eine reelle Option. Unter anderem, weil es voraussetzt, dass man sich traut, vor anderen aufzutreten. Außerdem hatte ich in dem Alter sehr mit mir selbst zu kämpfen. Ich wollte es immer allen recht machen. Damals wollte ich übrigens noch Regisseurin werden. Zu der Zeit hatte ich aber noch nie einen Song geschrieben, oder überhaupt daran gedacht, irgendwann professionell Musik zu machen. Das hat sich sehr geändert - heute bin ich 23 Jahre und spiele mit meiner Band die ersten kleinen Festivals.

(Foto: Privat)

Paul

Mit 18 war ich noch total grün hinter den Ohren. Man muss sich das so vorstellen: Ein Abiturient, der nichts mehr wollte, als den ganzen Tag Musik zu machen und auf den großen Durchbruch hinzuarbeiten. Nebenbei habe ich noch die ganzen Vorteile des 18-Seins genossen: Ich konnte endlich legal Schnaps kaufen und trinken. Wählen gehen fand ich sehr aufregend. Und das Autofahren war für mich als Jugendlicher auf dem Land die vermutlich größte neu errungene Freiheit. Endlich musste man keine älteren Freunde oder Familienmitglieder fragen, ob sie einen wohin fahren können. Das war der erste Schritt in die Selbstständigkeit. Ich wollte dann auch unbedingt verreisen und einen Roadtrip machen. Jetzt, vier Jahre später, muss ich leider zugeben, dass das mit dem Reisen immer noch nicht so geklappt hat. Und das mit den großen Popstar-Träumen habe ich mir auch irgendwie einfacher vorgestellt.

(Foto: Andreas Burri)

Vleming

Mit 18 habe ich mich super geil gefühlt. Ich habe eine Ausbildung zum technischen Modellbauer gemacht, hatte mein eigenes Geld, es gab keinen Grund zu zweifeln. Langfristig geplant habe ich nicht, ich war immer auf der Suche nach der nächsten Freude. Damals habe ich gedacht, mir würden gute Dinge einfach so passieren. Tatsächlich ist mir einiges einfach so zugefallen, aber letztlich habe ich mich doch von dem entfernt, was ich wollte - auf der Bühne stehen, kreativ sein. Für die finanzielle Sicherheit meines Jobs habe ich meine Träume verkauft. Heute, 8 Jahre später, weiß ich, dass man mutig sein und selbst mit der Welt in Kontakt treten muss, wenn man etwas erreichen will. Meinem Ich von damals würde ich gerne sagen "Don't settle" - aber das würde vermutlich nicht auf mich hören. Na ja, vielleicht würde es eine lange Umarmung zulassen.

SoMn 2019 - Sound of Munich now
(Foto: Jakob-Stumpf)

Seda

Mit Freunden abhängen, Pizza essen und Spezi trinken - mit 18 war ich alles andere als eine Partymaus. Schon damals waren mir entspannte Abende lieber, als die Nacht im Club durchzutanzen. Außerdem hat die Schule für mich eine große Rolle gespielt. Ich habe zu der Zeit gerade mein Abitur gemacht. Das bedeutet ja auch immer Lebenswandel. Vorher jeden Tag mit den Freunden verbracht, erwartet die Gesellschaft plötzlich von einem, dass man genau weiß, was man mit dem Rest seines Lebens anfangen will. Aber davon habe ich mich nicht stressen lassen. So richtig bewusst geworden ist mir dieser Moment, als ich unsere Abi-Rede halten durfte. Ich wollte zeigen: Jetzt wird zwar vieles anders, aber das bedeutet keinen Druck, wir können unsere Freiheit ruhig genießen! Mein Moment der Freiheit war schon damals die Musik. Zu der Zeit habe ich noch Coversongs auf Youtube veröffentlicht, aber mein Ziel war es auf jeden Fall, eigene Musik zu machen und damit auf der Bühne zu stehen. Man könnte sagen, jetzt - sechs Jahre später - lebe ich meinen Traum!